Mineralogie und Geologie.
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und abgesondert, liegt der von allen Seiten her gesehene Kam- >merbühl. Seine Lage ist an und für sich schon hoch, und um ^so bedeutender wird die Aussicht auf seiner Höhe.
Man versetze sich in das offene Lusthäuschen, und man findetsich in einem Kreis näherer und fernerer Hügel und Gebirge.Im Nordwesten hat man die regelmäßigen schönen und heiternGebäude Franzensbrunns vor sich. Wie man sich nach derRechten wendet, erblickt man über einer weiten, wohlbebautenund bewohnten Landschaft in der Ferne den Sächsischen Fichtcl-berg, die Carlsbader Berge, sodann näher die weit umher- ^leuchtenden Thürme von Maria - Kulm, dann das StädtchenKLuigswart, wohin zu das Moor seinen Abfluß nach der Egernimmt; dahinter den Königswarter Berg, weiter ostwärts den ^Tillberg, wo der Glimmerschiefer mit Granaten sich findet.Ungesehen in der Tiefe bleibt die Stadt Eger; auch der Flußzeigt sich nicht. Ueber dem Thale hingegen, das er eiuschneidet,steht das Kloster St. Anna auf einer ansehnlichen Höhe, auswelcher schöne Feldfrüchte in verwittertem Glimmerschiefer ge-baut werden. Hierauf folgt ein waldbewachsener Berg, dereine Einsiedelei verbirgt; in der Ferne treten sodann der Bay-reuther Fichtelberg und die Wunsiedeler Berge hervor. Her-wärts sieht man sodann das Schloß Hohberg, völlig im Abendden Kappelberg, mehrere Ansiedelungen, Dörfer und Schlösser,bis sich denn durch die Dörfer Ober- und Unter-Lohma derKreis wieder an Franzensbrunn anschließt.
Wir befinden uns also auf dem Gipfel eines länglichennackten Hügels, der sich von Südwesten nach Nordosten zieht;ringsumher läuft er gegen seine Base flach aus; nur ist die ^Westseite steiler. Eben dieses flache Auslaufen macht seine !Peripherie ungewiß; doch kann man sie über 2000 Schritteannehmen. Die Länge des Rückens von dem Lusthäuschen bisan den Hohlweg, in welchem noch schlackige Spuren zu findensind, beträgt 500 Schritte. Gegen Länge und Breite ist die !Höhe gering; die Vegetation behilft sich dürftig, unmittelbarauf verwitterter Schlacke.
Geht man von dem Lusthäuschen den Rücken gegen Nord-osten hinab, so trifft man sogleich auf eine kleine Vertiefung,die offenbar von Menschenhänden ausgegraben ist. Hat manauf dem sanften Abhang etwa 150 Schritte zurückgelegt, sogelangt man an die Stelle, wo zum Gebrauch des Chaussee-baues die Seite des Hügels aufgegraben, eine große Masseweggesördert, sein Inneres aufgeschlossen und für den Be-trachter ein bedeutendes Profil gewonnen worden. Der Durch-schnitt, der sich hier beobachten läßt, kann an seiner höchstenStelle etwa 30 Fuß hoch seyn. Hier zeigen sich Lagen vulka-nischer Producte, regelmäßige Lagen, welche sanft, doch etwasmehr als der Hügel nach Nordosten abfallen und eine geringeNeigung von Süden nach Norden haben. Sie sind an Farbeverichieden, unten schwarz und brannroth; höher nimmt das .Braunroth überhand, weiter hinauswärts zeigt sich die Farbeweniger ausgesprochen; da, wo sie sich der Oberfläche nähern,ziehen sie sich in's Graulichgelbe.
Höchst merkwürdig ist an diesen sämmtlichen Lagen, daß sieso sanft abfallen, daß sie ohne eine Art von Bewegung oderUnordnung ganz ruhig auf einander folgen, daß sie eine ge-ringe Höhe haben; denn man kann auf die 30 Fuß, welche dasGanze beträgt, ohne genau auf Schattirung zu sehen, bequemihrer vierzig zählen.
> Die Theile, aus welchen diese Lagen bestehen, sind durchaus
^ lose, von einander abgesondert, nirgends eine compacte, zusam-menhängende Masse. Das größte und seltenste Stück, das mandarin finden möchte, wird wenig über eine Elle betragen.
Manche Theile dieses wunderbaren Gemenges zeigen ihrenUrsprung ganz deutlich. So findet man häufig genug Glim-merschiefer, an Farbe und Form völlig unverändert, bald festerbald mürber. In den obern Lagen trifft man denselben öfterals in den untern geröthet an.
Seltener sind jedoch solche Stücke, welche von einer leicht-flüssigen, zarten Schlacke zum Theil umgeben sind. Bei einigendieser Art scheint der Stein selbst angegriffen und zum Theil in^ Schmelzung gerathen. Aller dieser Glimmerschiefer ist, wiegesagt, der Form nach unverändert; es zeigt sich keine Abrun«düng, ja kaum eine Abstumpfung. Die Schlacken, die aus ihmaufsitzen, sind so scharf und frisch, als wenn sie eben erst er-kaltet wären.
Gleichfalls ziemlich scharfkantig sind die Theile des Glim-merschiefers, die, entweder einzeln oder in mehrern Stücken,von fester Schlacke völlig eingeschlossen, gänzlich überschlacktsind. Hieraus entstehen die Kugeln, die sich, wiewohl seltener,finden und deren Form uns verführen könnte, sie für Geschiebezu halten. Vielmehr aber hat sich die Schlacke um einen fremdenKern consolidirt, und mehr oder weniger regelmäßig kugelför-mige Körper gebildet.
In den obern Lagen, besonders den rothen, findet sich derGlimmerschiefer geröthet, mürbe, zerreiblich und wohl gar in^ eine sehr zarte, fettig anzufühlende, rothe Thonmasse verwandelt.
! Den Antheil des Glimmerschiefers, den Quarz, findet mangleichfalls unverändert, meistens von außen roth, welche Farbesich in die Kräfte hineingezogen hat. Noch verbunden mit demGlimmerschiefer, komnit er überschlackt vor, welches bei den! abgesonderten Stücken nicht der Fall ist.
Nunmehr wenden wir unsere Aufmerksamkeit zur vollkom-menen Schlacke, welche, völlig durchgeschmolzen, ziemlich leicht,schaumartig aufgebläht, breiartig geflossen, von außen uneben,scharf und voller Höhlungen, inwendig aber öfters dichter ist.Aus ihr vorzüglich besteht der ganze Hügel. Man findet sie ineinzelnen, für sich fertig gewordenen, abgeschlossenen Stücken.Die größten von einer Elle und drüber sind selten; die spannen-langen flachen verdienen Musterstllcke zu seyn, so wie die faust-großen unregelmäßig geballten. Alle sind scharf, frisch, voll-ständig , als wenn sie so eben erstarrt wären.
Hinabwärts finden sie sich von allen Größen und verlierensich endlich in's Staubartige. Dieses letzte füllt alle Zwischen-räume aus, so daß die ganze Masse zwar lose, aber dicht aufeinander liegt. Die schwarze Farbe ist die gewöhnliche. Auchsind die Schlacken inwendig alle schwarz. Die Nöthe, welche. sie manchmal von außen überzieht, scheint sich von dem ge-röthetcn, in eine Thonmasse veränderten, leicht auflöslichenGlimmerschiefer herzuschreiben, der in den rothen Lagen häufigist, in welchen auch lose Conglomerate von gleicher Farbe vor-kommen.
Alle diese Körper sind leicht zu gewinnen, indem jeder ein-zelne aus der Masse herausgezogen werden kann. Die Beob-achtung jedoch und Sammlung hat einige Unbequemlichkeit undGefahr; indem man nämlich zum Behuf des Chausseebaues vonder Masse unten wegnimmt, so stürzen die obern Theile nach,