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Teutsche Literatur.
Erdapfel in Böhmen, welchen er erst um die Mitte des acht-zehnten Jahrhunderts als einigermaaßen sich verbreitend an-setzt, und zwar hauptsächlich als durch König Friedrich II. vonPreußen verursacht, indem theils dessen nachdrückliche Empfeh-lung des Erdäpfelbaus in Schlesien von da herüberwirkte, theilsdessen siebenjähriger Krieg die Aushülse wohlfeiler und ergiebigerNahrungsmittel suchen lehrte; wenigstens heißen im Böhmischendie Erdäpfel noch immer Brambori, der Angabe nach ausBrandenburger verstümmelt, welcher Name damals nochden Preußischen bei dem Volke überwog. Doch erst in spätererNoth wurde der Bau der Erdäpfel in Böhmen allgemein, undist es seitdem in angemessenem Verhältniß geblieben, nebenden Cerealien immer höchst wichtig, und bei deren Mangelunschätzbar.
Auf gleiche Weise betrachtet der verehrte Verfasser in einemzweiten Aufsatz die Steinkohlen. Der Ueberfluß an Brennholz,welchen die Böhmischen Waldungen liefern, soll die Benutzungeines wohlfeilen und brauchbaren Ersatzmittels nicht ausschließen,und der Bau der Steinkohlen, worin Böhmen sogar mit Eng-land soll wetteifern können, wird eifrig anempfohlen.
Kaiser-Franzens-Brücke.
Wir wenden uns von diesen Naturerzeugnissen nunmehr zueinem Werke der Technik, bei welchem nationale Tüchtigkeitmehrfach in Betracht kommt. Die Monatsschrift liefert unseine ausführliche Beschreibung mit lithographirten Rissen derbei Earlsbad über die Tepl im Jahre 1826 neuerbauten steiner-nen Brücke, und mit wahrem Vergnügen empfangen und gebenwir von einem Werk nähere Kenntniß, auf welches uns vomdortigen Lurorte zurückgekehrte Freunde, sowohl wegen seinerkühnen Anlage als sorgfältigen Ausführung, schon vielfach auf-merksam gemacht hatten.
An der Stelle dieser merkwürdigen Brücke befand sich vor-mals schon eine steinerne mit drei Bogen, jeder zu 30 FußWeite, welche auf zwei Pfeilern im Flusse ruhten. Vor diesenPfeilern hatten sich bei der außerordentlichen Ueberschwemmungin der Nacht zwischen dem 9. und 10. September 1821 sechsoberhalb durch die Fluthen mit fortgerissene hölzerne Brückenund sieben dergleichen Stege aufgethürmt, und somit Stauungdes Wassers, Unterwühlen der Pfeiler und Widerlagen undendlich den Einsturz der Brückenbogen veranlaßt. Um nunfür die Folge dergleichen ungewöhnlichen Wassermaffen freienDurchfluß zu verschaffen, und einem ähnlichen Unfall möglichstvorzubeugen, nahm man für den neuen Brückenbau nur EinenBogen an, der jedoch sehr flach gehalten werden mußte, wenndie Fahrt über die Brücke nicht allzu steil und unbequem werdensollte. Die Ausführung wurde auf dreierlei Weise, in Holz,Eisen und Stein, Projectirt; Seine Majestät der Kaiser ent-schieden jedoch für letzteres Material, und geruhten zu demBau 20000 Gulden Conventionsmünze anzuweisen, welcherhierauf unter der Oberleitung des durch mehrere hydrotechnischeWerke, unter andern den Bau der neuen Kettenbrücke bei Saatzüber die Eger, rühmlichst bekannten K. K. StraßenbaudirectorsStrobach, durch den umsichtigen Straßenbaucommissär AloysMayer im Herbste 1825 begonnen, und mit solchem Eifer be-trieben wurde, daß schon im November 1826 die neue Brückezum Gebrauch geöffnet werden konnte.
Der Bau hatte bei Einheimischen und Fremden allgemeines
Interesse erregt, welches sich nach Wegnahme des Lehrgerüstesdurch den kühn gesprengten flachen Bogen, dessen Haltbarkeitjedoch der Baumeister wohl berechnet und durch tüchtige Wider-lagen gesichert hatte, zu Staunen und Bewunderung steigerte.Dieser Segmentbogen von 60 Grad hat nämlich 96 Fuß Weitebei 13 Fuß Höhe über den bis zum höchsten Wafferstand auf-geführten Widerlagen, und finden wir, nach WiebekingSvergleichender Tabelle der ausgeführten steinernen Brücken(Thl. III. S. 484 dessen Wasserbaukunst), in Deutschlandnur eine einzige mit nahekommendem Verhältniß, nämlich dieFleischerbrücke zu Nürnberg, deren Bogen 95 Fuß Weite und14 Fuß Höhe hat. Der Baumeister dieser im Jahre 1597 mitrothen Sandsteinen aufgeführten merkwürdigen Brücke warCarl von Nürnberg, und hat dieselbe, obgleich damals derTagelohn eines Zimmermanns oder Steinhancrs nur 15 Kreuzerbetrug, dennoch 82,172 Gulden gekostet. Auf der Straße vonMontauban nach Nizza befindet sich jedoch eine noch flacher ge-wölbte steinerne Brücke mit einem Bogen von 96 Fuß 11 ZollWeite zu 11 Fuß Bogenhöhe, und ist dieß bei steinernen Brückenniit Einem Bogen, so viel uns bekannt, das niedrigste bis jetzt inAnwendung gekommene Bogenverhältniß. In England, Frank-reich und Italien sind zwar verschiedene Brücken mit einemBogen zu 140 bis 150 Fuß Weite in neuern Zeiten aufgeführtworden, allein mit nicht unter '/- dieser Weite zur Bogenhöhe,indessen diese Höhe an der neuen Carlsbader Brücke noch nicht
der Bogenweite beträgt.
Eine solche flache Spannung würde sich der Hydrotekt beidiesem, nach unserer Erinnerung durch außerordentliche Über-schwemmungen schon mehr höchst gefährlich gewordenen Flussewahrscheinlich nicht erlaubt haben, wenn ihm nicht das vor-trefflichste Material, so wie alle sonstigen technischen Mittel zurvollkommensten Ausführung zu Gebot gestanden hätten. Dasganze Werk wurde nämlich mit Granitblöcken aus den fünfStunden entfernten Carlsbader und Gut-Eicher Gründen auf-geführt, und dabei eine seltene mechanische Fertigkeit und vieleGewandtheit entwickelt. Besonders sinnreich und zweckmäßigfinden wir die auf einer der Beschreibung beigefügten Plattedargestellte Vorrichtung zur Beischaffung und Aufstellung derim Durchschnitt 29 bis 35 Lentner schweren, 3'/. bis 4?/, Fußstarken Wölbsteine.
Der Techniker wird daher die nähere Beschreibung diesesBaues, so wie die angestellten Beobachtungen während desSetzens der ungeheuern freigetragenen Last des flachen Ge-wölbes, in der Zeitschrift selbst mit besondern! Interesse lesen,und den K. K. Straßenbaubeamten zu dem Gelingen diesesin solcher Vollkommenheit seltenen Werkes, das übrigens auchdurch ein gefälliges und einfaches Aeußeres anspricht, Glückwünschen.
Schon gereichte die Anlage und Ausführung der Chaussee,auf welcher man von Teplitz her mit großer Bequemlichkeit undSicherheit den hohen Berg nach Carlsbad herabkommt, derK. K. Baudirection zur größten Ehre; durch die am Endedieser Kunststraße neu hergestellte Grauitbrücke ist das gemein-nützige Werk gänzlich vollendet, und letztere, mit der Benen-nung Kaiser-Franzens-Brücke, steht als ein würdigesMonument des erlauchten Begründers dieser großartigen An-lage. Möge solche vor der Allgewalt außerordentlicher Natur-ereignisse immerdar bewahrt bleiben!