Erster Theil.
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Aus cuerm Werk sich melanchol'sche Nahrung,
Dann wird bald dieß, bald jenes aufgeregt,
Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt.
Noch sind sie gleich bereit zu weinen und zu lachen,
Sie ehren noch den Schwung, erfreuen sich am Schein:Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen;
Ein Werdender wird immer dankbar seyn.
Lichter.
So gieb mir auch die Zeiten wieder,
Da ich noch selbst im Werden war,
Da sich ein Quell gedrängter LiederUnunterbrochen neu gebar,
Da Nebel mir die Welt verhüllten,
Die Knospe Wunder noch versprach,
Da ich die tausend Blumen brach,
Die alle Thäler reichlich füllten!
Ich hatte nichts und doch genug,
Den Drang nach Wahrheit und die Lust am Trug.
Gieb ungebändigt jene Triebe,
Das tiefe, schmerzenvolle Glück,
Des Hasses Kraft, die Macht der Liebe,
Gieb meine Jugend mir zurück.
Lustige Person.
Der Jugend, guter Freund, bedarfst du allenfalls,Wenn dich in Schlachten Feinde drängen,
Wenn mit Gewalt an deinen HalsSich allerliebste Mädchen hängen,
Wenn fern des schnellen Laufes KranzBom schwer errichten Ziele winket,
Wenn nach dem heft'gen WirbeltanzDie Nächte schmausend man vertrinket.
Doch in's bekannte SaitenspiclMit Muth und Anmuth einzugreifen,
Nach einem selbstgesteckten ZielMit holdem Irren hinzuschweisen,
Das, alte Herrn, ist eure Pflicht,
Uud wir verehren euch darum nicht minder.
Das Alter macht nicht kindisch, wie man spricht,
Es findet uns nur noch als wahre Kinder.
L irecio r.
Der Worte sind genug gewechselt;
Laßt mich auch endlich Thaten sehn!
Indeß ihr Complimente drechselt,
Kann etwas Nützliches geschehn.
Was hilft es, viel von Stimmung reden?
Dem Zaudernden erscheint sie nie.
Gebt ihr euch einmal für Poeten,
So commandirt die Poesie.
Euch ist bekannt, was wir bedürfen;
Wir wollen stark Getränke schlürfen;
Nun braut mir unverzüglich dran!
Was heute nicht geschieht, ist morgen nicht gethan;
Und keinen Tag soll man verpassen.
Das Mögliche soll der EntschlußBeherzt sogleich beim Schöpfe fassen;
Er will es dann nicht fahren lassen,
Und wirket weiter, weil er muß.
Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen
Probirt ein jeder, was er mag;
Drum schonet mir an diesem TagProspekte nicht und nicht Maschinen!Gebraucht das groß' und kleine Himinelslicht,Die Sterne dürfet ihr verschwenden;
An Wasser, Feuer, Felsenwänden,
An Thier und Vögeln fehlt es nicht.
So schreitet in dem engen BretterhausDen ganzen Kreis der Schöpfung aus,
Und wandelt mit bedächt'ger SchnelleVom Himmel durch die Welt zur Holle!
Prolog im Himmel.
Der Herr. Die himmlische» Heers chaare». NachherMcphistophcles.
Die drei Erzengel Iretcn »er.
Raphael.
Die Sonne tönt nach alter WeiseIn Brudersphärcn Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebnc ReiseVollendet sie mit Donnergang.
Ihr Anblick giebt den Engeln Stärke,
Wenn keiner sie ergründen mag;
Die unbegreiflich hohen WerkeSind herrlich, wie am ersten Tag.
Gabriel.
Und schnell und unbegreiflich schnelleDreht sich umher der Erde Pracht;
Es wechselt ParadieseshelleMit tiefer, schauervoller Nacht:
Es schäumt das Meer in breiten FlüssenAm tiefen Grund der Felsen auf,
Und Fels und Meer wird fortgerissenIn ewig schnellen, Sphärenlauf.
Michael.
Und Stürme brausen um die Wette,
Vom Meer auf's Land, vom Land auf's Meer,
Und bilden wüthend eine KetteDer tiefsten Wirkung rings umher;
Da flammt ein blitzendes VerheerenDeut Pfade vor des Donuerschlags:
Doch deine Boten, Herr, verehrenDas sanfte Wandeln deines Tags.
Zu drei.
Der Anblick giebt den Engeln Stärke,
Da keiner dich ergründen mag,
Und alle deine hohen WerkeSind herrlich, wie an, ersten Tag.
Mcphistophcles.
Da du, o Herr, dich einmal wieder nahst,
Und fragst, wie alles sich bei uns befinde,
Und du mich sonst gewöhnlich gerne sahst,
So siehst du mich auch unter den, Gesinde.