Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Mineralogie und Geologie,

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Nachschrift.

Leidenschaftlichen Mineralogen war es nicht zu verdenken,daß, als sie im Sommer 1823 den Wolfsberg bestiegen, unddort eine Anzahl ausgebildeter Angiten, Hornblendekrysiallevon ganz besonderer Größe, theils frei und lose, ohne Spureiner Feuereinwirkung, theils an - und eingeschmolzen vor sichsahen, daß sie, sage ich, diese sonst nur einzeln gekannten, hoch«und werthgeschätzten Körper ungenügsam zusammenrafften, undsolche metzenweise, um nicht zu sagen scheffelweise, in's Quartierbrachten.

Von diesem Haufen sich zu trennen, wäre gar zu empfind-lich gewesen, und daher führte man sie nicht ohne Unstattennach Weimar, wo sie, zerstreut und lästig, nirgends unterzu-bringen waren.

Höchst erwünscht fand sich daher die Mitwirkung eineswerthen Mannes, Herrn Hofrath Soret, der, in Genf undParis studirend, sich die Verdienste neuerer Krystallographieanzueignen gewußt. Ihm, der schon durch verschiedene würdigeAufsätze in diesem Fache rühmlich bekannt geworden, schien esvorbehalten, die ungefüge Menge zu durchspähen, zu sondernund, ihre schätzbare Mannichfaltigkeit anerkennend, zu ordnen.Ein Katalog, den er zu versoffen und selbst zum Druck zu be-fördern geneigt war, giebt von dieser Arbeit das beste Zeugniß.

ttralte, neuentdeckte tlaturfeuer- und Gluth spuren.

^ 1823 .

Eine vorjährige Fahrt von Eger aus nach der BayerischenGränze hin ist unsern Lesern in frischem Andenken. Wir er-zählten sie unter dem Titel: Fahrt nach Pograd; nun folgtedie Wiederholung am 23. August 1823. Erst führte derselbigeWeg gerade nach Pograd, da denn die Eisensteingruben aber-mals am Wege beschaut und.sehr schöne mineralisirte Holz-masern aufgefunden wurden. Weiter ging die Fahrt über dieBrücke des Baches Kidron, und wir gelangten abermals zumOelberg. Wie zu vermuthen, fanden wir die Einrichtungdesselben weiter vorgerückt, ja beinahe vollendet, leider auf dasallergeschmackloseste. Die Einhegung des Gartens Gethsemanemit Granitpfeilern und angemaltem Lattenwerk war durch eineunverschlossene Thüre abgerundet, der Heiland restaurirt amrechten Platze, der Engel gleichfalls; die Apostel schliefen ihrenlangen, untheilnehmenden Schlaf; inwärts war das Staket mitsymbolischen, religiös-ascetischen Bildern und Inschriften dieserArt auf vielen an einander gereihten Tafeln verziert.

Von diesen kunst-, ja Handwerkslosen Absurditäten wandteman sich gern auf das gegenüberstehende ältere dreiseitige Ge-bäude, wo hinter starken Gittern die Ereignisse jener bänglichenNacht, nach guter Kunstüberlieferung, in Holz geschnitzt undangemalt dargestellt waren. Ein Engel, herabschwebend, derden in Seeleuleiden vor sich zur Erde gesunkenen Christus auf-zurichten im Begriff ist, indessen der Kelch zwischen beiden aufeinem Felsen in der Mitte steht, nimmt sich gut aus, und dasGanze ist kunstreich componirt, daß ich wohl wissen möchte,wonach dieses Schnitzwerk gebildet sey.

Die Aussicht auf St. Laurette in der Höhe gegenüber, auf

die Thongruben in der Tiefe ward zu freundlicher Erinnerunggern begrüßt. Ich erwähne dieser Dinge umständlicher, umden Naturforschern, die sich von Eger oder von Franzensbrunnaus nach den Fenerspureu begeben möchten, unterwegs einigeUnterhaltung zu versprechen.

Immer in mittägiger Richtung gelangt man nach Goßl;hier findet man ein reinliches Wirthshaus und eine hübscheFamilie. Wir gaben die mitgebrachten Nahrungsmittel in Ver-wahrung und bestellten, was man gewähren konnte.

Von hier aus führt ein unangenehmer Weg durch einenKiefcrwald, die Straße breit genug, aber so ausgcsahren, daßsie bei feuchtem Wetter einen Wagen kaum durchlaffen muß;endlich gewinnt man einen Aufstieg, gleichfalls durch ein Kiefer-wäldchen, wo der Thonschiefer sogleich hervortritt, und endlichauf der freien Höhe des Rehbergs gleichfalls ansteht, jedoch sichdadurch auszeichnet, daß häufige Quarzstreifen dem Ganzenein wellenförmiges Ansehen geben.

In der Tiefe sieht man das Dorf Boden vor sich liegen;man stieg hinunter und traf die genannte Gebirgsart durchaus:man ging an dem gegen Mittag laufenden Wässerchen dnrch'sDorf hinauf, und fand hier sehr bedeutende mit Quarz durch-flaserte Thonschiefcrmassen, endlich große entschiedene Schlackcn-klumpen. An der rechten Seite des Büchleins, zuoberst desDorfes, findet sich ein kleiner, doch merklicher Kegel, ganz ausSchlacken bestehend, oben in der Mitte eine kleine Vertiefung;die Einwohner sagen, es sey ein verschütteter Brunnen; dieübrigen Seiten sind glatt und beras't; beim Aufhacken tretensogleich löcherige Schlacken hervor; so vorzüglich ausgezeichnete,wie die abgemeldeten im Bache, fanden sich nicht. Man brachteuns kugel- und eiartig geformte Klumpen, wovon die kleinerndurch Feuer angeschmolzene, mit ihrer Gebirgsrinde zusammen-gesinterte Hornblendekrysialle inwendig sehen ließen, die großemaber eine bis zum Unkenntlichen durch's Feuer veränderteGrundsteinart genannt werden mußten.

Man wendet sich nun, über den Abhang des Rehbcrgs,wieder nordwärts nach Altalbenreut; unterwegs findet man inden mindesten Wasserriffen Spuren von zerstörten Hornblende-krystallen, größer und kleiner, bis zum Sande herab; übrigensist alles flach abhängige Weide.

Bei Altalbenreuth selbst findet sich eine sogenannte Sand-grube, womit man den Hügel aufgeschlossen, wo sich ein auf-geschwemmter vulcanischer Tuff gar wohl erkennen läßt.

So weit gingen dießmal unsere vorläufigen Betrachtungen,die wir denn bei günstiger Sommerszeit weiter fortzusetzengedenken.

Verzeichniß der bei Boden nnd Altalbenreuth angetroffenenMineralien.

1) Thonschiefer, mit durchgehenden Quarzlagern, wellen-förmigen Ansehens.

2) Vollkommen durchgeschmolzene Schlacke, aus dem Klum-pen des Bachs bei Boden.

3) Breiartig geflossene Schlacke vom konischen Hügel amEnde des Dorfs.

4) Deßgleichen.

5) Bis zur Unkenntlichkeit verändertes Urgestein mit frischemBruch.