Fernere» über Kunst. 435
scheinen mir nicht entscheidend zn beweisen, da die GriechischeSprache den Römern so geläufig, in jenen Gegenden vonAlters her einheimisch und wohl auch aus neueren Monumentenim Brauch war. Ja, ich gestehe es, jener lemurische Scherzwill mir nicht ächt Griechisch vorkommen, vielmehr möchte ichihn in die Zeiten setzen, aus welchen die Philostrate ihre Halb-und Ganzfabeln, dichterische und rednerische Beschreibungenhergenommen.
Homrrs Apotheose.
Ein antikes Basrelief, gefunden in der Hälfte des sieb-zehnten Jahrhunderts zu Marino, auf den Gütern des FürstenColonna, in den Ruinen der Villa des Kaisers Claudius, zuunserer Zeit in dem Palast Colonna noch vorhanden, stellt denalten Homer dar, wie ihm göttliche Ehre bewiesen wird. Wirsind auf's neue aufmerksam darauf geworden durch einige Fi-guren dieser Vorstellung, deren Abgüsse uns durch Freundes-hand zugekommen.
Um sich den Sinn dessen, was wir zu sagen gedenken,sicherer zu entwickeln, betrachte man eine Abbildung, von demFlorentiner Gallestruzzi, im Jahre 1656 gezeichnet und ge-stochen. Sie findet sich in Kirchers llntluin, bei der 80. Seite,und in Cupers Werke gleich zu Anfang; sie giebt uns einenhinreichenden Begriff von dieseni wichtigen Alterthum; dennGallestruzzi hatte für solche Nachbildungen genügsame Geschick-lichkeit, welche dem Kunstliebhaber schon bekannt ist durch ähn-liche nach Polidor radirte Blätter, z. B. den Untergang derFamilie Niobe, nicht weniger durch die Kupfer zu -dAvstini6einme »utielie k^urste.
Da in einem problematischen Falle eines jeden Meinungsich nach Belieben ergehen darf, so wollen wir, ohne weitläu-fige Wiederholung dessen, was hierüber bisher gedacht undgestritten worden, unsere Auslegung kürzlich vortragen. Undhierbei sondern wir, was nach prüfender Betrachtung des Bil-des, nach Lesung der darüber vorhandenen Schriften völligklar geworden, und was zu erörtern allenfalls noch übrig geeblieben wäre.
Klar ist, mit beigefügten Worten bestimmt und ausgelegt,die vor einem abgeschlossenen Vorhangsgrunde, als in einemHeiligthum, abgebildete göttliche Verehrung Homers auf demuntern Theile des Bildes. Er sitzt, wie wir sonst den Zeusabgebildet sehen, auf einem Sessel, jedoch ohne Lehnen, dieFüße auf einem Schemel ruhend, den Scepter in der Linken,eine Rolle in der Rechten. Die Jlias und Odyssee knieen fromman seiner Seite, hinter ihm Eumelia, die ihn bekränzt, Kro-nos, zwei Rollen in Händen; unter dem Schemel sind dieMäuslein nicht vergessen; Mythos als bekränzter Opferknabemit Gießgefäß und Schale, ein gebuckelter Stier im Hinter-gründe; Historia streut Weihrauch auf den Altar; Poests hältein Paar Fackeln freudig'in die Höhe; Tragödia, alt und wür-dig, Lomödia, jung und anmuthig, heben ihre rechte Handbegrüßend auf, alle vier gleichsam im Vorschreiten gebildet;hinter ihnen eine Turba stehend, aufmerksam, deren einzelneFiguren mehr durch die Inschriften als durch Gestalt und Bei-wesen erklärt werden; und wo man Buchstaben und Schriftsieht, läßt man sich wohl das übrige gefallen.
Aber von oben herunter darf man, auch ohne Namen undInschrift, die Vorstellung nicht weniger für klar halten.
Auf der Höhe des Berges Zeus sitzend, den Scepter in derHand, den Adler zu Füßen; Mnemosyne hat eben von ihmdie Erlaubniß, zur Vergötterung ihres Lieblings erhalten: er,mit rückwärts über die Schulter ihr zugewandtem Gesicht,scheint mit göttlicher Gleichgültigkeit den Antrag bejaht zuhaben; die Mutter alles Dichtens aber, im Begriff sich zn ent-fernen, schaut ihn mit auf die Hüfte gestütztem rechtem Arm,gleichfalls über die Schulter an, als wenn sie ihm nicht beson-ders dankte für das, was sich von selbst verstehe.
Eine jüngere Muse, kindlich munter hinabspringend, ver-kündet^ freudig ihren sieben Schwestern, welche, auf den bei-den mittlern Planen sitzend und stehend, mit dem, was obenvorging, beschäftigt scheinen. Sodann erblickt man eine Höhle,daselbst Apollo Musagetes in herkömmlich langem Sängerkleide,welcher ruhig aufmerksam da steht, neben ihm Bogen undPfeile über ein glockenförmiges Gefäß gelehnt.
So weit nun können wir uns für aufgeklärt halten undstimmen mit den bisherigen Auslegern meistentheils hierinüberein. Von oben herein wird nämlich das göttliche Patentertheilt und den beiden mittlern-Reihen publicirt; das unterstevierte, von uns schon beschriebene Feld aber stellt die wirkliche,obgleich poetisch-symbolische Verleihung der zugestandenen hohenEhre dar.
Problematisch bleiben uns jedoch noch zwei Figuren in demrechten Winkel der zweiten Reihe von unten. Auf einem Piedc-stal steht eine Figur, gleichsam als Statue eines mit gewöhn-lichem Unterkleid und vierzipfeligem Mantel angethanen Man-nes von mittlerm Alter; Füße und Hände sind nackt; in derRechten hält er eine Papier- oder Pergamentrolle und überseinem Haupte zeigt sich der obere Theil eines Dreifußes, dessenGestell jedoch, ganz gegen die Eigenthümlichkeit einer solchenMaschine, bis zu den Füßen des Mannes heruntergeht.
Die frühern Erklärungen dieser Figur können in einigendiesem Gegenstand gewidmeten Schriften nachgelesen werden;wir aber behaupten, es sey die Abbildung eines Dichters, dersich einen Dreifuß durch ein Werk, wahrscheinlich zu EhrenHomers, gewonnen, und zum Andenken dieser für ihn lo wich-tigen Begebenheit sich hier als den Widmenden vorstellen lasse.
Roms, solteiranes, äi Loloiüo Losio Lomaiw.
Vorgemeldetes Buch schlugen wir nach, um zu erfahren,in wiefern die persönliche Gestalt des Widmenden oder sonstBetheiligten mit in die bildlichen Darstellungen eingreife,welche sowohl an Sarkophagen als an Grabeswänden Plastischund malerisch uns aufbewahrt sind.
Eben so wie wir bei den Römisch-Heidnischen Gräbern ge-sehen haben, finden sich Halbfiguren mit beiden Armen, ent-weder allein oder zu zweien, Mann und Frau, Vafer undSohn; sodann auch, nach alter heidnischer Weise, an Fami-lientischen mit besonders großen Weingefäßen.
Mit ausgestreckten Armen, als Betende, kommen beson-ders Frauen vielfach vor, meist allein, sodann aber auch mitAssistenten.
j Vielleicht sind sie auch als Mithandelnde in den Biblischen