Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Ferneres über Kunst.

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man wird darum bei Herstellung desselben jene in Straßburgbefolgte, für die Erhaltung so höchst zweckmäßige Weise ohneZweifel desto mehr beherzigen.

Den Freunden des Alterthums muß es sehr angenehmseyn, zu vernehmen, daß für dieses und andere Denkmale amNiederrhein bereits die ersten nothwendigsten Maaßregeln ge-troffen sind.

Die im vorigen Sommer mit in dieser Hinsicht unter-nommene Reise des geheimen Oberbauraths Schinkci war hiervon sehr günstigem Einfluß. Die Regierung hat vor der Handeine beträchtliche Summe zur Ausbesserung eines großen, ge-fährlichen Bauschadens am Dachstuhl des Kölner Doms be-willigt, und die Arbeiten sind schon in vollem Gang.

Außerdem ist zur Riederlegung einer neben dem Domstehenden verfallenenKircheBefehlgegeben, wodurch eine freiereAnsicht gerade des vollendeten Theils jenes Denkmals gewonnenwird. Dann sorgte man auch für die Rettung der gleichzeitiginit dem Kölner Dom und nach einem ähnlichen, aber verklei-nerten Plan gebauten Abteikirche Altenberg in der Nahe vonKöln. Eine Feucrsbrunst hatte vor kurzem dieß schöne, ganzvollendete Gebäude seines Dachwerks beraubt. Man war einst-weilen auf die nothdürftigste Bedeckung bedacht, und hofft, imLauf des Jahres ein neues Dach herstellen zu können.

Anderseits bemüht man sich in Trier sorgsam für die dor-tigen bedeutenden Römischen Alterthümer; und mehr oderweniger zeigt sich in dieser Hinsicht an vielen Punkten derRiederrheinschen Länder die schützende Hand einer wohlwollen-den Regierung, von welcher Kunst- und Vaterlandsfreunde dieErfüllung ihrer gerechten Wünsche nicht vergebens erwartenwerden.

Wir können diese Nachricht nicht schließen, ohne noch einWort in Bezug auf den Straßburger Münster beizufügen.

Wir bemerkten mit großer Freude, wie sorgfältig dießwunderwürdige Werk in Ehren gehalten wird; desto mehr aberbefremdete uns, dieß nicht auf die Ruhestätte des großenMeisters ausgedehnt zu finden, welchem das Gebäude seineEntstehung verdankt.

Die außen an einem Pfeiler bei der Sacristei angebrachteGrabschrift des Erwin von Steinbach ist nämlich durch einekleine Kohlenhütte verdeckt, und man sieht mit Unwillen dieZüge eines Namens von den Anstalten zu den Rauchfässernverunreinigt, welchem vor vielen andern Sterblichen der Weih-rauch selbst gebührte!

Möchten doch die so sehr ruhmwürdigen Stadtbehördenund Vorsteher des Mllnstcrbaues dieser leicht zu hebendenVerunehrung eine Ende machen, und den Ort anständig ein-fassen, oder die Inschriften herausnehmen, und an einembessern Ort, im Innern des Gebäudes, etwa beim Eingangunter den Thürmen aufstellen lassen.

Auf diese Weise erfahren wir nach und nach durch die Be-mühungen einsichtiger, thätiger junger Freunde, welche An-stalten und Vorkehrungen sich nöthig machten, um jene un-geheuern Gebäude zu unternehmen, wo nicht auszuführen.

Zugleich werden wir belehrt, in welchem Sinn undGeschmack die nördlichere Baukunst vorn achten bis zum

fünfzehnten Jahrhundert sich entwickelte, veränderte, auf einenhohen Grad von Trefflichkeit, Kühnheit, Zierlichkeit gelangte,bis sie zuletzt durch Abweichung und Ueberladuug, wie es denKünsten gewöhnlich geht, nach und nach sich verschlimmerte.Diese Betrachtungen werden wir bei Gelegenheit der MollerschenHefte, wenn sie alle beisammen sind, zu unserer Genugthuunganstellen können. Auch schon die vier, welche vor uns liegen,geben erfreuliche Belehrung. Die darin enthaltenen Tafelnsind nicht nnmerirt; am Schlüsse wird erst das Verzeichnißfolgen, wie sie nach der Zeit zu legen und zu ordnen sind.

Schon jetzt haben wir dieses vorläufig gethan, und seheneine Reihe von sechs Jahrhunderten vor uns. Wir legten da-zwischen, was von Grund- und Aufrissen ähnlicher Gebäudezu Handen war, und finden schon einen Leitfaden, an dem wiruns gar glücklich und angenehm durchwinden können. Sinddie Mollerschen Hefte dereinst vollständig, so kann jeder Lieb-haber sie auf ähnliche Weise zum Grund einer Sammlunglegen, woran er für sich und mit andern über diese bedeutendenGegenstände täglich mehr Aufklärung gewinnt.

Alsdann wird, nach abgelegten Vorurtheilen, Lob undTadel gegründet seyn, und eine Vereinigung der verschiedenstenAnsichten aus der Geschichte auf einander folgender Denkmalehervorgehen.

Auch muß es deßhalb immer wünschenswerther seyn, daßdas große Werk der Herren Avisierte, den Dom zu Köln dar-stellend, endlich erscheine. Die Tafeln, die schon in unsernHanden sind, lassen wünschen, daß alle Liebhaber bald gleichenGenuß und gleiche Belehrung finden mögen.

Der Grundriß ist bewundernswürdig, und vielleicht vonkeinem dieser Bauart übertreffen. Die linke Seite, wie sieausgeführt werden sollte, giebt erst einen Begriff von der un-geheuern Kühnheit des Unternehmens. Dieselbe Seitenansicht,aber nur so weit als sie zur Ausführung gelangte, erregt einangenehmes Gefühl, mit Bedauern gemischt. Man sieht dasunvollendete Gebäude auf einem freien Platz, indem die Dar-steller jene Reihe Häuser, welche niemals^hätte gebaut werdensollen, mit gutem Sinne weggelassen. Daneben war 'es gewißein glücklicher Gedanke, die Bauleute noch in voller Arbeitund den Krahnen thätig vorzustellen, wodurch der GegenstandLeben und Bewegung gewinnt.

Kommt hierzu nun ferner das Facsimile des großen Ori-ginalaufriffes , welches Herr Möller gleichfalls besorgt, so wirdüber diesen Theil der Kunstgeschichte sich eine Klarheit ver-breiten, bei der wir die in allen Landen aufgeführten Gebäudesolcher Art, früherer und späterer Zeit, gar wohl beurtheilenkönnen; und wir werden alsdann nicht mehr die Producte einerwachsenden, steigenden, den höchsten Gipfel erreichenden undsodann wieder versinkenden Kunst vermischen, und eins mitdem andern entweder unbedingt loben oder verwerfen.

Köln.

Zu unserer großen Beruhigung erfahren wir, daß mandaselbst eine ansehnliche Stiftung zu gründen beschäftigt sey,wodurch es auf lange Jahre möglich wird, den Dom wenigstensin seinem gegenwärtigen Zustande zu erhalten.

Auch ist durch Vorsorge des Herrn Generalgouverneurs