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Deutsche Literatur.
und Aussicht, besonders jetzt, da eine allgemeine Aufregungfür diese Gegenstände durch das Böhmische Museum so kräftigunterhalten wird.
So häuft sich denn ein Schatz an, den immerhin, wie wirauch an unsern deutschen Schätzen solcher Art ähnliches sehen,nur ein kleiner Kreis genauer kennen und genießen mag, dessenWirkung aber darum nicht weniger allgemein ist.
Den naturkräftigcn und Phantasiereichen Charakter desAltböhmischen Lebens aus diesen Quellen, zu denen wir auchChroniken rechnen müssen, klar und stark hervorströmen zulassen, und in ihrer auffrischenden Behandlung die Derbheitder antiken Motive möglichst beizubehalten, wollen wir denneuern Böhmischen Dichtern, wenn sie dergleichen Stoffewählen, bestens empfohlen haben, welches nicht ausschließt,auch einen heutigen, allgemein ansprechenden Gehalt damit zuverknüpfen.
Theater.
Hier ist in Kürze anzumerken, daß die von den BöhmischenLandständen gestiftete und gut unterstützte Präger Bühne seiteiner langen Reihe von Jahren den bestgebildeten und in be-währter Ueberlieferung fortarbeitenden deutschen Bühnen bei-zuzählen ist. Vorzüglichste Talente, welche sich in Deutschlandzum ersten Ruhm erhoben, sind von dieser Bühne ausgegangen,oder haben geraume Zeit ihr angehört. Bon ihren neuern Er-scheinungen wird verständiger Bericht ertheilt, worin unver-kennbar das Streben ist, das Vorübereilende des Tages imZusammenhang aufzufassen, und mit minder flüchtiger Be-ziehung zu verknüpfen.
Noch besonders zu erwähnen ist bei dieser Gelegenheit, daßvon der Präger Bühne herab, neben dem deutschen Schauspiel,auch zu Zeiten ein Böhmisches den seiner Volkssprache anhäng-lichen und ihrer auch in den Hähern Ständen noch kundigenEingeborenen mächtig ergeht, und so dem naüonalen Lebenauch dieser eindringliche Reiz nicht mangelt.
Debatten.
Auch diese Diubrik finden wir in dem Schlußverzeichniß,und verbergen unsere Zufriedenheit darüber nicht, daß nurwenige Seiten diesem traurigen Geschäft gewidmet sind. Wirwollen zwar die wackere Redaction von solchen Controversennicht ganz abmahnen, aber sie doch ersuchen, sich nur höchstselten dazu aufregen zu lassen. Ueber wen beschweren sie sich?Ueber Durchreisende. Und wer hat sich über die nicht zu be-klagen? Ueber mißwollende Stadt-und Landsgenossen. DiesesGeschlecht stirbt nicht aus. Also nur im äußersten und zwarim seltenen Falle der eigentlichen Verleumdung würden wirdergleichen Rügungen räthlich finden, und da auch lieber deneigentlichen Richter anrufen als das Publicum, bei welchemGleichgültigkeit und vorgefaßte Meinung gewöhnlich obwaltenund regieren.
Schluß.
Unsere Anzeige der gehaltvollen Zeitschrift endet mit demBedauern, so manches Schätzenswerthe des vorliegenden erstenJahrgangs gar nicht oder kaum berührt zu haben, noch selbstvon den folgenden Jahrgängen irgend sprechen zu können.
Allein die Unmöglichkeit, eine übergroße Versammlung vongleichberechtigten Einzelnen in gegebenen Raum aufzunehmen,nöthigt zu repräsentativen Maaßregeln, und wir müssen unsgenügen lassen, die Menge und Mannichfaltigkeit des Vor-handenen in vorzüglichen oder uns besonders ansprechendenBeispielen einigermaaßen vorgestellt zu haben.
Indem wir daher von den beiden Jahrgängen 1828 und1829 nur anerkennen wollen, daß ihr Reichthum an werth-vollen Mittheilungen jeder Art nur stets wachsend erscheint,wie sie denn auch die letzten Arbeiten des zu Anfang 1829 imsechsundsiebenzigsten Lebensjahre leider dahingeschiedenen D o-bro wsky enthalten, wünschen wir unsern Lesern Antrieb undNeigung, die Quellen so vielfach belehrender Kunde nun selbstanzugehen, und dadurch jede Fortsetzung von unserer Seiteentbehrlich zu machen.
Graf Eduard Raczinskys
malerische Keise in einigen proviiyeu desOsmanischen Deichs.
Alls dem Polnischen, durch von der Hagen.
Breslau, 1824.
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Ein unterrichteter, umsichtiger Weltmann reis't zu Landevon Warschau bis Odessa, von da zu Wasser bis Constan-tinopel; ferner an die Asiatische Küste, besucht Lesbos, ja dieGefilde von Troja. Ein kunstfertiger Zeichner begleitet ihn,und nun werden uns die mannichfaltigsten Gegenstände invollendeten Kupferstichen überliefert.
Sehr interessant war uns zum Beispiel die Darstellung derallgemein-Policeilichen Vorkehrungen, so wie der fromm-wohl-thätigen Privatanstalten, um eine gränzenlose Bevölkerung inund um Constantinopel mit frischem Trinkwasser unausgesetztzu versehen. Von ungeheuern Wasser zurückstauenden Stein-dämmen und ableitenden Aquäducten bis zum einfachstenSchöpsrad sind uns die Mittelglieder größerer und kleinererRöhrbrunnen in Flecken, Dörfern und Einsamkeiten vor Augengebracht.
Der Text begleitet heiter und kenntnißreich die bildlichenDarstellungen, welche dadurch erst ihren vollen Werth erhalten.Keinem wohlhabenden Bücherfreund sollte dieß Werk in seinerSammlung fehlen.
Krisen und Untersuchungen in Griechenland,
von Bröndsted.
Erstes Buch. Parts 182V.
182«.
Eine höchst willkommene Monographie der Insel Zea, sonstKeos. Dieses Eiland, bei aller seiner Kleinheit von den frühestenZeiten her merkwürdig, wegen des Bezugs seiner Lage zu Euböa,dem Athenischen Gebiet und den übrigen Cycladen, wird voneinem vielseitig gebildeten Reisenden besucht, untersucht unduns auf alle Weise 'näher gebracht. Eigenthümliche Natur-erzeugnisse, Wein, Honig, Oel, in reicher Menge gebaut,