Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Saust.

Dori-rn.

(im Chor am NereuS vortkiziehend. sämmtlich auf Delphinen).Leih' uns, Luna, Licht und Schatten,

Klarheit diesem Jugendflor!

Denn wir zeigen liebe GattenUnserm Vater bittend vor.

(Zu Nereui.)

Knaben sind's, die wir gerettetAus der Brandung grimmem Zahn,

Sie, auf Schilf und Moos gebettet,

Aufgewärmt zum Licht heran,

Die es nun mit heißen KüssenTraulich uns verdanken müssen;

Schau die Holden günstig an!

Uerens.

Hoch ist der Doppelgewinn zu schätzen:

Barmherzig sehn, und sich zugleich ergötzen.

vori-en.

Lobst du, Vater, unser Walten,

Gönnst uns wohlerworbne Lust,

Laß uns fest, unsterblich haltenSie an ewiger Jugendbrust!

Nercus.

Mögt euch des schönen Fanges freuen,

Den Jüngling bildet euch als Mann;

Allein ich könnte nicht verleihen,

Was Zeus allein gewähren kann.

Die Welle, die euch wogt und schaukelt,

Läßt auch der Liebe nicht Bestand,

Und hat die Neigung ausgegaukelt,

So setzt gemächlich sie an's Land!

Voridcn.

Ihr, holde Knaben, seyd uns werth;

Doch müssen wir traurig scheiden:

Wir haben ewige Treue begehrt,

Die Götter wollen's nicht leiden.

Die Jünglinge.

Wenn ihr uns nur so ferner labt,

Uns wackre Schifferknaben;

Wir haben's nie so gut gehabt,

Und wollen's nicht besser haben.

(Galatee auf dem Muschelwagen nähert sich.)Nercus.

Du bist es, mein Liebchen!

Galatcc.

O Vater! das Glück!Delphine, verweilet! mich fesselt der Blick.

Uerens.

Vorüber schon, sie ziehen vorüberIn kreisenden Schwunges Bewegung!

Was kümmert sie die inn're, herzliche Regung!

Ach! nähmen sie mich mit hinüber!

Doch ein einziger Blick ergötzt,

Daß er das ganze Jahr ersetzt.

Thales.

Heil! Heil! auf's neue!

Wie ich mich blühend freue,

Vom Schönen, Wahren durchdrungen!..

Alles ist aus dem Wasser entsprungen!!

Alles wird durch das Wasser erhalten!

Ocean, gönn' uns dein ewiges Walten!

Wenn du nicht Wolken sendetest;

Nicht reiche Bäche spendetest,

Hin und her nicht Flüsse wendetest,

Die Ströme nicht vollendetest,

Was wären Gebirge, was Ebnen und Welt?

Du bist's, der das frischeste Leben erhält.

Echo

(Chorus der sämmtlichen Kreise).

Du bist's, dem das frischeste Leben entquellt.Nercus.

Sie kehren schwankend fern zurück,

Bringen nicht mehr Blick zu Blick;

In gedehnten KettenkreisenSich festgemäß zu erweisen,

Windet sich die unzählige Schaar.

Aber Galatea's MuschelthronSeh' ich schon und aber schon;

Er glänzt wie ein SternDurch die Menge.

Geliebtes leuchtet durch's Gedränge!

Auch noch so fernSchimmert's hell und klar,

Immer nah und wahr.

Hoinnncnlns.

In dieser holden FeuchteWas ich auch hier beleuchte,

Ist alles reizend schön,protcus.

In dieser LebensfeuchteErglänzt erst deine LeuchteMit herrlichem Getön.

Nerkus.

Welch neues Geheimniß in Mitte der SchaarenWill unseren Augen sich offenbaren?

Was flammt um die Muschel, um Galatee's Füße?Bald lodert es mächtig, bald lieblich, bald süße,

Als wär' es von Pulsen der Liebe gerührt.

Thales.

Homunculus ist es, von Proteus verführt!..

Es sind die Symptome des herrischen Sehnens,

Mir ahnet das Aechzen beängsteten Dröhnens;

Er wird sich zerschellen am glänzenden Thron;

Jetzt flammt es, nun blitzt es, ergießet sich schon.Sirenen.

Welch feuriges Wunder verklärt uns die Wellen,

Die gegen einander sich funkelnd zerschellen?

So leuchtet'« und schwanket und hellet hinan!

Die Körper sie glühen auf nächtlicher Bahn,

Und rings ist alles vom Feuer nmronuen.

So herrsche denn Eros, der alles begonnen!

Heil dem Meere, Heil den Wogen,

Von dem heiligen Feuer umzogen!

Heil dem Wasser! Heil dem Feuer!

Heil dem seltnen Abentheuer!