Mineralogie und Geologie.
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wenn auch mit weniger Zeitaufwand, doch immer zu jenemausgesprochenen Zwecke mit Ueberlegung gefertigt worden. Einlakonisches, gleichfalls übrig gebliebenes Tagebuch würde dabeinoch weiter behülslich seyn.
Von jenen kleinern Zeichnungen bemerke folgende:
») Hexeualtar auf dem Brocken, in geschichteter Lage. Nochvor fünfzig Jahren glaubte man hier eine durch Menschenhändeaufgerichtete Mauer zu erblicken.
b) Arendsklint, eine auf regelmäßigem Naturpiedestal auf«gerichtete Fclsensäule.
e) Unter dem Roßtrapp an der Bude. Flüchtige Skizze,die steil aufstrebenden Felsenpartien sehr gut ausdrückend.
ct) Treppensteig, au der Ocker; regelmäßig rechtwinkeliggetrennte Granitmasse.
e) Unter dem Treppensteig am Wasser; au unförmlicheGranitmassen anstoßende sanstgeneigte regelmäßige Bänke des-selben Gesteins.
k) Ziegenrücken im Ockerthale; beinahe verticale Bänke,horizontal und diagonal durchschnitten.
Z) Kalkhöhle, von oben erleuchtet; malerischer Effect.
t>) Versteinerungslagen unter Grauwackebäukon, am Schu-lenberg auf dem Oberharz.
i) Küttelsthaler Gypsbrüche; kleines Musterstück, diehorizontale und verticale schwankende Durchlüftung dieserGesteinart darstellend.
ü) Clause bei Goslar; in den Sandstein gegraben, merk-würdig wegen regelmäßiger, doch schwankender Zerklüftung.
l) Rammelsberg bei Goslar. Meisterhafte kleine Zeichnung,den ödesten, trostlosesten Zustand, auf der Oberfläche metalli-scher Naturschätze, vergegenwärtigend.
Ehe wir auf unserm bezeichneten Wege nunmehr weiter ^schreiten, fassen wir in einem Rückblick dasjenige zusammen, !wovon bisher gehandelt worden.
Große anorganische Massen gestalten sich solivescirend, undzwar regelmäßig. Wir gebrauchten ein Gitterwerk als Gleichniß, ^und gaben den Katalog einer Sammlung von Zeichnungen, zu !diesem Zwecke vor vielen Jahren aufgenommen, und bis jetzt lsorgfältig aufbewahrt.
Den AugenblickderSolidescenzhat mau als höchst bedeutendzu betrachten. Solidescenz ist der letzte Act des Werdens, aus !dem Flüssige» durch's Weiche zum Festen hingeführt, das Ge-wordene abgeschlossen darstellend.
Im Solidesciren, im Uebergang aus dem Weichen in das iStarre, ergiebt sich eine Scheidung, sie sey nun dem Ganzen 'angehörig oder sie ereigne sich im Innersten der Massen.
Jene Urdurchgitterung, wie wir, das Obengesagte in's ^Kurze zu fassen, die Erscheinung »etu, die Vermuthung !potent!» nennen wollen, geschah niemals ohne Sonderung: !denn alle Gebirgsmassen sind mehr oder weniger zusammen-gesetzt; daher entstanden gleichzeitige Gänge (dieses unzu-längliche Wort müssen wir einstweilen gebrauchen); Gänge,die mit Gesteinabtheilungen parallel gehen, diese mögen nun !vertical aufgerichtet stehen, und deßhalb als Wände gelten, !oder unter verschiedenen Winkeln geneigt, bald mit dem Namen >
Bänke, und endlich wohl gar Lager bezeichnet werden.Diese Gänge sprechen wir als gleichzeitig mit der Gebirgsmassean. Wer einen Schriftgranitgang, in einer Granitmasse ein-geschlossen, ihrem Fallen und Streichen genau folgend, mitAugen gesehen hat, der wird den Sinn begreifen, den wir indiese Worte legen.
Jene Scheidung wird also von der Hauptgestaltung mitfortgerissen, und fügt sich in die Richtungen jenes Gitterwerks.
So viel sey vorläufig von einer Angelegenheit gesagt, dieschon tausendfach mit mehr oder weniger Gluck ausgesprochenworden. Man erinnere sich der Fllllungstheorie, welche soüberstand nahm, daß eines werthen Mannes, von Charpentiers,verständige Bemühungen abgelehnt, beseitigt, mißgeachtet,vergessen und zuletzt gar nur durch Hohnrede wieder zur Er-innerung gebracht wurden. Eine Wiederaufnahme derArbeiteneines höchst sinnigen Vorfahren würde gerade jetzt einen gutenEindruck machen und vielleicht von erfreulichen Folgen seyn.
Aber gleichzeitig mit jener Scheidung, die dem Ganzenfolgen muß, geht im Innersten der Massen noch eine besonderevor, welche den eigentlichen Charakter der Gebirgsart aus-spricht, und dieses ist, was wir porphyrartig nennen.Auch hier wie dort sondert sich das Reinste, oder vielmehrHomogenste, nicht sowohl vom Unreinen als vielmehr vomFremdartigen, das Einfachere vom Zusammengesetzten, dasEnthaltene vom Enthaltenden, und zwar so, daß man oft dieIdentität beider nachweisen kaun. Unzählige Beispiele, vomGranit bis zum letzten Gyps und Kalkstein, sind den Freundendieses Wissens bekannt. Sehr oft ist das Enthaltene dem Ent-haltenden nahe verwandt. Die Carlsbader und ElbogenerZwillingskrystalle sind eigentlich krystallisirter Granit; diegroßen Granaten oder Almandine von Tyrol sind offenbarkrystallisirter Glimmerschiefer, die Eisengranaten krystallisirterEisenglimmer.
Wie nun diese Gestaltungen sich selbst in beengender Massehervorthun, so werden noch mehr die durch geistige Auflösungbefreiten, auf leeren Gebirgsklllften und Schluchten herum-geführten Ur-Theilchen sich noch reiner abtrennen, und diegleichartigen sich einander zugesellen. Hier haben wir alsdanndie ganz reinen Krystallbildungen, an denen wir uus höchlicherfreuen, unser Wissen daran bilden und ordnen können.
Auch jene porphyrartigen Erscheinungen habe ich sorgfältiggesammelt, und wie sich das Obenbehauptete in einzelnen Bei-spielen ausspricht, verdient wohl eine besondere Behandlung.Jedoch finde eine besondere Erfahrung hier einstweilen Platz.
Ich erhielt ein Glas Opvdeldok von gleichartiger, trüb-durchscheinender Masse, worin aber runde, weiße krystallisirteKorperchen in kleiner Erbsengroße schwebend gehalten werden.Bei einer nähern Erkundigung vernahm ich, daß dieses Glaserst vor drei Wochen bereitet worden. Schon am zweiten unddritten Tage zeigen sich Pünktchen, die sich nach und nach ver-größern und eine krystallinische Form annehmen, an welchenjedoch im Verlauf der Zeit kein weiteres Wachsthum zu be-merken ist.