Zweiter Theil.
Der seligen Rhodus verleihst du ein Ohr;
Dort steigt ihm ein ewiger Päan hervor.
Beginnt er den Tagslanf und ist es gethan,
Er blickt uns mit feurigem Strahlenblick an.
Die Berge, die Städte, die Ufer, die WelleGefallen dem Gotte, sind lieblich und helle.
Kein Nebel umschwebt uns, und schleicht er sich ein,Ein Strahl und ein Lüftchen, die Insel ist rein!
Da schaut sich der Hohe in hundert Gebilden,
Als Jüngling, als Riesen, den großen, den milden.Wir ersten, wir waren'«, die GöttergewaltAufstellten in würdiger Menschengestalt.
protcus.
Laß du sie singen, laß sie prahlen!
Der Sonne heiligen LebestrahlenSind todte Werke nur ein Spaß.
Das bildet, schmelzend, unverdrossen;
Und haben sie's in Erz gegossen,
Dann denken sie, es wäre was.
Was ist's zuletzt mit diesen Stolzen?
Die Götterbilder standen groß —
Zerstörte sie ein Erdestoß;
Längst sind sie wieder eingeschmolzen.
Das Erdetreiben, wie's auch sey,
Ist immer doch nur Plackerei;
Dem Leben frommt die Welle besser;
Dich trägt in's ewige GewässerProteus-Delphin.
(Er verwandelt sich.)
Schon ist's gethan!
Da soll es dir zum schönsten glücken;
Ich nehme dich auf meinen Rücken,
Vermähle dich dem Ocean.
Thales.
Gieb nach dem löblichen Verlangen,
Von vorn die Schöpfung anzufangen!
Zu raschem Wirken sey bereit!
Da regst du dich nach ewigen Normen,
Durch tausend, abertausend Formen,
Und bis zum Menschen hast du Zeit.
(Homunkulus besteigt den ProteuS-Delphiu.)
protcus.
Komm' geistig mit in feuchte Weite!
Da lebst du gleich in Läng' und Breite,
Beliebig regest du dich hier.
Nur strebe nicht nach höhern Orden!
Denn bist du erst ein Mensch geworden,
Dann ist es völlig aus mit dir.
Thales.
' Nachdem es kommt; 's ist auch wohl fein,
Ein wackrer Mann zu seiner Zeit zu seyn.
protcus (zu Thales).
So einer wohl von deinem Schlag!
Das hält noch eine Weile nach;
Denn unter bleichen Geisterschaarcn
Seh' ich dich schon seit vielen hundert Jahren.
Sirenen (auf den Felsen).
Welch ein Ring von Wölkchen ründetUm den Mond so reichen Kreis?
Tauben sind es, liebentzündet,
Fittige wie Licht so weiß.
Paphos hat sie hergesendet,
Ihre brünstige Bogelschaar;
Unser Fest, es ist vollendet,
Heitre Wonne voll und klar!
UcrcilS (zu Thales tretend.)
Nennte wohl ein nächtiger Wand'rerDiesen Mondhof Lufterscheinung; -
Doch wir Geister sind ganz andrerUnd der einzig richtigen Meinung:
Tauben sind es, die begleitenMeiner Tochter Muschelfahrt,
Wunderflugs besondrer Art,
Angelernt vor alten Zeiten.
Thales.
Auch ich halte das für's Beste,
Was dem wackern Mann gefällt,
Wenn im stillen warmen NesteSich ein Heiliges lebend hält.
psyllcn »ud Marsen
(auf Meerstieren, Meerkälbern und Meerwiddern).In Cyperns rauhen Höhlegrüsten,
Vom Meergott nicht verschüttet,
Vom Scismos nicht zerrüttet,
Umweht von ewigen Lüsten,
Und, wie in den ältesten Tagen,
In stillbewnßtem Behagen,
Bewahren wir Cypriens Wagen,
Und führen, beim Säuseln der Nächte,
Durch liebliches Wellengeflechte,
Unsichtbar dem neuen Geschlechte,
Die lieblichste Tochter heran.
Wir leise Geschäftigen scheuenWeder Adler noch geflügelten Leuen;
Weder Kreuz noch Mond,
Wie es oben wohnt und thront,
Sich wechselnd wegt und regt,
Sich vertreibt und todtschlägt,
Saaten und Städte niederlegt.
Wir, so fortan,
Bringen die lieblichste Herrin heran.
Sirenen.
Leicht bewegt, in mäßiger Eile,
Um den Wagen, Kreis um Kreis,
Bald verschlungen, Zeil' an Zeile,Schlangenartig reihenweis,
Naht euch, rüstige Nereiden,
Derbe Frau'n, gefällig wild,
Bringet, zärtliche Doriden,
Galatee'n der Mutter Bild:
Ernst, den Göttern gleich zu schauen,Würdiger Unsterblichkeit,
Doch, wie holde Menschenfrauen,
Lockender Anmuthigkeit.