Band 
I.
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Qui n tus

Hälfte, wenn von den zwei Hälften jede einen ganzenMagen hat, unv nichts dazu als Halbmetaile undHalbbier. ...

Ich weiß, Millionen meiner Leser sehten demKonrektor selber das Bittschreiben auf und rittendamit nach Schadet zum Herrn, damit nur derarme Schelm den Schafstall bekäme, sammt dem an-gebaueten HvchzeithauS, weil ihnen wohl einleuch-tet, daß nachher einer der besten Zettelkastenwürde geschrieben werden, der je aus einem Let-ternkasten ausgehoben wurde.

Fixleins Bittschrift war außerordentlich gut undauffallend: sie stellte dem Rittmeister vier Gründevor: 1 . --Er wäre ein Dorfkind, seine Eltern undVoreltern hätten sich schon um Hukelum verdientgemacht, also bät' er rc."

2 . »Er könne leicht die hier dokumentiertenPassivschulden von 135 fl. fr. ui kr. und 1/2 Pf.,deren Tilgungfond ihm ein unvergeßliches Testa-ment anbiete, selber abführen, falls er die Pfarreibekäme, und entsage hiemit dem Legat ic."

Freie Note von mir. Man sieht, er willseinen Herrn Pathcn bestechen, den das Testamentder Frau in Harnisch gebracht. Aber halte, lieberLeser, einem armen, bedrängte», schwertragendenSchulmann und Schulpserd eine undelikate Wen-dung, die freilich niemals die unsere wäre, zugute. Bedenke, Fixlein wußte, daß der Ritt-meister ein Filz war gegen Bürgerliche, so wieein wegschenkender Rupfhase für Ädelige. Auchkann der Konrektor ein oder ein Paar mal vonPatrvnatherren auf der Ritterbank gehöret haben,die wirklich nicht sowohl Kirchen und Gottesacker— womit man doch in England Handel treibt —als deren treue Bestellung verkaufet oder vielmehrverpachtet haben an die Pacht-Kandidaten. Ichweiß aus Lange*, daß die Kirche ihren Patronbeköstigen muß, wenn er gar nichts mehr zu lebenhat: konnte nun nicht ein Edelmann noch eh' erbettelte, etwas aus Abschlag, eine Vorausbezah-lung von seinen Alimentengeldern annehmen ausden Hündett des Kanzel-Pachters? —

Z. „Er habe sich seit kurzem mit dem gnädigenFräulein von Thiennette verlobt und ihr einGoldstück auf die Ehe gegeben, und könnte alsosolche hcirathen wenn er versorgt würdeic."

Freie Note von mir. Ich halte diesenGrund für den stärksten in der ganzen Supplik.In Herrn von Aushammers Augen war Thien-nettens Stammbaum längst gestutzt, entblättert,wurmstichig und voll Bvhrkäser, sie war ja seineOekonoma, Schloß-Intendantin unv » tawi-e-Legatin für das Schloßgesinde, die ihm mit ihrenAnsprüchen auf seine Almvsenkasse in die Längeeine Bürde wurde. Sein erzürnter Wunsch, daßsie mit Fixleins Erbschaft hätte abgefunden werdenmögen, wurde jetzt durch diesen erfüllt. Kurz,wenn Fixlein Pfarrer wird, so hat ers dem drit-ten Grunde zu danken, weit weniger dem tollenvierten. . . .

». "Er habe betrübt vernommen, daß der Nameseines Pudels, den er in Leipzig einem Emigran-ten abgekauft, auf deutsch Egidius bedeute, unddaß der Hund ihm die Ungnade seines-gnädigen

* Dessen geistliches Recht p. 53!.

Icon Paul'S Werke. I.

F i x l e i n.

Herrn zugezogen. Es sei ferne von ihm denPudel künftighin also zu benamsen; er werd' eSaber für eine große Gnade erkennen, wenn seingnädiger Herr Path für den Hund, den er jetztohne Namen riefe, selber einen resolvierten."

Meine freie Note: Der Hund, bei dem !bisher der Edelmann zu Gevatter gestanden war,soll also seinen Namen zum zweitenmal von !ihm empfangen. . . . Wie soll aber der darbende ;Gärtner-Sohn, dessen Laufbahn nie höher stieg ials von der Schulbank zur Schulkanzel, und der !mit den Frauenzimmern nie gesprochen hatte, als !singend, nämlich in der Kirche, wie soll der bei seinem solchen Saitenbeznge einen feinern als den jpedantische» Ton anschlagen? — Und Loch liegt ider Grund tiefer: nicht die eingeschränkte L age, jsondern der eingeschränkte Blick, nicht eine Lieb- !lingwissenschaft, sondern eine enge bürgerlicheSeele macht pedantisch, die die konzentrischenZirkel teS menschlichen Wissens und Thuns nichtmessen und tren neu kann, die den Fokus desganzen Menschenlebens wegen des FokalabstandeSmit jedem Paar konvergierender Stralen ver-mengt, und die nicht alles sieht und alles dul-det... . Kur;, der wahre Pedant ist der Into-lerante.

Der Konrektor schrieb die Supplik prächtig abin fünf glücklichen Abenden, — setzte eine beson-dere Dinte dazu an, arbeitete zwar nicht so langean ihr wie der dumme Manutius an einemlateinischen Briefe, nämlich etliche Monate,—wenn dem Sciopxius zu glauben ist, — noch we-niger so lange wie ein anderer Gelehrter an einerlateinischen Epistel, der — freilich müssen wirsblos dem Morhvf glauben, — vier volle Monatedaran heckte, Variazionen, Adjektiven, PedeSsammt den Autoritäten seiner, Phrases, genauzwischen den Zeilen anmerkte. Er hatte ein flin-keres Genie, und war mit dem ganzen Gesuch insechzehn Tagen ins Reine. Als ers petschierte,dacht' er daran, gleich uns allen: wie dieses Cou-vert das Samengehäuss einer ganzen großen Zu-kunft, die Hülse vieler süßen oder herben Früchte,die Windel seines testierenden Lebens sei.

Der Himmel segne sein Couvert; aber ich lassemich vom babylonischen Thurm hinunter werfen, 'wenn er die Pfarre kriegt: will denn niemandeinsehen, daß Aufhammer nicht kann? —Trotzseiner andern Fehler oder eben darum hält er ei-senfest sein Wort, das er so lange dem Subrektorgegeben. Ein anderes wär' es, wär' er am Hofeseßhaft: denn da, wo noch alte deutsche Sittensind, wird kein Versprechen gehalten; denn weilnach Möser die alten Deutschen nur Versprechungenhielten, die sie vormittags gegeben, — nach-mittags waren sie schon besoffen : — so halten Hof-Deutsche auch keine nachmittägigen;—vormittägigewürden sie halten, wenn sie sie gäben, welchesaber der Fall nie sein kann weil sie da »och —schlafen. '

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