Deutsche Literatur.
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Untergang so vieler, die Rettung einzelner, die sich mitten inder schrecklichsten Lage mannhaft > menschlich benehmen, unddenn doch zu ihrem Heil auch endlich ihres Gleichen finden.
Was kann nun dem einzelnen, in der Welt unbedeutendenMenschen herrlicher und wiinschenswerther erscheinen, als wennauch einzelne wie er, Unbedeutende wie er, dadurch zur höchstenmusterhaften Erscheinung gelangen, daß sie Tugenden aus-üben, die er vielleicht selbst, in große Gefahren und Schicksaleverwickelt, ehe er sich's versieht, wohl nöthig haben möchte.
Daß wir ein Buch, welches bei uns diese Gedanken hervor-gebracht, auch andern empfehlen möchten, achten wir als wohl-meinendes Gefühl, ja wir trauen einem jeden sinnigen Leserzu, daß ihm gleichfalls in seiner Art, bei Beherzigung so un-geniciner, wenn auch im Weltlauf nicht seltener Schicksale,die wichtigsten Aufschlüsse aus seinem Innern sich entwickelnwerden.
Weimar, den 1t. Januar 182S.
Des jungen Feldjägers Landsmann
unter ähnlichen Schicksalen.
Leipzig, bei Friedrich Fleischer 1827.
Hierzu ist kein Vorwort beliebt worden, ist aber als dasvierte Bündchen zu vorstehendem anzusehen, und wird in fol-gendem davon die Rede seyn.
Memoiren Ködert Guillemards,
verabschiedeten Sergeanten.
Aus dem Französischen. Eingeführt und eingeleitet von Goethe.Leipzig, Weigandsche Buchhandlung 1827. Zwei Theile.
Einleitung.
Indem wir ein aus dem Französischen übersetztes Werkdem Publicum vorlegen, dürfen wir wohl erinnern, daß dreideutsche Originalversuche dieser Art schon glücklich genug ge-lungen sind; man wagte nämlich, das mannichfaltige Kriegs-geschick, wie es Personen des untersten Grades begegnen kann,so natürlich als ausführlich beschrieben, der Lesewelt darzu-bieten.
Der junge Feldjäger ward in Deutschland als unter-haltendes Büchlein günstig aufgenommen und in einer Beur-theilung (Jenaische allgemeine Literaturzeitung 1825 Nr. 22)freundlich gewürdigt; sodann erschien er ganz unvermuthet in'sEnglische übersetzt, da er sich denn in dem vornehm typogra-phischen Costüme ganz anständig ausnimmt. Der Kriegs-kamerad blieb nicht hinter seinem Vorgänger zurück, ja einwohldenkender Kenner (Jenaische allgemeine Literaturzeitung1827 Nr. 35) giebt ihm, unserer eigenen Ueberzeugung gemäß,noch den Vorzug.
Des jungen Feldjägers Landsmann, welcher erstvor kurzem die Presse verlassen, soll, wenn wir nicht irren,sich noch mehr Zustimmung verdienen, weil sein Charakterentschiedener ist und seine Ereignisse für bedeutender gelten
können. Hier träte denn der seltene Fall ein, daß Fortsetzun-gen, die gewöhnlich zu lahmen Pflegen, mit einem raschernSchritt vorwärts gingen.
Diese drei genannten jungen Leute, zwei Thüringer undein Elsasser, in der mittlern und niedern Classe geboren, vomJahr 1806 in Französischen Kriegsdiensten, werden in denSpanischen Feldzug und weiter in die unselige Weltgeschichteverflochten. Mit Vorbedacht wiederholen wir die Anzeige dieserindividuellen Bekenntnisse; sie schreiten parallel und fast syn-chronistisch neben einander fort, und lasten uns auf die klarsteWeise in das Verderben hineinsehen, welches zu jener Zeit dieWelt ergriffen hatte.
Nun tritt gleichfalls hier ein subalterner Franzose auf, einSergeant, der ungeachtet er den ganzen Deeurs FranzösischerGlücks- und Unglückswagnisse redlich durchgearbeitet, doch amEnde nur als Sergeant in seine leider sehr veränderte und ent-stellte Heimath mißmuthig zurückkehrt und wie so mancher an-dere zuletzt zu Feder und Papier seine Zuflucht nimmt. DerFranzösische Herausgeber drückt sich klar und einsichtig hierüberfolgendermaaßen aus.
Vorrede des Französischen Herausgebers.
„Die Memoiren des Sergeanten Guillemard scheinen unsaller Beachtung werth zu seyn. Man ist freilich, wie er selbstsagt, zu sehr daran gewöhnt, nur Schriften zu lesen, derenVerfasser zu den höhern Classen der Gesellschaft gehören. Bisjetzt haben Personen, die unter der großen Menge gebliebenwaren, durch die Erzählung dessen, was sie gesehen hatten,selten Theilnahme zu finden geglaubt. Bei dem, was Frank-reich erlebt hat, giebt es indessen noch eine Menge obscurer Men-schen, welche als Augenzeugen oder Theilnehmer wichtiger Er-eignisse im Stande waren, die Dinge in der Nähe zu sehenund ohne Leidenschaft über Personen zu urtheilen, welche einenhistorischen Namen erlangten, so daß es vielleicht an der Zeitseyn möchte, auch ihre Rückerinnerungen zu benutzen.
„Aus der Lectiire dieser Memoiren wird man ermessen,welche große Lücke in der Kenntniß der Thatsachen durch dasSchweigen eines Unterofficiers würde unausgefüllt gebliebenseyn. Man erhält von ihm ausführliche Auskunft über Ereig-nisse, welche bis jetzt ganz unbekannt waren; und seine Nach-richten haben das doppelte Verdienst, den historischen Zweifelnein Ende zu machen und das Interesse des Lesers in Anspruchzu nehmen. Oft erzählt Guillemard Dinge, welche in mehrernandern Schriften ganz anders berichtet sind. Der Leser wirdleicht entscheiden, auf welche Seite sein Zutrauen sich neigenmüsse. Ohne eben allen Meinungen des Sergeanten beizu-treten, haben wir doch Grund zu glauben, daß er nichts ver-sichert, wovon er nicht selbst Zeuge gewesen ist, und daß selbstdie Verschiedenheit seiner Erzählung von andern sich durch denganz andern Standpunkt jener Berichtenden erklärt. Es mußuns ohne Zweifel angenehm seyn, nachdem wir über gewisseVorfälle die Meinung von Staatsmännern und Politikernvernommen haben, auch die Meinung der Soldaten und desVolks zu erfahren; und man wird es dem Sergeanten einiger-maaßen Dank wissen, daß er seine Muße einer Arbeit gewidmethat, die sich sonst für seinen Grad und seine Stellung wenigzu eignen scheint.
„Guillemard stammte aus einer wohlhabenden und achtbaren