Band 
I.
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Quintus Fixsein.

Wangen): »ach ich will Ihnen alles geben, Gnt»und Blut und alles was ich habe, mein Herz und»meine Hand."

Sie wollte antworten, aber sie that nach einemSeitenblicke den Schrei des Schreckens »ach-^Gotl!" — Er fuhr gegen sie und sah den weiß -monffelinenen Aermel mit ihrem Blute vollge-§ quollen, weil sie die Aderlaßbinde durch das Hi-rieinrücken des Armes abgeschoben hatte. Blitz-schnell riß er sie in die Akazienlaube. wo sie sichsetzen konnte. Das nachdringende Blut tropfteschon von. Kleide, und er wurde bleicher als sie,denn jeder Tropfe wurde aus seinem Herzblut ge-schöpft. Der blau-weiße pvsipapierne Arm wurdeenthüllt, die Binde wurde aufgewnnken, er rißaus der Tasche ein Goldstück heraus — deckte es,wie man bei offnen Arterien thut, auf die spru-delnde Quelle, und verschloß mit diesem goldne»Eesperre und mit der Binde darüber die Pforte,aus der ihr gequältes Leben drang. —

Als es vorüber war, sah sie auf zu ihm, er-blasset, aber ihre Augen waren zwei schimmerndeQuellen einer unbeschreiblichen Liebe voll Schmerzund voll Dank. — Die ermattende Verblutunglegte ihre Seele in Seufzer auseinander. Thien-nette war unaussprechlich weich, und das von sovielen Jahren, von so vielen Pfeile» aufgerisseneHerz tauchte sich mit allen seinen Wunden inwarme Thränensiröme unter, um zuzuheilen, wiesich zersprungene Flöte» durch das Liegen im Was-ser schließen und darin ihre Töne wieder finden.

— Vor einer solchen magischen Gestalt, vor einersolchen verklärten Liebe zerschmolz ihr mitleiden-der Freund zwischen den Flammen der Freudenund Schmerzen, und versank, mit erstickten Lautenund von Liebe und Wonne niedergezogen, auf dasgute blaffe himmlische Angesicht, dessen Lippen erblöde drückte, ohne sie zu küssen, bis die all,näch-tige Liebe alle ihre Gürtel um sie wand, und beideenger und enger zusammenzog, und bis die zweiSeelen, in vier Arme verstrickt, wie Thränen in

einander rannen.-O da es jetzt zwölf Uhr

wie zum Sterbe» schlug, so mußte ja der Glück-liche denken, ihre Lippen sögen seine Seele weg,und alle Fibern und alle Nerven seines Lebenskrümmten sich zuckend und fest um das letzte Herz

der Erde, um seine letzte Wonne. Ja,

Glücklicher, Du drücktest Deine Liebe aus,denn Du dachtest an Deiner Liebe zu verge-hen.

Er verging aber nicht. Nach zwölf Uhr schwammei» lebendiger Morgenwind durch die erschüttertenBlüten, und der ganze Frühling athmete voll.Der Selige, der sogar einem FrendenmeereDämme sehte, erinnerte die Verblutete, die nunseine Braut war, an die Gefahr der Nachtkälte,und sich an die Gefahr der länger« Nachtkälls desTodeS, die nun auf lange Jahre überstanden war.

— Unschuldig und selig traten sie aus der mitweißen Akazienblüten und Mondflittern durch-brochnen Verlobung-Dämmerung. — Und draußenwar ihnen, als wäre eine ganze weite Vergangen-heit wie durch einen Erdfall vor ihnen eingesun-ken : alles war neu, licht und jung. — Der Him-mel stand voll blinkender Thantropfe» des ewigenMorgens, und die Sterne zitterten freudig aus-

einander und sanken in Strafen aufgelöset in dasHerz der Menschen herunter. — Der Mond hattemit seiner Lichtquelle den ganzen Garten überdecktund angezündet, und hing oben i» einem unge-stirnte» Blau, als wenn er sich von den nächstenSternen nährte, und schien ein entrückter kleinererFrühling zu sein, und ein aus Menschenliebe lä-chelnder Christuskopf. —

Unter diesem Lichte sahen sie sich an zum ersten-male nach dem ersten Worte der Liebe, und derHimmel schimmerte zauberisch in die mild zerflos-senen Züge, mit denen die erste Entzückung der Liebsnoch auf ihren Angesichtern stand. . .

Träumet, ihr Lieben, wie ihr wachtet, so glück-lich wie im Paradies, so schuldlos wie im Paradies!

Sechster Zettelkasten.

Icintcr - Impojt — eine der wirhligjtcn Lupplilw».

Das Herrlichste war sein Erwachen in seinereuropäischen Niederlassung im Ritterbette! — Mitdem inflammatorischen kitzelnd-nagenden Fieberder Liebe in der Brust, mit dem Frohlocken, daßer nun Las Antrittprogramm der Lieberkläruugglücklich hinter sich hatte, und mit der süßen Auf-erstehung aus der lebendigen prophetischen Begra-bung, und mit der Freude, daß er nun in seinenDreißigern znm erstenmale die Hoffnung zu einemlänger» Leben — und ist das nicht, wenigstens zueinem siebzigjährigen — hatte, als vor zehn Jah-ren, mit allem diesen gährenden Lebensbalsam, indem das lebendige Fenerrad seines Herzens sprü-hend umlief, lag er da und lachte zu seinem bli-tzenden Porträt im gespiegelte» Betthimmelhinauf, aber er vermocht' es nicht lange, er mußtesich bewegen. Einem minder Glücklichen wär' eshinreichend gewesen, den Flächeninhalt des Bettes,

— wie es manche Pilger mit der Länge ihrerWallfahrt thaten — nicht sowohl durch Schritteals durch Körperlängen wie durch Crddiameterherauszumessen. Aber Firlein mußte mir nichts,dir nichts, aus dem Bette setzen gleichsam mittenins warme flutende Leben hinein — er hatte nun ^seine liebe gute Erde wieder beim Flügel und das !Konrektorat darauf und obendrein eine Braut, jNoch dazu bekannte ihm unten die Mutter, daßer heute Nacht wirklich dem Freund Hain unterder Sichel durchgeschlüpfet sei wie biegsames Gras,und daß sie es ihm nur gestern aus Furcht vorseiner Furcht nicht habe sagen wollen. Noch jetztüberliess ihn kalt — zumal da er heute nüchternwar — wen» er zu dem nun vier Stunden abge-legene» hohen tarpejischen Felsen hinaufsah, aufdessen Zinne er gestern mit dem Tode beisammengestanden war.

Das einzige was ihn ärgerte, war, daß esMontag war und er zurück ins Gymnasiummußte. Eine solche lleberfracht von Freuden hatt'er nie auf seiner Straße zur Stadt. Jetzt nachvier Uhr tritt er aus dem Hause voll Kaffee (den