Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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AuSwLrtig! Literatur und Volkspocsie.

glaube, so wird zwischen ihnen und ihm eine frohe wirksameVerbindung sich einleiten, und beide Theile werden, wie ichhoffen darf, in einer Reihe von Jahren sich dieses Vermächt-nisses und seines fruchtbaren Erfolges zusammen erfreuen, sodaß ich ein fortdauerndes Andenken, um welches ich hierschließlich bitten mochte, schon als dauernd gegönnt, mit an-muthigen Empfindungen vorausgenießen kann.

Weimar, April 1830,

Borwort.

Es ist schon einige Zeit von einer allgemeinen Weltliteraturdie Rede, und zwar nicht mit Unrecht: denn die sämmtlichenNationen, in den fürchterlichsten Kriegen durch einander ge-schüttelt, sodann wieder auf sich selbst einzeln zurückgeführt,hatten zu bemerken, daß sie manches Fremde gewahr worden,in sich aufgenommen, bisher unbekannte geistige Bedürfnissehie und da empfunden. Daraus entstand das Gefühl nachbar-licher Verhältnisse, und anstatt daß man sich bisher zugeschlossenhatte, kam der Geist nach und nach zu dem Verlangen, auchin den mehr oder weniger freien geistigen Handelsverkehr mitaufgenommen zu werden.

Diese Bewegung währt zwar erst eine kurze Weile, aberdoch immer laug genug, um schon einige Betrachtungendarüber anzustellen, und aus ihr baldmöglichst, wie man esim Waarenhandel ja auch thun muß, Vortheil und Genußzu gewinnen.

Gegenwärtiges, zum Andenken Schillers geschriebene Werkkann, übersetzt, für uns kaum etwas Neues bringen; der Ver-fasser nahm seine Kenntnisse aus Schriften, die uns längst be-kannt sind, so wie denn auch überhaupt die hier verhandeltenAngelegenheiten bei uns öfters durchgesprochen und durch-geseihten worden.

Was aber den Verehrern Schillers, und also einem jedenDeutschen, wie mau kühnlich sagen darf, höchst erfreulich seynmuß, ist unmittelbar zu erfahren, wie ein zartfühlender, streb-samer, einsichtiger Mann über dem Meere, in seinen bestenJahren, durch Schillers Productionen berührt, bewegt, erregt,und nun zum weitem Studium der deutschen Literatur ange-trieben worden.

Mir wenigstens war es rührend zu sehen, wie dieser reinund ruhig denkende Fremde selbst in jenen ersten, oft harten,fast rohen Productionen unseres verewigten Freundes immerden edlen, wohldenkenden, wohlwollenden Mann gewahr ward,und sich ein Ideal des vortrefflichsten Sterblichen an ihm auf-erbauen konnte.

Ich halte deßhalb dafür, daß dieses Werk, als von einemJüngling geschrieben, der deutschen Jugend zu empfehlen seynmöchte: denn wenn ein munteres Lebensalter einen Wunschhaben darf und soll, so ist es der, in allem Geleisteten dasLöbliche, Gute, Bildsame, Hochstrebende, genug das Ideelle,und selbst in dem nicht musterhaften das allgemeine Musterbildder Menschheit zu erblicken.

Ferner kann uns dieses Werk von Bedeutung seyn, wenn !wir ernstlich bewachten, wie ein fremder Mann die Schillerschen I

Werke, denen wir so mannichfaltige Cultur verdanken, auchals Quelle der seinigen schätzt, verehrt, und dieß ohne irgendeine Absicht rein und ruhig zu erkennen giebt.

Eine Bemerkung möchte sodann hier wohl am Platze setzt,daß sogar dasjenige, was unter uns beinahe ausgewirkt Hit,nun gerade in dem Augenblicke, welcher auswärts der deutschenLiteratur günstig ist, abermals seine kräftige Wirkung begimeund dadurch zeige, wie es aus einer gewissen Stufe der Litera-tur immer nützlich und wirksam seyn werde.

So sind z. B. Herders Ideen bei uns dergestalt m dieKenntnisse der ganzen Masse übergegangen, daß nur nenige,die sie lesen, dadurch erst belehrt werden, weil sie, durchhundertfache Ableitungen, von demjenigen, was damals vongroßer Bedeutung war, in anderm Zusammenhange schonvöllig unterrichtet worden. Dieses Werk ist vor kmzem in'sFranzösische übersetzt, wohl in keiner andern Ueberzeugung,als daß tausend gebildete Menschen in Frankreich sich immernoch an diesen Ideen zu erbauen haben.

In Bezug auf das dem Bande vorgesetzte Bild sey folgen-des gemeldet. Unser Freund, als wir mit ihm in Verhältnißtraten, war damals in Edinburgh wohnhaft, wo er, in derStille lebend, sich im besten Sinne auszubilden suchte und,wir dürfen es ohne Ruhmredigkeit sagen, in der deutschen Lite-ratur hierzu die meiste Förderniß fand.

Später, um sich selbst und seinen redlichen literarischenStudien unabhängig zu leben, begab er sich, etwa zehn deutscheMeilen südlicher, ein eigenes Besitzthum zu bewohnen und zubenutzen, in die Grafschaft Dumfries. Hier, in einer gebir-gigen Gegend, in welcher der Fluß Nithe dem nahen Meerezuströmt, unfern der Stadt Dumfries, an einer Stelle, welcheCraigeuputtoch genannt wird, schlug er mit einer schönen undhöchst gebildeten Lebensgefährtin seine ländlich einfache Woh-nung auf, wovon treue Nachbildungen eigentlich die Ver-anlassung zu gegenwärtigem Vorworte gegeben haben.

Gebildete Geister, zartfühlende Gemüther, welche nachfernem Guten sich bestreben, in die Ferne Gutes zu wirkengeneigt sind, erwehren sich kaum des Wunsches, von geehrten,geliebten, weit abgesonderten Personen das Porträt, sodanndie Abbildung ihrer Wohnung, so wie der nächsten Zuständesich vor Augen gebracht zu sehen.

Wie oft wiederholt man noch heutiges Tags die Abbildungvon Petrarcas Aufenthalt in Vauclusc, Tassos Wohnung inSorrento! Und ist nicht immer die Vieler Insel, der Schutz-ort Rousseaus, ein seinen Verehrern nie genugsam dargestelltesLocal?

In eben diesem Sinne habe ich mir die Umgebungenmeiner entfernten Freunde im Bilde zu verschaffen gesucht,und ich war um so mehr auf die Wohnung des Herrn ThomasCarlyle begierig, als er seinen Aufenthalt in einer fast rauhenGebirgsgegend unter dem 55. Grade gewählt hatte.

Ich glaube durch solch eine treue Nachbildung der neulicheingesendetenOriginalzeichnungen gegenwärtiges Buch zu zierenund dem jetzigen gefühlvollen Leser, vielleicht noch mehr demkünftigen, einen freundlichen Gefallen zu erweisen, und dadurch,