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Auswärtige Literatur und Dclkspoesie.
170. Den du hüllst in ätherischen Schleier,
Daß er leise vereint.
Ihr beide führt
Unserer Stadt großmächtigen König,
Ihr den Herrscher, in dem goldglanzstrahlenden175. Palast zu der Liebe Freuden.
Seliger du, o gesegneter noch als Könige,
Der die Göttin heimführt,
Und auf unendlicher ErdeAllein als des Ewigen SchwäherISO. Hoch sich preisen hört!
Mrrop».
Du geh' voran uns! Führe diese MädchenschaarJn's Haus, und heiß' mein Weib den Hochzeltreihen jetztMit Festgesang zu aller Götter Preis begehn.
Zieht, Hymnen singend, um das Haus und Hestias185. Altäre, welcher jedes frommen Werks Beginn
Gewidmet seyn muß-
-Aus meinem Haus
Mag dann der Festchor zu der Göttin Tempel ziehn.Diener.
190. O König! eilend wandt' ich aus dem Haus hinwegDen schnellen Fuß; denn wo des Goldes Schätze du,Die herrlichen, bewahrest, dort — ein FeuerqualmSchwarz aus der Thüre Fugen mir entgegendringtAnleg' ich rasch das Auge; doch nicht Flammen sieht's,195. Nur innen ganz geschwärzt vom Dampfe das Gemach.O eile selbst hinein, daß nicht Hephästos' ZornDir in das Haus bricht und in Flammen der PalastAufloht am frohen Hochzeittage Phasthons!
Merops.
Was sagst du? Sieh denn zu, ob nicht vom flammenden200. Weihrauch des Altars Dampf in die Gemächer drang!
Diener.
Rein ist der ganze Weg von dort und ohne Rauch.Llerops.
Weiß meine Gattin, oder weiß sie nichts davon?
Diener.
Ganz hingegeben ist sie nur dem Opfer jetzt.
Merops.
So geh' ich; denn es schafft aus unbedeutendem205. Ursprünge das Geschick ein Ungewitter gern.
Doch du, des Feuers Herrin, o Persephone,
Und du, Hephästos, schützt mein Haus mir gnadenreich!
Chor.
O wehe, weh mir Armen! wohin eiltMein beflügelter Fuß? Wohin?
210. Zum Aether auf? Soll ich in dunkelem SchachtDer Erde mich bergen?
O weh mir! Entdeckt wird die Königin,
Die verlorene! Drinnen liegt der Sohn,
Ein Leichnam, geheim.
215. Nicht mehr verborgen bleibt Zeus' Wetterstrahl,
Nicht die Gluth mehr, mit Apollon die Verbindung nicht.O Gottgebeugte! welch ein Jammer stürzt auf dich?Tochter Okeanos',
Eile zum Vater hin!
220. Fasse sein Knie,
Und wende den Todesstreich von deinem Nacken!
Merops.
O Wehe! Weh!
Chor.
O hört ihr ihn, des greisen Vaters Trauerton?
Merops.
O weh! mein Kind!
Chor.
225. Dem Sohne ruft er, der sein Seufzen nicht vernimmt,Der seiner Augen Thränen nicht mehr schauen kann.
Nach diesen Wehklagen erholt man sich, bringt den Leich-nam aus dem Palast und begräbt ihn. Vielleicht daß der Botedabei auftritt und nacherzählt, was noch zu wissen nöthig; wiedenn vermuthlich die von Vers 143—149 eingeschaltete Stellehierher gehört.
Llymeue.
-Doch der Liebste mir
Vermodert ungesalbt im Erdengrab.
Zum jghaöthon des Luripides.
1823.
Die vom Herrn Professor und Ritter Hermann im Jahre1821 freundlichst mitgetheilten Fragmente wirkten, wie alles,was von diesem edlen Geist- und Zeitverwandten jemals zumir gelangt, auf mein Innerstes kräftig und entschieden; ichglaubte hier eine der herrlichsten Productionen des großenTragikers vor mir zu sehen, ohne mein Wissen und Wollenschien das Zerstückte sich im innern Sinn zu restauriren, undals ich mich wirklich an die Arbeit zu wenden gedachte, warendie Herren Professoren Göttling und Riemer, in Jenaund Weimar, behülflich, durch Uebersetzen und Aufsuchen dernoch sonst muthmaßlichen Fragmente dieses unschätzbaren Werks.Die Vorarbeiten, an die ich mich sogleich begab, liegen nun-mehr vor Augen; leider ward ich von diesem Unternehmen,wie so vielen andern, abgezogen, und ich entschließe mich daherzu geben, was einmal zu Papier gebracht war.
Die gewagte Restauration besteht also aus einer Göttling-schen Übersetzung der von Ritter Hermann mitgetheilten Frag-mente , aus den sonstigen Bruchstücken, die der MusgraveschenAusgabe, Leipzig 1779, und zwar deren zweitem Theil S. 415,hinzugefügt sind, und aus eigenen eingeschalteten und ver-bindenden Zeilen. Diese drei verschiedenen Elemente ließ ichohne weitere Andeutung, wie solches wohl durch Zeichen hättegeschehen können, gesammt abdrucken; der einsichtige Gelehrteunterscheidet sie selbst, die Freunde der Dichtung hingegen wür-den nur gestört; und da die Aufgabe war, etwas Zerstückteswenigstens einigermaaßen als ein Ganzes erscheinen zu lassen,so fand ich keinen Beruf, mir meine Arbeit selbst zu zerstücken.
Anfang und Ende sind glücklicherweise erhalten, und nochgebe ich nicht auf, die Mitte, von der wir kaum Winke haben,nach meiner Weise herzustellen. Indessen wiederhole ich die inder Arbeit selbst schon angedeuteten Situationen zu nochmaligerBelebung der Einbildungskraft und des Gefühls.