Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Pandora,

377

Da packt man aufUnd rcnnt heraus.

So zieht vom Ort,

Mit festem Schritt,

Der erste fort,

Den zweiten mit.

Wenn Wahn und BahnDer Beste brach,

Kommt an und anDer letzte nach.

pronilthcii s.

Verleihet gleichSo Schad' als Nutz!

Hier weih' ich euchAu Schutz und Trutz.

Auf! rasch Vergnügte,

Schnellen Strichs!

Der barsch BesiegteHabe sich's!

Hier leistet frisch und weislich dringende HochgewaltErwünschten Dienst. Das Feuerzeichen schwindet schon,Und brüderlich bringt würd'ge Hülfe mein Geschlecht.

Nun aber Eos unaufhaltsam strebt sie an,

Sprungweise, mädchenartig, streut aus voller HandPurpurne Blumen! Wie an jedem Wolkensaum,

Sich reich entfaltend, sie blühen, wechseln, mannichfach!So tritt sie lieblich hervor, erfreulich immerfort,Gewöhnet Erdgeborner schwaches Auge sanft,

Daß nicht vor Helios' Pfeil erblinde mein Geschlecht,Bestimmt, Erleuchtetes zu sehen, nicht das Licht!

Eos (von dem Meer heraufsteigend),Jugendröthe, Tagesblüthc,

Bring' ich schöner heut als jemalsAus den unerforschten TiefenDes Okeanos herüber.

Hurtiger entschüttelt heute

Mir den Schlaf, die ihr des Meeres

Felsumsteilte Bucht bewohnet,

Ernste Fischer! frisch vom Lager!

Euer Werkzeug nehmt zur Hand!

Schnell entwickelt eure Netze,

Die bekannte Fluth umzingelnd!

Eines schönen Fangs GewißheitRuf' ich euch ermunternd zu.

Schwimmet, Schwimmer! taucht, ihr Taucher!Spähet, Späher, auf dem Felsen!

Ufer wimmle wie die Fluchen,

Wimmle schnell von Thätigkeit!

promcthc»s.

Was hältst du deinen Fuß zurück, du Flüchtige?

Was fesselt an dieß Bnchtgestade deinen Blick?

Wen rufst du an, du Stumme sonst, gebietest wem?

Die niemand Rede stehet, dießmal sprich zu mir!

Eos.

Jenen Jüngling rettet, rettet!

Der verzweifelnd, liebetrunken,

Nachctrunken, schwergescholten,

In die nachtumhüllten FluchenSich vom Felsen stürzete.

Prometheus.

Was hör' ich! Hat Phileros dem Strafedräu'n gehorcht?Sich selbst gerichtet, kalten Wellentod gesucht?

Auf, eilen wir! Dem Leben geb'ich ihn zurück.

Eos.

Weile, Vater! Hat dein ScheltenIhn dem Tode zugetrieben,

Deine Klugheit, dein BestrebenBringt ihn dießmal nicht zurück.

Dießmal bringt der Götter Wille,

Bringt des Lebens eignes, reines,Unverwüstliches BestrebenNeugeboren ihn zurück.

Prometheus,

Gerettet ist er? Sage mir, und schaust du ihn?

Eos.

Dort! er taucht in FluthcnmitteSchon hervor, der starke Schwimmer;

Denn ihn läßt die Lust zu lebenSticht, den Jüngling, nntergehn.

Spielen rings um ihn die Wogen,

Morgendlich, und kurz beweget,

Spielt er selbst nur mit den Wogen,

Tragend ihn, die schöne Last.

Alle Fischer, alle Schwimmer,

Sie versammeln sich lebendigUm ihn her, nicht ihn zu retten;

Gaukelnd baden sie mit ihm.

Ja Delphine drängen gleitendZu der Schaar sich, der bewegten,

Tauchen auf und heben tragendIhn, den schönen aufgefrischten.

Alles wimmelnde GedrängeEilet nun dem Lande zu.

Und an Leben und an FrischeWill das Land der Fluth nicht weichen;

Alle Hügel, alle KlippenVon Lebend'gen ausgezicrt!

Alle Winzer aus den Keltern,

Felsenkcllcrn tretend, reichenSchal' um Schale, Krug um KrügcDen beseelten Wellen zu.

Nun entsteigt der Götterglcichc,

Von dem ringsnnischäumtcn RückenFreundlicher Mecrwnnder schreitend,gleich umblüht von meinen Rose»,

Er, ein Anadyomcn,

Auf zum Felsen. Die geschmückteSchönste Schale reicht ein Alter,

Bärtig, lächelnd, wohlbehaglich,

Ihm, dem Bacchnsähnlichcn.