Band 
I.
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aus des Teufels Papieren.

VII.

Brief über die Unentbehrlichkeit unzäh^liger Taufzeugen.

Ein Edelmann in meiner Nachbarschaft hörte,ich wäre zur Zeit einer der besten Skribentenin Deutschland. Da er den Umgang mit BüchernBuchbindern überläßet: so dachte er, ich wäreein sogenannter Schreiber. Er beehrte michdaher mit folgendem Briefe, an dem nicht sowohldas Siegellack als Las Petschaft wirklich adelichwar'

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Wie ich höre, so sind Sie ohne einen Prinzipalund Sie werden auch sobald schwerlich unter-komme», denn es ist jetzt alles mit Skribentengräulich übersät und es mag sie niemand umsonst.Weil ich aber vor einiger Zeit, wie etwan bekannt,in den Stand der Ehe zum zweitenmal geschritten:so könnt' ich wohl einen hübschen Skribenten brau-chen , damit er mir die unzähligen nöthigen Ge-vatterbriefe an die Pathen meines künftigen Kindes,deren ich vielleicht auf drei hundert und fünf undsechzig außer einem alten Schaltgevatter zusammen-bitten muß, außerordentlich nett und sauber ab-schreibt, damit sie alle fertig da liegen, eh' Las Kindnur kömmt. Und wenn wir sonst übereinkommen, sokönnen Sie fast lebenslang bei mir Ihr gutesBrod essen und Jahraus Jahrein abschreiben, in-dem Sie blos, wenn Sie mit den Gevatterbriefendes gebornen Kindes auch fertig wären, sich überneue Gevattorbriefe für das Kind hermachten, wasgar noch nicht da wäre, und auf dessen Zeugungich erst nach Gelegenheit dächte: denn ich kannkeinen Faullenzer in meinem ganzen Hause aus-stehen und bin ohne Ruhm ein guter Haushälter,aber nur allemal zu gütig. Und glauben Sie janicht, daß ich mich im geringsten an meine HerrenNachbarn kehren werde, die, weil sie selbst etwanur 5t), 60, höchstens 100 Gevattern bitten, unddeswegen eines Skribenten selten über ein Vier-teljahr bedürftig sind, mirs gewaltig verübelnwollen, daß ich gar 365 (als so viel Tage im Jahrsind) nehmen, und darum einem beständigenSchreiber ( oder auf französisch Socoetuire i>Li-petiiel cts I'aeaU<Mio) zu fressen geben will.Niemand kann einem vorschreiben, so und so vielGevattern mußt du durchaus bitten, oder fo undso oft mußt du zum heiligen Abendmale gehen.Ich halte aber dafür, in unsern »»christlichenZeiten, (es will mich jeder betrügen und keinMensch zahlt seine Interessen richtig) kann mangarnicht zu viele Gevattern zusammenscharren.Der Pfarrer sagt, ein Taufzeuge war fönst einZeuge, daß einer ein Christ oder so etwas gewor-den , und das ist ja jeder vernünftige und wvhl-gezogene Taufzeuge noch bis auf diesen Tag.Nun bitt' ich aber jeden, ob es wohl in unsernschlimmen Zeiten (wie denn zur Kirchweih eineigener Verwandter von mir sagte, er habe ebenso viel Geld gegeben, um nicht getauft zu werden.

als ankere für die Taufe auszahlten, und redetespaßhaft von einer Taufe zur See unter einerLinie, welches ich in meinem Leben nicht gehört)die Welt glauben würde, daß ein junger Edel-mann gleich nach seiner Geburt ein gewöhnlicherChrist geworden, wenn sie nicht Taufzeugen undWunder sähe. Eine Mandel oder auch ein halbhundert wollens wahrlich nicht ausmachen. Wennman einem Kardinal beweisen will, daß er leidergchuret: so muß man, wie mir mein Gerichthal-ter aus dem apokryphischen Recht erzählet, an die>2 Zeugen stellen können, sonst glaubts kein Teu-fel: allein zwischen der Hurerei und dem Chri-stenthum ist gar ein großer Unterschied, undd i eses läßet sich noch viel schwerer einem Mannebeimeffen als jen e. Hat einer nur einen Tauf-zeugen und der stirbt ihm, so ist er erbärmlichdaran, und er hat keinen rechten Beweis mehr,daß er ein wirklicher Christ ist. Wer sich abermit 365 Taufzeugen umpallisadiert hat, der istseiner Religion allemal gewiß, und bis alle 365Beweise seines Christenthums gestorben sind, solang lebt er selbst gar nicht. Daher haben aufmeine Ehre auch Juden und Hurenkinder mehrPathen von jeher als andere Leute bekommen,weil ihnen niemand das Christenthum zutrauenwill. Und von den Glocken glaubts nun gar keinMensch; deswegen bat man in den alten Zeiten,wenn man sie taufte, wohl 300 Personen zu Ge-vattern , die alle ein daran gebundnes Seil an-faßten , damits so gut wäre als hielten sie alle dasKind oder die Glocke auf den Armen hin: unsdoch will es einem Manns bei allen diesen unta-delhaften und vielen Zeugen schwer eingehen,recht zu glauben, daß eine bloße leblose dummeGlocke ordentlich zur christlichen Religion überge-treten. Ein wahrer Edelmann wird aber allzeitklüger und ansehnlicher bleiben als Juden, Huren-kinder und Glocke» zusammengenommen. Wennin Arabien ein adeliches Pferd fohlt: so sitzenLenke genug dabei, die bezeugen können, daß dasFohlen von guter Geburt ist, und ein schrift-liches Zertifikat davon binden sie ihm in einerKapsel auf zeitlebens unter den Hals: aber beider Wiedergebut eines Menschen, der vielmehr ist, als jedes Pferd, sollen nur ein PaarZeugen stehen, und das ist recht erbärmlich; daranist gar nicht zu denken, daß er gar mir einer Kap-sel an den Hals versehen würde, auf die er eSankommen lassen könnte, wenn ihm einer seinChristenthum streitig machte: denn die meistenPfarrer sind und bleiben so blind, Laß sie dasselbeaus allen unsern Worten, Werken und Gedankennicht merken können. Mein Hofmeister mußte mirdie Gründe sagen, warum ich so viele Gevatternbitte, und ich habe sie hier geschrieben, weil Siemeinen Brief allen Leuten zeigen sollen, da man-cher nicht weiß, warum ichs thue: erwarte baldigeAntwort rc.

So weit der ehelustige Edelmann. So wenigaber ein vernünftiger Mann diese gute Gewohn-heit meiner adclichen Landsleute (es ist aberauch in Franken fast ebenso), oft 90 Gevatternzu bitten, im Ernste tadeln wird: so wenig heißeter es dennoch gut, daß das Kind vielleicht nichthalb so viel Namen als Pathen bekömmt.

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Jean Paul's Werke. I.