Materialien ;iir Geschichte der Farbenlehre.
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Schließlich dürfen wir jedoch nicht verschweigen, wie erhöchst liebenswürdig in seinem Vertrauen anf die Nachwelt er-scheint. Alle jene verflochtenen Naturbegebenheiten, auf die ervorzüglich seine Aufmerksamkeit wendet, ängstigen ihn als ebenso viele unergründliche Räthsel. Aufs Einfachere zu dringen,das Einfachste durch eine Erfahrung, in einem Versuch vor dieSinne zu stellen, die Natur durch Entwicklung zu enträthseln,war noch nicht Sitte geworden. Nun bleibt ihm, bei demgroßen Dränge, den er in sich fühlt, nichts übrig,'als ausdie Nachkommen zu hoffen, mit Vorfreude überzeugt zu seyn,daß sie mehr wissen, mehr einsehen werden als er, ja ihnensogar die Selbstgefälligkeit zu gönne», mit der sie wahrscheinlichauf ihre unwissenden Vorfahren herabsehen würden.
Das haben sie denn auch redlich gethan, und thun es noch.Freilich sind sie dazu viel später gelangt, als unser Philosophsich vorstellen mochte. Das Verderbniß der Römer schwebtihm fürchterlich vor; daß aber daraus nur allzubald das Ver-derben sich entwickeln, daß die vorhandene Welt völlig unter-gehen, die Menschheit über ein Jahrtausend verworren undHLlslvs irren und schwanken würde, ohne aus irgend einenAusweg zu gerathen, das war ihm wohl unmöglich zu denken,ihm, der das Reich, dessen Kaiser von ihm erzogen ward, inübermäßiger Herrlichkeit vor sich blühen sah.
Zweite Abtheilung.
Zwischenzeit.
Lücke.
Jene frühern Geographen, welche die Karte von Africaverfertigten, waren gewohnt, dahin, wo Berge, Flüsse,Städte fehlten, allenfalls einen Elephanten, Löwen oder sonstein Ungeheuer der Wüste zu zeichnen, ohne daß sie deßhalbwären getadelt worden. Man wird uns daher wohl auch nichtverargen, wenn wir in die große Lücke, wo uns die erfreuliche,lebendige, fortschreitende Wissenschaft verläßt, einige Be-trachtungen einschieben, auf die wir uns künftig wieder be-ziehen können.
Die Cultur des Wissens durch innern Trieb um der Sacheselbst willen, das reine Interesse am Gegenstand sind freilichimmer das Vorzüglichste und Nutzbarste; und doch sind vonden frühesten Zeiten an die Einsichten der Menschen in natür-liche Dinge durch jenes weniger gefördert worden als durchein naheliegendes Bedürfniß, durch einen Zufall, den dieAufmerksamkeit nutzte, und durch mancherlei Art von Aus-bildung zu entschiedenen Zwecken.
Es giebt ^bedeutende Zeiten, von denen wir wenig wissen,Zustände, deren Wichtigkeit uns nur durch ihre Folgen deutlichwird. Diejenige Zeit, welche der Same unter der Erde zu-bringt, gehört vorzüglich mit zum Pflanzenleben.
Es giebt ausfallende Zeiten, von denen uns weniges, aberhöchst Merkwürdiges bekannt ist. Hier treten außerordentlicheGoethe, Werke. VI.
Individuen hei vor, es ereignen sich seltsame Begebenheiten.Solche Epochen geben einen entschiedenen Eindruck, sie erregengroße Bilder, die uns durch ihr Einfaches anziehen.
Die historischen Zeiten erscheinen uns im vollen Tag. Mausieht vor lauter Licht keinen Schatten, vor lauter Heilung keinenKörper, den Wald nicht vor Bäumen, die Menschheit nichtvor Menschen; aber es sieht aus, als wenn jedermann undallem Recht geschähe, und so ist jedermann zufrieden.
Die Existenz irgend eines Wesens erscheint uns ja nur, insofern wir uns desselben bewußt werde». Daher sind wir un-gerecht gegen die stillen, dunkeln Zeiten, in denen der Mensch,unbekannt mit sich selbst, aus innerm, starkem Antrieb thätigwar, trefflich vor sich hin wirkte, und kein anderes Documentseines Daseyns zurückließ als eben die Wirkung, welche höherzu schätzen wäre als alle Nachrichten.
Höchst reizend ist für den Geschichtsforscher der Punkt, woGeschichte und Sage zusammengränzen. Es ist meistens derschönste der ganzen Ueberlieferung. Wenn wir uns aus dembekannten Gewordenen das unbekannte Werden auszubauengenöthigt finden, so erregt es eben die angenehme Empfindung,als wenn wir eine uns bisher unbekannte gebildete Personkennen lernen, und die Geschichte ihrer Bildung lieber Heraus-ahnen als herausforschen.
Nur müßte man nicht so griesgrämig, wie es würdigeHistoriker neuerer Zeit gethan haben, auf Dichter und Chro-nikenschreiber herabsehen.
Betrachtet man die einzelne frühere Ausbildung der Zeiten,Gegenden, Ortschaften, so kommen uns aus der dunkeln Ver-gangenheit überall tüchtig« und vortreffliche Menschen, tapfere,schöne, gute, in herrlicher Gestalt entgegen. Der Lobgesaugder Menschheit, dem die Gottheit so gerne zuhören mag, istniemals verstummt, und wir selbst fühlen ein göttliches Glück,wenn wir die durch alle Zeiten und Gegenden vertheilten har-monischen Ausströmungen, bald'in einzelnen Stimmen, ineinzelnen Chören, bald fugenweise, bald in einem herrlichenVollgesang vernehmen.
Freilich müßte man mit reinem, frischem Ohre hinlauschen,und jedem Vorurtheil selbstsüchtiger Parteilichkeit, mehr viel-leicht, als dem Menschen möglich ist, entsagen.
Es giebt zwei Momente der Weltgeschichte, die bald aufeinander folgen, bald gleichzeitig, theils einzeln und abgeson-dert theils höchst verschränkt, sich an Individuen und Völkernzeigen.
Der erste ist derjenige, in welchem sich die einzelnen nebeneinander frei ausbilden: dieß ist die Epoche des Werdens, desFriedens, des Nährcns, der Künste, der Wissenschaften, derGemüthlichkeit, der Vernunft. Hier wirkt alles nach innen,und strebt in den besten Zeiten zu einem glücklichen, häuslichenAuferbauen ; doch lvs't sich dieser Zustand zuletzt in Parteisuchtund Anarchie auf.
Die zweite Epoche ist die des Benutzen«, des Kriegens, desVerzehreus, der Technik, des Wissens, des Verstandes. DieWirkungen sind nach außen gerichtet; im schönsten und höchsten
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