Mineralogie mit Geologie.
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Nun sieht man die verschiedenfarbigen gesonderten Bestand-theile geradlinig in bestimmte Räumchen eingefaßt, in Drei-ecken, Vierecken, alles meist rhombisch, spitz- und stumpfwinkelig.
Aehnliche Erscheinungen finden wir im großen: denn mandarf den erstbenannten Rninenmarmor, und dessen Durch-schnittstäselchen mit einem Durchschnitt vom Riegelsdorfer Flözvergleichen, so wird man die große Aehnlichkeit bewundern.
Alles dieses ist nur gesagt, daß die Natur nicht später ge-waltsame Mittel anzuwenden braucht, um dergleichen Erschei-nungen mechanisch hervorzubringen, sondern daß sie in ihrenersten Anlagen ewige, aber ruhende Kräfte besitzt, die, in derZeit hervorgerufen, bei genügsamer Vorbereitung, das Unge-heure so wie das Zarteste zu bilden vermögen.
Der bei Ilmenau vorkommende Bandjaspis giebt uns voneiner gleichen Naturwirkung schöne Beispiele. Die einzelnen,drei Finger breiten Stücke zeigen eine sehr regelmäßige Streifen-bildung , graubräunlich dunkel auf hellerm Grunde. An vielenStücken ist diese Linearzeichnung unverrückt, an andern aberbleibt zwar das parallele Verhältniß durchaus rein, allein dieLinien sind wie durch einen kleinen Schreck im Augenblicke derSolidescenz verschoben und also erstarrt, daß sie nunmehr eingelindes treppenartiges Steigen und Fallen vorweisen. Waswir also vorher an einem leicht determinabeln Kalkgestein ge-sehen haben, erblicken wir nunmehr an einem festen quarzigenThongcstein.
Von einer heftigern Erschütterung in einem solchen Augen-blicke giebt uns der Trümmerachat einen bedeutenden Beleg.Hier ist auch die erste Tendenz zum Bandartigen unverkennbar;durch eine Störung jedoch ward sie aufgehoben und in einzelneStücke zertheilt: die Chalcedonmasse jedoch, die allen Achatenzum Grunde liegt, in dem Augenblicke noch weich, erstarrtezugleich mit den Trümmern, die sie enthielt, und so ist unsein schönes Mineral vorbereitet worden.
Ich besitze eine Tafel Altdorfer Marmor, drei Fuß laug,zwei breit, deren ausgeschweifte Form darauf hindeutet, daßsie früher fürstliche Gemächer verziert hat; und sie verdientediese Ehre wohl: denn auf einem grauen Grunde liegt Ammons-horn an Ammonshorn; die Schale desDanzen ist noch deutlichsichtbar, der vordere Theil von der Grundmafse ausgefüllt,der Hintere reiner weißer Kalkspath. Jedem Naturfreund istdieser Marmor von Altdorf bekannt, mir aber wurde an diesemStücke zuerst folgendes bedeutend. Es gehen zarte Klüfte querdurch das Ganze durch, die, wenn sie auf ein Schneckengehäustreffen, solches um einige Linien verschieben; an andern einzel-nen Musterstücken fand sich auch wohl der Fall, daß die Schneckeaus vier Zwölstheile eines Pariser Zolls verschoben war.
Das, was wir also am Baudjaspis, am FlorentinischeuMarmor erblickten, fordert uns hier abermals znr Betrachtungauf: hier liegt es dem Anblick deutlich vor, daß das Ganzenoch weich, noch determinabel in einem gewissen Grade von
Erharschung muß gewesen seyn, als die schmalen, mit einergilblichen Masse ausgefüllten Klüfte in gerader Richtung, ob-gleich wellenförmig durch das Ganze hindurch liefen, und alles,was sie durchschnitten, von der Stelle schoben. Außer dieserHaupttafel geben fünf kleinere, die ich durch Vermittlung desHerrn Professor Schweigger einer alten wackern Freundin,der Frau Bürgermeisterin Baureis in Nürnberg, verdanke,mit welcher, wie früher mit ihrem Gatten, durch manche Zeithindurch ein naturwissenschaftlicher Verkehr stattgefunden, eineähnliche Anschauung.
Von einem solchen Halbgewordenen, Gestörten und wiederzum Ganzen Gefügten haben die Geognosten schon mancheBeispiele angeführt, und man wird mit einer Aufmerksamkeitnoch viel mehrere finden, und manches sogenannte Breccien-artige wird hierher zu zählen seyn. Die Quarzfelsen am Rhein-ufer unmittelbar unter der Rochuscapelle gehören hierher:scharfkantige Qnarztrümmer sind durch eine frische, flüssige,kräftige Ouarzmasse zu dem festesten Gestein verbunden, wiewir ja auch im Organischen ersehen, daß ein geheilter Knochenvor einem Bruche an derselben Stelle sicherer ist als an derbenachbarten gesunden.
Deutschland,
geognostisch-geologisch dargestellt von Ehr. Keferstein.Weimar 1821.
Eine Zeitschrift. Zwei Hefte. 1. Heft: Generalkarte vonDeutschland, zwei Durchschnitte von Süd nach Nord. 2. Heft:Zwei Durchschnitte von West nach Ost. Karte von Tyrol.
,822.
Den Dank, welchen Freunde der Geognosie Herrn Kefer-stein schuldig werden, kann ihm niemand froher und aufrich-tiger abtragen als ich, da mir seine bedeutende Arbeit geradezur rechten Zeit förderlich und nützlich wird. In einem Alter,wo man Resultate wünscht, ohne daß man sich selbst im Standefühlte, in manchen Fächern zu einer Vollständigkeit von Er-fahrung zu gelangen, das Längstvorhandeue mit dem Neuent-deckten übersehbar zu verknüpfen, ist es höchst willkommen,wenn Jüngere unsern Vorsatz leisten, unsern Wunsch erfüllen.
Wenn ich gedenke, was ich mich seit fünfzig Jahren indiesem Fache gemüht, wie mir kein Berg zu hoch, kein Schachtzu tief, kein Stollen zu niedrig und keine Höhle labyrinthischgenug war, und nun mir das einzelne vergegenwärtigen, zueinem allgemeinen Bilde verknüpfen möchte, so kommt mir vor-liegende Arbeit, in sofern sich meine Forschung auf Deutschlandbezog, sehr günstig zu Statten.
Wie ich also, theils zufällig theils vorsätzlich, mit Land undGebirgsstreckeu bekannt geworden, was ich von Erfahrungenuotirt, von Zeichnungen trefflicher Künstler aufbewahrt, anGedanken fort und fort gehegt, das alles wird sich jetzt deut-licher und kurzgefaßter entwickeln lassen, wenn ich, HerrnKefersteins Karten und geognostische Zeitschrift immer vorAugen habend, Aelteres und Neueres darauf beziehe, wodurch