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Bildung und Umbildung organischer Naturen.
Blumenliebhaber behaupten, man müsse die einfachen Lev-kojen zwischen gefüllte setzen, um vollkommenen Samen zuerhalten; als wenn der zarte, wohlriechende Duft, wo nichtbefruchten, doch die Befruchtung erhöhen könne.
Selbst unter der Erde nimmt man solche Einwirkungen an.Man behauptet, schlechte Kartoffelsorten zwischen bessere gelegt,erwiesen schädlichen Einfluß. Und was könnte man nicht fürBeispiele anführen, die den zarten, in seinem Geschäft auf-merksamen Liebhaber der schönen Welt, die er mit Leidenschaftumfaßt, bewegen, ja nöthigen, allen Erscheinungen einendurchgehenden Bezug unweigerlich zuzugestehen.
Bei Entwicklung der Jnsecten ist die Verdunstung höchstbedeutend. Der aus der letzten Raupenhaut sich loslösende,zwar vollkommene, aber nicht vollendete Schmetterling ver-wahrt, von einer neuen, seine Gestalt weissagenden Hauteingeschlossen, bei sich einen köstlichen Saft. Diesen in sichorganisch cohobirend, eignet er sich davon das Köstlichste zu,indem das Unbedeutendere nach Beschaffenheit äußerlicher Tem-peratur verdunstet. Wir haben, bei genauer Beobachtungsolcher Naturwirkungen, eine sehr bedeutende Gewichtsvermin-derung wahrgenommen, und es zeigt sich, wie solche Puppen,an kühlen Orten aufbewahrt, jahrelang ihre Entwicklung ver-zögern, indeß andere, warm und trocken gehalten, sehr baldzum Vorschein kommen; jedoch sind letztere kleiner und unan-sehnlicher als jene, welchen die gehörige Zeit gegönnt war.
Dieses alles soll jedoch hier nicht gesagt seyn, als wennman Neues und Bedeutendes vorbringen wollen, sonderndarauf nur hindeuten, wie in der großen Natur alles auseinander spielt und arbeitet, und wie sich die ersten Anfängeso wie die höchsten Erscheinungen alles Gebildeten immer gleichund verschieden erweisen.
Analogen der Verstäubung.
1822.
Im Herbste 1821 fand man an einem düstern Orte einegroße Raupe, wahrscheinlich eines Kupfervogels, eben im Be-griff, sich auf einem wilden Roseuzweig einzuspinnen. Manbrachte sie in ein Glas, und that etwas Seidcnwatte hinzu;von dieser bediente sie sich nur weniger Fäden zu näherer Be-festigung an's Glas, und man erwartete nunmehr einenSchmetterling. Allein dieser trat nicht hervor, vielmehr be-merkte man nach einigen Monaten folgendes wundersame Phä-nomen. Die Puppe an der Unterseite war geborsten, und hatteihre Eier an ihrer Außenseite verbreitet, was aber noch wunder-samer war, dieselben einzeln zur Seite, ja gegenüber an'sGlas, und also drei Zoll geschleudert, und sonach einen jenerVerstäubung ähnlichen Act bewiesen. Die Eier waren voll undrund, mit einiger Andeutung des darin enthaltenen Wurmes.Anfangs Aprils waren sie eingefallen und zusammen getrocknet.Jnsectenfreunden sind wohl ähnliche Fälle bekannt.
Merkwürdige Heilung eines schwerverletzten Baumes.
1822.
In dem Vorhofe der Jlmenauer Wohnung des Oberforst-meisters standen von alten Zeiten her sehr starke und hoheVogelbecrbäume, welche zu Anfang des Jahrhunderts abzu-sterben anfingen; es geschah die Anordnung, daß solche abgesägtwerden sollten. Unglücklicherweise sägten die Holzhauer einenganz gesunden zugleich an; dieser war schon auf zwei Dritteldurchschnitten, als Einhalt geschah, die verletzte Stelle geschin-delt , verwahrt und vor Luft gesichert wurde. So stand derBaum noch zwanzig Jahre, bis er im vergangenen Herbste,nachdem vorher die Endzweige zu kränkeln angefangen, durcheinen Sturm an der Wurzel abbrach.
Das durch die Sorgfalt des Herrn Oberforstmeisters vonFritsch vor uns liegende Segment, 12 Zoll hoch, läßt denehemaligen Schnitt in der Mitte bemerken, welcher als Narbevertieft, aber doch völlig zugeheilt ist, wie denn der Sturmder gesundeten Stelle nichts anhaben konnte.
Dieser Baum wäre nun also wohl anzusehen als auf sichselbst gepfropft: denn da man nach herausgezogener Säge so-gleich die Vorsicht brauchte, die Verletzung vor aller Luft zubewahren, so faßte das Leben der sehr dünnen Rinde und desdarunter verborgenen Splints sich sogleich wieder an, und er-hielt ein fortgesetztes Wachsthum.
Nicht so war es mit deni Holze: dieses, einmal getrennt,konnte sich nicht wieder lebendig verbinden; die stockenden Säftedecomponirten sich, und der sonst so feste Kern ging in eineArt von Fäulniß über.
Merkwürdig jedoch bleibt es, daß der genesene Splint keinfrisches Holz ansetzen konnte, und daher die Verderbniß desKerns bis an die zwei Drittheile sich heranzieht.
Nicht so ist es mit dem gesunden Drittheile; dieses scheintfortgewachsen zu seyn, und so dem Stamme eine ovale Formgegeben zu haben. Der kleine Durchschnitt, über die Mitte derJahresringe gemessen, hält 15 Zoll, der große 18 Zoll, wo-von 5 als ganz gesundes Holz erscheinen.
Schema zu einem Aufsätze,
die Pslanzencultur im Großherzogthum Weimardarzustellen.
1822.
Auch diese höchst bedeutende, auffallende Wirkung ist auseinem wahrhaften Leben, einem heitern, freudigen und mehrereJahre glücklich fortgesetzten Zusammenwirken entsprungen.
Zuerst also von Belvedcre, welches zur Freude der Ein-heimischen, zur Bewunderung der Fremden grünt und blüht.
Die Schloß- und Gartenanlage ward vom Herzog ErnstAugust 1730 vollendet, und zu einem Lustort fürstlicher Hof-haltung gewidmet. Die Waldungen auf den dahinter liegendenHügeln wurden durch SPaziergänge, Erholungsplätze undmanche romantische Baulichkeiten anmuthig und genießbar.Eine große Orangerie, und was zu jener Zeit von solchenGärten gefordert wurde, ward angelegt, daneben eine kleineMenagerie von meistens ausländischen Vögeln. Gärtnerei undGartenbesorgung wurden in diesem Sinne geleitet und geför-dert; einige Treiberei für die Küche war nicht vergessen.