Deutsche Literatur.
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Seitdem stieg die Gesellschaft mit jedem Jahre an Zahl undBedeutung ihrer Mitglieder, und ihr in dieser Monatsschristdargelegter Stand vom Jahre 1827 zeigt eine lange Reiheehrenwerther Personen, die an ihr Theil haben, von allenStufen und aus allen Classen, auch die Frauen nicht ausge-schlossen. Als Präsidenten sehen wir den hochverdienten GrafenCasparSternberg, dessen verehrter Name schon mehrfachden Wissenschaften ruhmvoll angehört, und dessen Thätigkeithier leitend und vortragend das Ganze ausgezeichnet fördernhilft. Sodann folgt ein Verwaltungsausschuß von acht Mit-gliedern, hierauf die Abtheilung der wirkenden Mitglieder, derEhrenmitglieder und einer besondern Classe behelfender Mit-glieder , welche meistens zugleich als sammelnd bezeichnet sind.
Die Sammlungen des Museums sind an Alterthümern,Urkunden, Handschriften, Büchern, Münzen, Naturgegen-siänden und Kunstsachen schon sehr ansehnlich, und mehren sichtäglich, sowohl durch Schenkungen als durch andere Aneignung.
Zeitschriften.
Neben der Böhmischen Sprache besteht die deutsche jetzt alseine wirklich einheimische in Böhmen, und hat im wissenschaft-lichen und gebildeten Lebenskreise entschiedenes Uebergewicht.Die meisten Bücher und Zeitschriften erscheinen in ihr. Alleindie Böhmische Sprache besteht auch ihrerseits in voller Kraft,und Bücher, Zeitschriften und Flugblätter für das Volk werdenhäufig in ihr gedruckt. Beide Sprachen vereinigend und ver-mittelnd, indem sie keine derselben verabsäumt, wirkt die Ge-sellschaft des vaterländischen Museums besonders auch durchihre beiden Zeitschriften ein, von denen wir die deutsche hieraussiihrlich in Betracht haben, die Böhmische aber, welche derLage der Sachen gemäß in minder zahlreichen Heften erscheint,nach dem davon mitgetheilten Jnhaltsbericht als höchst bedeu-tend und schätzbar ansprechen müssen.
Die Erhaltung und Belebung einer Literatur, deren Sprachesich in engern Gränzen abschließt, geraume Zeit fast nur demuntern Volke überlassen war, und mit einer theilweise einge-bürgerten, über große Länder weithin verbreiteten Staats- undBildungssprache zu wetteifern hat, ist ein gewiß preiswürdigesBemühen, das eben so viel Selbstverleugnung als Kraft undGeschick fordert. Der Reichthum an Mittheilungen aus derältern Böhmischen Literatur, die ja auch eines classischen Zeit-alters sich rühmen kann, muß freilich stets die Grundlage solcherBemühungen seyn. Denkmäler der alten Sprache in Prosa undin Versen, Geichichtserzählungen, Sammlungen von Sprich-wörtern, Briefe, Reisebücher, Heldenlieder und Volksgesängewerden mit sorgfältigem Fleiße zum Druck befördert. Indeßschließen sich an diesen Kern schon genug neuere Arbeiten an,Gedichte mannichfacher Art, historische, kritische und sogarphilosophische Aufsätze. Palacky, der die Herausgabe auchdieser Zeitschrist besorgt, Dvbrowsky, Hanka, Cela-kowsky, Kollar, Scdlacek, Swoboda und andere bildeneine tüchtige Reihe Neuböhmischer Schriftsteller, auf derenSchultern die Fortbildung der nationalen Literatur und Spracheschon hinreichend emporgetragen scheint, um gegen die Fluchender Zeit einstweilen gesichert zu seyn.
Nicht ohne Verwunderung findet man unter den in'sBöhmische versuchten Uebersetzüngen, nebst einem Aussatze vonFranklin und einigen Elegien von Tibull, auch Pindars erste
Goethe, Werke. V.
Olympische Siegeshymne ausgezählt, und daß letztere als demVersmaaße der Urschrift genau entsprechend angegeben ist, darfvon dem Reichthum und der Biegsamkeit der BöhmischenSprache, so wie von dem Talente des Uebersetzers Machacekeine nicht geringe Vorstellung erwecken.
Botanischer Garten.
Schon der Name eines so vorzüglichen Botanikers wie HerrProfessor Mikan, der Brasilien und so manche berühmte An-stalt gesehen, so wie die Besorgung durch einen erprobtenGärtner, wie Herr Hoborsky ist, berechtigen zu den bestenErwartungen; auch finden diese sich nicht getäuscht. Die Ver-zeichnisse enthalten die Namen der besten Pflanzen, welchegegenwärtig die Gewächshäuser Deutschlands zieren; betrachtetman sie genauer — es werden auch zugleich Pflanzen vomGräflich Salmischen Garten gegeben —, so findet sich, daß diedortigen Gärten den vorzüglichern anderer Orte gleich sind.
Die zahlreichen Erica, Diosma, Phylica, Passerinadeuten auswohlbesetzteCaPhäuser, dieHelicteres, Curcumaaus Warmhäuser. Doch bemerkt man der letztem Art in denPräger Listen in Verhältniß nur wenig, und gar keine derneuern Modepflanzen, welche England sendet. Einige selteneBrasilische erinnern dagegen an Wien, oder sind wohl unmit-telbar vom Director mitgebracht worden.
Ain entschiedensten verräth sich aber der Einfluß, welchendie Nachbarschaft der Hochgebirge auf den dortigen Pflanzen-vorrath ausgeübt hat. Mit dem Monat Mai füllt sich dasVerzeichniß mit den schönsten Alpenpflanzen, die mau in denmeisten übrigen Gärten Deutschlands vergeblich sucht. Sieerfordern aber auch eine ganz eigene Cultur, wie sie z. B.Graf Sternberg mit besonderer Vorliebe studirt und zurNachahmung bekannt gemacht hat.
Schließlich gedenken wir auch des bedeutenden Werkes,dessen Anzeige wir hier begegnen, und worin Graf Sternbergdie Flora der Vorwelt zum erstenmal in ihrem bis jetzt be-kannten Umfang geognoslisch-botanisch darstellt. Das Ganzeist deutsch zu Regeusburg erschienen, und in vier Heften nun-mehr abgeschlossen; eine Französische Uebersetzung hat ebendaselbst Graf Bray herausgegeben. Den Entwicklungsgangdes gelehrten Verfassers dürfen wir an diesem Orte nicht aus-führlich besprechen; nur so viel sey zu sagen erlaubt, daß höhereAnsicht und gründliche Forschung, so wie ruhig besonnene undansprechende Klarheit seinen wissenschaftlichen Vortrag stetsauszeichnen.
Nahrungs- und Brennstoffe.
Reich an Getreide und großen Waldungen, könnte Böhmengegen die furchtbaren Nothstände, Mangel an Nahrungsmittelnund Brennstoff, vor vielen andern Ländern weit gesichertscheinen. Die Erfahrung mahnt jedoch, Vervielfältigung undErsatz der beiderlei Nothwendigkeiten niemals zu verabsäumen,und bei den mit der Bevölkerung immerfort gesteigerten Be-dürfnissen der Gegenwart auch die Ansprüche einer entlegenemZukunft dem Auge nahe zu rücken.
In einem schätzbaren Aufsätze über das Vaterland der Erd-äpfel und ihre Verbreitung in Europa erörtert Graf Sternberglichtvoll zuvörderst die allgemeine historische Frage, und giebtdaraus einige merkwürdige Nachrichten über den Anbau der
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