Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Deutsche Literatur.

der er sich zählt, leidet Theognis alle möglichen Unbilden. Nungelangen dessen rätselhafteste Worte zum klarsten Verständniß,da uns bekannt wird, daß ein Emigrirter diese Elegien ge-dichtet und geschrieben. Bekennen wir nur im ähnlichen Falle,daß wir ein Gedicht wie Dantes Hölle weder denken noch be-greifen können, wenn wir nicht stets im Auge behalten, daßein großer Geist, ein entschiedenes Talent, ein würdigerBürger, aus einer der bedeutendsten Städte jener Zeit, zu-sammt mit seinen Gleichgesinnten von der Gegenpartei in denverworrensten Tagen aller Vorzüge und Rechte beraubt, in'sElend getrieben worden.

Und wenn wir nun im ganzen für die klare, anmuthigeUebersetzung bestens zu danken haben, so gestehen wir gern,wie sehr uns das Gehörige der Noten zum Vortheil gediehen.Hier findet sich abgemessen, was zu Aufklärung des Texteserfordert wird. Alles andere, was auch dem Verfasser wohlzu Gebote gestanden hätte, wird bescheidentlich abgelehnt;deßhalb sich denn daraus alles, was man in einem solchenWerke sucht, Anschauung, Effect, Begriff, nach eines jedenLesers Fähigkeit und Bedürfniß, vollkommen ausbilden undbeleben kann.

Ferienschriften von Carl Zelt.

1826.

Der Verfasser will, wie er im Vorworte sagt, seine Auf-sätze gern Jdyllien, im antiken Sinne des Worts, genannthaben.Hier wie dort," sagt er,können uns kleine Bildergegeben werden, welche durch Neuheit des Gegenstandes, sowie durch die Art der Darstellung den Mangel an Ausdehnungund Größe mehr oder minder ersetzen." Diese Ansicht hat erfür uns völlig gerechtfertigt: wir haben seine Mittheilungenvergnüglich an uns vorübergehen lassen, und können bezeugen,daß er uns an das Bekannte erinnert, manches im GedächtnißAusgelöschte wieder erneuert, manches neu dargebracht und,ohne daß uns seine Belesenheit lästig gewesen wäre, uns inden hinzugefügten Noten manchen angenehmen Blick in'sAlterthum thun lassen.

Die sämmtlichen Aufsätze, von dem ersten, die Wirths-häuser der Alten behandelnd, an, bis zum letzten, der uns aufdas Sittliche in der Griechischen Volksreligion merken läßt,benutzten wir zu Vorlesungen in Gesellschaft gebildeter Freunde,welche sich unterhalten, zu historischen, antiquarischen, ästhe-tischen und artistischen Gesprächen aufgeregt seyn wollen, undsie kamen uns mehrsältig zu Statten. Wir rühmen, daß derVerfasser die behandelten Gegenstände sich dergestalt anzueignengewußt und sie so heiter vorzutragen versteht, daß man sichdabei befindet, als hätte man das schon selbst gedacht. Als mannun daher beim lauten Vertrag weder an sich noch andernirgend ein Hinderniß der Aufnahme zu bemerken hatte, soward die Unterhaltung dergestalt angenehm, daß man, beikurzer Dauer die Aufsätze, nach jedesmaligem Aufhören einegewisse Lücke enipfand, im Vorlesen weiter fortschritt und zu-letzt den Wunsch entschieden aussprach, der Verfasser möge esnicht an Fortsetzung einer so angenehmen Sammlung fehlenlassen.

Geschichtliche Entwicklung

der Legriffe von Kecht, Staat und Politik,

von Friedrich von Räumer.

182«.

Auch hier beginnen wir abermals von den Griechen, unddürfen nicht leugnen, daß, gleich ihren Siegen und Künsten,auch ihre Verfassungen uns höchlich inieressiren, und daß wirnicht aufhören können, den ewigen Wechsel, dem dieselbenunterworfen gewesen, mit dem innigsten, Antheil zu betrachtenund zu stndiren; wir würden ja sonst die Absicht und Bestre-bungen ihrer Schriftsteller keineswegs einsehen, noch wenigeruns aneignen können.

Indem nun genanntes Werk von dorther die Hauptbegriffebis auf den heutigen Tag entwickelt, so führt es uns durch eineReihe von Zuständen, Gesinnungen und Meinungen durch,deren Conflict vielleicht noch nie so lebhaft gewesen als inunsern Tagen. Dankbar erkennen wir deßhalb die Förderniß,die uns hieraus zugegangen.

Tausend und Ein Tag.

Morgenländische Erzählungen, nach von der HagensUebersetzung.

SieVe» Bände.

Prenzlau 1828.

Die Einbildungskraft in ihrer ausgedehnten Beweglichkeitscheint zwar kein Gesetz zu haben, vielmehr wie ein wacherTraum hin und her zu schwanken; aber, genau besehen, wirdsie auf mannichfaltige Weise geregelt, durch Gefühl, durchsittliche Forderungen, durch Bedürfniß des Hörers, am glück-lichsten aber durch den Geschmack, wobei die Vernunft ihreedlen Gerechtsame leitend ausübt.

Schon an den fünfzehn BändenderTausendundEineNacht findet sich eine große Abstufung des Inhalts, der Be-wegung, des Vertrags, und eben jener geheimen Bedingungen,denen die Einbildungskraft im Stillen huldigt. Nun veranlaßtuns derTausendnndEinTag, jene Betrachtungen durchandere Zeiten und Völkerschaften fortzusetzen. Der Stoss scheintunerschöpflich, die Behandlung willkürlich. Indessen ist dochein gewisser Kreis geschlossen, dessen Räume und Kennzeichennäher zu beleuchten den forschenden Geist unterhält, währendder müßige Hörer als Zeitvertreib das Ueberlieferte, mehr oderweniger theilnehmend, an sich vorübergehen läßt.

Epochen deutscher Literatur.

Von 1750 bis 1770.

Ruhig. Emsig. Geist- und Herzreich. Würdig. Beschränkt.Fixirt. Pedantisch. Respectvoll. Antik-Gallische Cultur. Form-suchend.

Von 1770 bis 1790.

Unruhig. Frech. Ausgebreitet. Leichtfertig redlich. Ach-tung verschmähend und versäumend. Englische Cultur. Formwillkürlich zerstörend und besonnen herstellend.