Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Auswärtige Literatur und VErpoesie.

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Ja, daß er zuletzt nur auf eine ganz reale Weise zu beruhigenist, finden wir meisterhaft erfunden, und so platt die Auflösungscheinen mag, getrauen wir uns doch, sie als höchst geistreichanzurühmen.

IVAims Lnä Oääitie».

1827 .

Dieß Werk, dessen Titel vielleicht mit Grillen undNullitäten zu übersetzen wäre, läßt sich schwer beurtheilen.Zuvörderst wird der Leser dadurch äußerst irre, daß die ein-geschalteten barocken Figuren nur zum Theil auf die Gedichteund prosaischen Aufsätze, denen sie beigegeben sind, wirklichenBezug haben; man sucht im Texte Uebereinstimmung mit denBildern, und findet keine; ein andermal gehören sie wieder ganzeigentlich zusammen, und es brauchte Zeit, bis man hierüberganz im Reinen war. Denn wer will mit einem Humoristenrechten, oder mit ihm völlig übereinkommen!

Der Autor gesällt sich, nach allen Seiten hinzudeuten, sich

in Anspielungen zu ergehen, welche der continentale Leser wohlschwerlich alle sich zurecht legen könnte. Mannichfaltige Stellenso verstorbener als lebender Poeten und Schriftsteller aller Art,besonders auch volksmäßige Sprüchlein und Redensarten ver-flicht er in seinen Vortrag, welche nicht auf uns wirken; da wirdenn, wie immer in solchen Fällen, nur das Allgemeinere,weniger Bedeutende uns aneignen können.

Wie man aber nach und nach vorgemeldete Schwierigkeitenüberwindet, so gesteht man dem Autor, wie dem Skizzisten,Geist und Talent sehr gerne zu. Die prosaischen Aufsätze sindlebhaft humoristisch, aber mäßig, nicht fratzenhaft; der Klopf-fechter bleibt bei der Klinge. Die Gedichte zeugen zwar vonkeinem tiefen poetischen Sinn, aber, mau freut sich an einemklaren, freien Blick auf die vorliegende Welt.

Vorzüglich brav ist er znr See. Ebb' und Fluth, Wogenund Sturm, Schaum und Gischt weiß er recht gut zu malen,und an Ort und Stelle gehörig zu brauchen; nur zieht er zuletztalles, selbst was sich zum Erhabenen hinneigt, in's Absurd-Possenhafte, welches denn beim ersten Aufschlagen sogleich einemjeden Leser zum voraus angekündigt ist.

IV. Italiänische Literatur.

Äon Licrio.

I8tS.

Nachdem das Morgen blatt diesen, in der geheimenItaliänischen Literatur sehr berüchtigten Namen einmal aus-gesprochen, so wird es nicht unwillkommen seyn das Nähere vonihm und seinem Gegner zu hören.

Der wahre Name des zu seiner Schmach vielbesungenenMannes war Buonaventura Arrighini, gebürtig vonLucca; sein Widersacher aber hieß Giovanni FrancescoLazzarelli, Edelmann von Gubbio, durch Schriften in Prosaund Versen berühmt, Mitglied der vornehmsten Gesellschaftenin Italien, besonders der Arcadier.

Lazzarelli, geboren im Jahre 1621, eilte glücklich auf derBahn der Studien fort, und ergab sich der Rechtsgelehrtheit,welche er in der Römischen Curie, als Auditor des CardinalsCardcgna, Praktisch ausübte. Allein, seine Familie zu er-halten, kehrte er in's Vaterland zurück, bekleidete manche öffent-liche Aemter, und zuletzt das wichtigste eines Gonfaloniere;doch begab er sich aufs neue in ausländische Dienste und triebdie Geschäfte eines Rechtsfreundes zu Ferrara, Perugia, Ma-cerata und Bologna; sogar Genua und Lucca wollten sichso vorzüglicher Talente bedienen. Zuletzt erhob ihn der Herzogvon Mirandola zu seinem Rath und Secretär und endlichzum Präsecten der Residenz, wo er, steis in gutem Verhältnißzu seinem Fürsten und den berühmtesten Literatoren, 1693starb.

Er war, sagen Gleichzeitige, eines ernsten und schönen An-blicks , von hoher Statur und reichlicher Körpergestalt. Kasta-nienbraune Haare, schwarze Augen und eine weite Stirn zeich-neten ihn aus. Er hatte anmuthige und gefällige Manieren,

eine wundersam kluge, gelehrte und erheiternde Unterhaltung;seilte Lebensart, seine Religion, Nächstenliebe und Pflichtbesol-gung wurden ohne Ausnahme gerühmt.

Als er im Gericht zu Macerata saß, war Arrighini seinvertrauter College; worüber sie sich aber bis aus den Grad desseltsamsten Hasses entzweit, ist nicht bekannt geworden; genug,in dem Werke:

I,a Oiceeicke,

legiltima cki 6iov. kranceseo l.«rrr>relliklitrivno scorosciMs.ämstsntsm iivcrnxxx.

finden sich 330 Sonette, welche alle damit schließen, daß DonCiccio ein bl. sey. Hierauf folgen 80 Gedichte, zum Theilgleichfalls Sonette, sämmtlich zu demselben löblichen Zweckbestimmt; das vorletzte ist nach dem Tode des Ciccio unddas letzte von dem Verfasser aus dem Fegfeuer datirt. Auchdiese Zugabe ist von gleichen! unverwüstlichem Humor undpoetischem Werth.

Nun glauben wir aber unsern Lesern eine Entwicklung schuldigzu seyn, wie es möglich gewesen eine solche Masse von Schmäh-gedichten, wohlgezählt 410 ,> auf einen einzigen Mann auszu-schütten, der kein verdienstloser, schlechter Mensch, aber wohleine ungeschickte, zudringliche, anmaßliche Person gewesen seynmag. Hätte nun der Dichter seinen Haß bloß verneinend aus-gesprochen, seinen Gegner nur gescholten, ihm durch Verkleine-rungen allen Werth und Würde zu rauben gesucht, so wäre esihm schwerlich geglückt, den Leser anzuziehen und festzuhalten.Da er aber glücklicherweise versteht, seinen Schalkheiten positivenGehalt zu geben, so bringt er uns jedesmal Gewinn, besticht