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Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Mineralogie und Geologie.

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welcher feinkörnig (1. 2) und grobkörnig (3. 4) in mancherleiAbwechslung vorkommt.

Große Theile rhombischen Feldspathes zeigen sich auffallendin der grobkörnigen Art. Sie deuten sowohl ihrer innernStrnctnr als äußern Form nach auf eine Krystallisation, welchesich bald entschiedener ausspricht. Denn es giebt große Massendes Carlsbader Granits, worin man vollkommene Krystalle,und zwar von sehr complicirter Bildung antrifft (5). Essind Doppelkrystalle, welche aus zwei in und über einandergreifenden Krystallen zu bestehen scheinen, ohne daß man jedochden einen ohne den andern einzeln denken könnte. Ihre Formist durch Beschreibung nicht wohl vor die Einbildungskraft zubringen; man kann sich solche aber im ganzen als zwei in ein-ander gefügte rhombische Tafeln vorstellen (6. 7. 8).

Die größten, welche wir aufgefunden, sind drei Zoll langund drittehalb Zoll breit, die kleinsten etwa von der Länge einesZolls und in gleichem Verhältnisse breit; wiewohl auch beigrößern und kleinern öfters Lange und Breite mit einanderübereinkommt. Sie sind in den Granit innig verwachsen, undin sofern er nicht verwitterlicher Art ist, geben sie den Plattendesselben, dergleichen hier als Trittsteine vor den Häusern liegen,ein schönes porphyrartiges Ansehen, besonders wenn sie vomZiegen abgespült worden. Will man sie in den Granitblöckenkennen lernen, so steige man hinter dem Hammer den Dors-nnd Waldweg hinauf.

Von ihrer eigentlichen merkwürdigen Bildung aber würdenwir keinen deutlichen Begriff haben, wenn der Granit, der sieenthält, nicht manchmal dergestalt verwitterte, daß die Um-gebung zu Sand und Gens zerfiele, die Krystalle selbst aberfest und unverändert zur Freiheit kämen; wobei jedoch zubeobachten ist, daß sie bald aufgelesen werden muffen, weilauch sie durch Zeit und Witterung zerfallen, wenigstens brüchigwerden.

Kennen wir sie nun in ihrer einfachen Doppelgestalt, sofinden wir sie auch mit einander auf vielfache Weise verbun-den. Theils ist Tafel auf Tafel aufgewachsen, theils sind meh-rere unregelmäßig zusammengehäuft. Manchmal sind zweisolcher Doppelkrystalle in Kreuzform innig vereint. Sehr seltenerscheinen sie zu weißer Porcellanerde verwittert. Auch diekleinern Bruchstücke, die man von ihnen findet, behalten nochimmer das Ansehen und die Eigenschaften des Fcldspathes.

Hierauf legen wir, um mehrerer Mannichfaltigkeit willen,Mnsterstücke entfernterer Granitarteu bei, als von Fischern(9), von Dallwitz (10) und eine sonstige Abänderung (11).

Nach diesem zieht ein feinkörniger Granit, der an niehrernOrten des hiesigen Gebirges vorkommt, unsere Aufmerksamkeitan sich. Er hat eine röthliche Farbe, die an den Lepidolith er-innert, und zeigt aus dem frischen Bruche kleine braunrotheFlecken (12).

Beobachtet man diese näher und an mehrern Beispielen,so wird man bald gewahr, daß auch hier eine Krystallforn: an-gedeutet ist. Verwittert nun gar das Gestein bis auf einengewissen Grad, so findet man, indem man es aus einanderschlägt, völlig ausgebildete Krystalle, jedoch mit der Eigenheit,daß sie nur mit einem Theile aus dem Gestein hervorragen,der andere aber in demselben fest verwachsen bleibt (13): wieuns denn kein völlig loser, vollständiger Krystall der Art jemalsvorgekommen.

An Gestalt gleichen sie jenen ersterwähnten Doppelkrystallendes Feldspathes; nur überschreiten sie selten einen Zoll, diegewöhnlichsten erreichen kaum einen halben.

Ihre Farbe ist ursprünglich braunroth, die sich auch wohläußerlich gegen das Biolblaue zieht; doch gehen sie öfters ineine weiße Porcellanerde über (14). Zerschlägt man ein Stückdieses Gesteins, das man von einer ganz frischen Stelle, welcheim Steinbruche erst entblößt worden, weggenommen, so findetman den Bruch der Krystalle stets vollkommen roth. Erleidetaber dieses Gestein den Einfluß der Witterung, so fängt dieVeränderung von außen an, da wo die Krystalle mit demMuttergestein zusammenhängen, und zieht sich nach und nachgegen das Innere. Die rothe Farbe verschwindet und machtder weißen Platz, welche den ganzen Krystall endlich durch-dringt, der nun aber auch zugleich seine Consistenz verliert, undbeim Zerschlagen des Steins seine Forni nicht mehr entschiedenbehalten kann.

Untersucht man ferner die Mannichfaltigkeit der Carls-bader Granite, so findet man mehrere Stellen, welche auf einTalkartiges hindeuten. Die grüne Farbe zeigt und verbreitetsich durch das Gestein, und an den Ablösungen läßt sich einglänzendes Festes beobachten, das man für nephritisch an-sprechen möchte.

In einem gewissen Granit, der an mehrern Orten zwischendem andern ansteht und oft einen rothen, von Quarzkörnerndurchsäeten Feldspath enthält, wobei der Glimmer kaum merk-lich ist, finden sich Krystalle, der vorbeschriebenen ähnlich, derGröße nach nie einen Zoll erreichend, an Farbe gelbgrünlich,übrigens von völlig specksteinähnlichem Ansehen (15). Wienun die grüne Farbe dem ganzen Gestein angehört, so scheintsie auch ursprünglich den Krystallen eigen zu seyn: denn siebleiben sich unter allen Umständen gleich, und lassen sich nicht,wie jene rothen, auf dem Uebergang in einen andern Zustand,in eine andere Farbe betreffen und beobachten. Fest und voll-kommen sowohl als verwittert und zerbröckelt, behalten sie ihregrüne Farbe und oas fpecksteinartige Ansehen. Niemals er-reichen sie die Größe eines Zolls; doch lassen sie uns jene obenerwähnte krystallische Doppelgestalt bei dem Maaß von dreiLinien noch deutlich genug erblicken (16).

Wir verlassen nunmehr diese Krystallisationen und suchenden Feldspath aus, wie er auch als Masse zwischen und nebendem Granit gefunden wird. Der schönste zeigt sich in derDorotheen-Aue als Gang; seine Flächen spiegeln sehr lebhaft,seine Farbe zieht stellenweise aus dem Fleischrothen in's Grün-liche , und man durfte ihn daher gar wohl mit der Adulariavergleichen (17).

Weniger edel, doch rein und mächtig, tritt er bei Dallwitzneben und unter dem Granit in großen Massen hervor (18).Er verwandelt sich in dem Porcellanfeuer zu einem schönenweißen, dem Fettquarz ähnlichen Körper (19), welchen manzur Fabrication des Steingutes zu nutzen weiß.

In und an dem Granit von Engelhaus finden sich mancher-lei Abweichungen. Besonders merkwürdig sind Stellen dessel.ben, wo sich in dem Feldspath erst Quarztheile unregelmäßigeingestreut befinden, nachher aber Quarz und Feldspath zu-sammen einen vollkommenen Schriftgranit bilden (20).

Eben so zeigt sich in dieser Gegend ein Feldspath, aufwelchen der Glimmer Einfluß gehabt, von dendritischem Ansehen.