Teutsche Literatur.
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der Gehalt, aber zugleich die An- und Zumuthung an einwirkendes bewußtes Kunstgcsetz beseitigt.
So begabte Individuen sind das Eigenthum aller Zeiten;aber ihr Stand, Bezug und Verhältniß zur Außenwelt, zuNatur und Menschheit sind nicht zu allen Zeiten dieselben.
In dem ersten Beginnen des gesellschaftlichen Zustandes,unter Nationen, die sich zu bilden anfangen, sind solche Talenteals diejenigen anzusehen, durch welche alles Wissen und Denken,Sage und Mythus, Geschichte und Philosophie eines Volkes,Gestaltung und Einkleidung erhalten hat, aus denen die erstengefeierten Barden und Sänger hervorgegangen sind, welchenur als die Blüthen und Gipfel dieser ersten Naturpflanzcnangesehen werden mögen.
In den Zeiten der verbreiteten, gesteigerten Cultur, woMuster und Vorbilder, und davon abstrahirte Regeln undTheorien aller Art vorhanden sind, welche auch die schwächstenAnlagen zu steigern, wenn auch nicht zu ersetzen vermögen,kann man dergleichen ursprüngliche Talente, als sich selbstüberlassen, kaum nur in den untersten, alles Unterrichtswie aller Bildung ermangelnden Volksclassen voraussetzen.
Denn in einer jeden höhern bemächtigt sich einer solchenAnlage die Doctrin dergestalt, daß sie dadurch sich entweder ineinen alles versuchenden Dilettantismus verwandelt oder,wenn sie wirklich urkräftig und nachhaltig ist, nur durch einernstes Studium in eine besonnene, kraft- und zweckbcwußteKunstfertigkeit ausbildet.
Wird nun aber ein solches Talent dennoch, wie die Erfah-rung lehrt, auch in den untersten Ständen, in der arbeitendenund dienenden Classe angetroffen, so befindet es sich in demeinen von beiden Fällen: entweder hat und behält es seinenWirkungskreis gänzlich in dem Stande, in der Sphäre, worines geboren und aufgetreten, wo denn das eigentliche Volksliedihm seine Entstehung verdankt, ohne jemals sein Verdienstnamentlich zu beurkunden; oder es gelingt ihm, in Berührungund Umgang mit den Höhern und Gebildetem zu kommen,und sich von deren Wissen und Können manches rhapsodischanzueignen, und so als eine Art von Vermittler zwischen jenenund seiner Classe aufzutreten, indem es die Untern und seinesGleichen zu sich heranwirkt, den Höhern aber Aufmerksamkeitabnöthigt, und durch die Manierlichkeit seines Auftretens sieanlockt, sich mit ihm einzulassen und des Eintritts in ihre Kreisewürdig zu halten.
Ist bei einem Talent des ersten Falles von Urtheil undGeschmack nicht die Rede., sondern nur von Wahrheit undNatürlichkeit, welche eine derbe und figürliche Ausdrucksweisecharakterisirt, so kann bei einem Talent des letztem Falles sogareine Ungleichheit, ein Zwiespalt sich ergeben, der aus der Ver-mischung von Edlem und Gemeinem, Natürlichem und Con-ventionellem, Naivem und Sentimentalem entsteht, und denGenuß an seinen Produktionen stört, indem unvergohreneElemente verschiedener Sphären obwalten, welche das Indi-viduum nicht zu gefälliger Einheit zu verschmelzen im Standegewesen.
Und diese widerwärtige Erscheinung mag nun freilich oftgenug eintreten; wenigstens erklärt sich uns in solcher Voraus-setzung am leichtesten der Umstand, daß so manchen der Gebil-deten eine Art von Apprehension gegen diese halbwüchsigenNaturerzeugnisse auf dem Boden der Cultur und Kunst an-
wandelt, und er mehr Abneigung als Neugier empfindet, der-gleichen Producte kennen zu lemen und seiner Aufmerksamkeitwerth zu achten.
Eine solche Besorgniß, ein so ungünstiges Vorurtheil wirdnun glücklicherweise durch unsern Naturdichter weder veranlaßtnoch gerechtfertigt. Im Gegentheil wird auch der Sprödestemit Bewunderung und Freude wahrnehmen, wie überall einsich gleichbleibender Gehalt in entsprechender reiner Form undangemessenem, richtigem und zierlichem Ausdruck sich darstellt;und zwar in einem solchen Grade, daß wohl hie und da unbe-deutende Abweichungen von den zum Theil konventionellenGesetzen des Rhythmus und der Prosodie, jedoch nicht mehrals selbst bei den gebildeten und gelehrten Dichtern, keineswegsaber Verstöße, welche die Einheit der Empfindung, die Richtig-keit des Sinnes und die Schicklichkeit des Gefühls beleidigen,anzutreffen seyn möchten.
Wie mannichfaltig der Kreis seiner Gegenstände, und welcherAbwechslung von Gefühl'und dem gemäßer Behandlung er fähigist, davon mögen folgend« drei in Ton und Inhalt ganz ver-schiedene Gedichte ein rühmliches Zeugniß ablegen.
Riemer.
Der Hopfenbau.
Nehmt die Hacke flink zur Hand,Eilet in die Felder!
Seht, schon grünt das Wiesenland,Und das Haar der Wälder;Weste wehen sanft und lau:
Aus, beginnt den Hopfenbau!
Macht den Stock von Erde freiNach bekannter Weise,
Und die Keime pflückt dabei,
Euch zur Leckerspeise!
Schneidet, was veraltet ist,
Daß er frisch und kräftig sprießt.
.Gebt dann Fichtenstangen hin,
Daß die schlanken RebenRankend um dieselben ziehn,
Und empor sich heben;
So zum Stärkern wird gesellt,Was nicht eigne Kraft erhält.
Sorget, wenn sich Unkraut mehrt,Daß man es vernichte,
Weil es das Gedeihen störtAller edlen Früchte;
Wie die Tugend nicht gedeiht,
Wo das Laster Samen streut.
Wenn die Reben unser ThalUeppig dann umkränzen,
Dran im AbendsonnenstrahlGoldne Früchte glänzen,Wandeln durch das dunkle GrünWir mit sreud'ger Hoffnung hin.