Aiiswärliqe Literatur und Volk-poesie.
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Rhythmen gewohnt; hat nicht auch Moliöre bei Fest- und Ge-legenheitsstllcken sich freierer Sylbenmaaße bedient? hat nichtsogar Voltaire seinen Tancred in hie und da verschränktenReimen, mit großem Gluck des Ausdrucks, keineswegs will-kürlich, sondern, wenn man es genau betrachtet, sehr kunstreichgeschrieben? Dieß alles ist schon vorhanden; nur käme es ausein entschiedenes Talent an, wie Victor Hugo besitzt, ob essich in diesen verschiedenen Armaturen und Masken frei,bequem und geistreich zu Ergetznng seines Publicums bewegenkönne.
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Ar. vei-xciroix.
1825 >.
Wenn ich die die Französische Uebersetzung meines Faustin einer Prachtausgabe vor mir liegen sehe, so werde ich er-innert an jene Zeit, wo dieses Werk ersonnen, verfaßt und mitganz eigenen Gefühlen niedergeschrieben worden. Den Beifall,den es nah und fern gefunden, und der sich nunmehr auch intypographischer Vollendung ausweist, mag es wohl der sel-tenen Eigenschaft schuldig seyn, daß es für immer die Entwick-lnngsperiode eines Menschengeistes festhält, der von allem, wasdie Menschheit Peinigt, auch gequält, von allem, was sie be-unruhigt, auch ergriffen, in dem, was sie verabscheut, gleich-falls befangen, und durch das, was sie wünscht, auch beseligtworden. Sehr entfernt sind solche Zustände gegenwärtig vondem Dichter; auch die Welt hat gewissermaaßen ganz andereKämpfe zu bestehen; indeß bleibt doch meistens der Menschen-znstand in Freud' und Leid sich gleich, und der Letztgeborenewird immer noch Ursache finden, sich nach demjenigen umzu-sehen, was vor ihm genossen und gelitten worden, um sicheinigermaaßen in das zu schicken, was auch ihm bereitet wird.
Ist nun jenes Gedicht seiner Natur nach in einem düsternElement empfangen, spielt es auf einem zwar mannichfaltigen,jedoch bänglichen Schauplatz, so nimmt es sich in der Franzö-sischen, alles erheiternden, der Betrachtung, dem Verständeentgegenkommenden Sprache schon um vieles klarer und ab-sichtlicher aus. Seh' ich nun gar ein Folioformat, Papier,Lettern, Druck, Einband, alles ohne Ausnahme bis zum Voll-kommenen gesteigert, so verschwindet mir beinahe der Eindruck,den das Werk sonst auch alsdann noch auf mich ausübte, wennich es nach geraumer Zeit wieder einmal vor mich nahm, ummich von dessen Daseyn und Eigenschaften zu vergewissern.
Dabei ist aber Eins besonders merkwürdig, daß ein bil-dender Künstler sich mit dieser Production in ihrem ersten Sinnedergestalt befreundet, daß er alles ursprünglich Düstere inihr eben so aufgefaßt, und einen unruhig sterbenden Heldenmit gleicher Unruhe des Griffels begleitet hat.
Herr Delacroix, ein Maler von unlängbarem Talent, derjedoch, wie es uns Aeltern von Jüngern öfters zu geschehenpflegt, den Pariser Kunstfreunden und Kennern viel zu schaffenmacht, weil sie weder seine Verdienste leugnen, noch einer ge-wissen wilden Behandlungsart mit Beifall begegnen können,Herr Delacroix scheint hier in einem wundeAichen Erzeugniß
zwischen Himmel und Erde, Möglichem und Unmöglichem,Rohestem und Zartestem, und zwischen welchen Gegensätzennoch weiter Phantasie ihr verwegenes Spiel treiben mag, sichheimathlich gefühlt, und wie in dem Seinigen ergangen zuhaben. Dadurch wird denn jener Prachtglanz wieder gedämpft,der Geist vom klaren Buchstaben in eine düstere Welt geführtund die uralte Empfindung einer mährchenhaften Erzählungwieder aufgeregt. Ein weiteres getrauen wir uns nicht zusagen, einem jeden Beschauer dieses bedeutenden Werks mehroder weniger den unserigen analoge Empfindungen zutrauendund gleiche Befriedigung wünschend.
Aeußerungen eines Kunstfreundes.
Die lithographischen Blätter, womit Herr Delacroix dieFranzösische Uebersetzung des Faust ausgestattet, sind zwarnicht so zart und glatt vollendet, als man von den bessernneuern Erzengnissen der Art zu erwarten Pflegt, sondern Ent-würfe eines kunstfertigen Malers, mit sicherer Hand und breiterKreide hingezeichnet. Wenn bei mehrern strenge Richtigkeitder Umrisse vermißt wird, so darf man mit den Künstler dar-über nicht rechten, eben weil sich seine Blätter nur als Ent-würfe darstellen; hingegen läßt sich allen ohne Ausnahmenachrühmen, daß sie kräftig und mit Geist behandelt sind.Manche verdienen auch der glücklichen Erfindung wegen Bei-fall. So ist zum Beispiel das Blatt, wo Faust sinnend inseinem Studirzimmer steht, in reicher Umgebung von allerleiGeräth, einen vor ihm auf dem Tisch liegenden Schädel be-trachtend, an und für sich, auch ohne weitere Beziehung aufdas Gedicht, ein sinnvolles, gut und malerisch angeordnetesBild. Ein anderes Blatt, Faust und Wagner darstellend, wiesie bei sinkender Abendsonne heimkehren, der schwarze Pudelhinter ihnen herschweift, dünkt uns sehr glücklich aufgefaßt, undkönnte, wohl ausgeführt, ein Bild von ganz vortrefflicherWirkung werden. Die Scene in Auerbachs Keller, wo derauf die Erde verschüttete Wein zur Flamme wird, ist ganz sophantastisch, so bewegt dargestellt, als dieser Gegenstand esverlangt, und eignete sich deßhalb zu einem Gemälde vomfrappantesten Effect. Marthe und Margarethe, freudig uudverwundert den Schmuck betrachtend, und Mephistopheles, der,tiefe Reverenzen ziehend, zu ihnen Hereintritt, würde, gehörigausgeführt, gewiß ein sehr niedliches Bild geben. Vorzüglichgeistreich endlich, wiewohl weniger Bild als die genannten,scheint das Blatt gerathen, wo Mephistopheles und Faust aufZauberpferden am Hochgericht vorllbersausen. Das Feuer, derGeist, der Ausdruck, womit der Künstler diese wilde Scenedargestellt, wird zuverlässig den Beifall der Kenner und Kunst-richter erhalten.
Will man diese Blätter mit den Versuchen deutscher Künst-ler, Scenen aus Faust zu bearbeiten, vergleichen, so könnensie mit Ehren neben einander stehen. Ein Deutscher jedoch hatalles durchgängig ernster genommen, die Figuren mit mehrSorgfalt und wissenschaftlicher gezeichnet; einem andern, dermehr auf cyklische Folge und Bilder geachtet, mag es gelungenseyn, die Charaktere mit mehrerer Stetigkeit durch die ganzeReihe durchzuführen.