Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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FlliiZt.

Eine Tragödie.

ZUkigNUNg.

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten!

Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.

Versuch' ich wohl, euch dießmal fest zu halten?

Fühl' ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?

Ihr drängt euch zu! Nun gut, so mögt ihr walten,Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;

Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttertBom Zauberhanch, der euern Zug umwittert.

Ihr bringt mit euch die Bilder froher Tage,

Und manche liebe Schatten steigen auf:

Gleich einer alten, halbverklungnen Sage,

Kommt erste Lieb' und Freundschaft mit herauf;Der Schmerz wird neu, es wiederholt die KlageDes Lebens labyrinthisch irren Lauf,

Und nennt die Guten, die, um schöne StundenBom Glück getäuscht, vor mir hinweggeschwunden.

Sie hören nicht die folgenden Gesänge,

Die Seelen, denen ich die ersten sang;

Zerstoben ist das freundliche Gedränge,

Verklungen, ach! der erste Wiederklang.

Mein Lied ertönt der unbekannten Menge,

Zhr Beifall selbst macht meinem Herzen bang;

Und was sich sonst an meinem Lied erfreuet,

Wenn es noch lebt, irrt in der Welt zerstreuet.

Und mich ergreift ein längst entwöhntes SehnenNach jenem stillen, ernsten Geisterreich;

Es schwebet nun in unbestimmten TönenMein lispelnd Lied, der Aeolsharfe gleich:

Ein Schauer saßt mich, Thräne folgt den Thränen,Das strenge Herz, es fühlt sich mild und weich;

Was ich besitze, seh' ich wie im Weiten,

Und was verschwand, wird mir zu Wirklichkeiten.

Vorspiel auf dem Theater.

Direetor. Theaterdichter. Lustige Person.

Vircctor.

Ihr beiden, die ihr mir so oftIn Noth und Trübsal beigestanden,

Sagt, was ihr Wohl in deutschen LandenVon unsrer Unternehmung hofft?

Ich wünschte sehr der Menge zu behagen,

Besonders weil sie lebt und leben läßt.

Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen,

Und jedermann erwartet sich ein Fest.

Sie sitzen schon, mit hohen AugenbrannenGelassen da und möchten gern erstaunen.

Ich weiß, wie man den Geist des Volks versöhnt,

Doch so verlegen bin ich nie gewesen;

Zwar sind sie an das Beste nicht gewöhnt,

Allein sie haben schrecklich viel gelesen.

Wie machen wir's, daß alles frisch und neuUnd mit Bedeutung auch gefällig sey?

Denn freilich mag ich gern die Menge sehen,

Wenn sich der Strom nach unsrer Bude drängt,

Und mit gewaltig wiederholten WehenSich durch die enge Gnadenpforte zwängt,

Bei Hellem Tage, schon vor Vieren,

Mit Stößen sich bis an die Kasse ficht,

Und wie in Hungersnoth um Brot an Bäckerthüren,

Um ein Billet sich fast die Hälse bricht.

Dieß Wunder wirkt auf so verschiedue Leute,

Der Dichter nur; mein Freund, o, thu' es heute!

Dichter.

O sprich mir nicht von jener bunten Menge,

Bei deren Anblick uns der Geist entflieht.

Verhülle mir das wogende Gedränge,

Das wider Willen uns zum Strudel zieht.

Nein, führe mich zur stillen Himmelseuge,

Wo nur dem Dichter reine Freude blüht!

Wo Lieb' und Freundschaft unsres Herzens SegenMit Götterhand erschaffen und »Pflegen.