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Qu intus Fixlein
Der Pfarrer, der nicht aus Mißtrauen, sondern»Lebens und Sterbens wegen" auf alle Dinge gernein Nvtariatsiegel gehabt hatte, dem keine Versi-cherung zuverlässig schien als eine hypothekarische,und der über jedes Ständchen Belege, Quittungenund Kontrakte abverlangte, hatte nun als derEhe-zärter zu Stande war,, ein leichteres Herz; undfür das eingebrachte dankte der gute Mann denganzen Abend der Braut. Aber für mich wäre einEhekontrakt etwas so peinliches und widersinniges,— ich gesteh'eS aufrichtig, und rückte man immer-hin mir deswegen meine große Jugend vor, — alswenn ich meine Liebebriefe erst von einem kaiser-lichen Notarius müßte vidimieren und kontrasig-nieren lassen: beim Himmel! die leichte Blumeder Liebe, deren Duft den Wagbalken nicht zieht,! wie Tulpenzwiebeln, so auf der Heuwage der Justiz! zu sehe», zwei Herzen auf der kalten Raths - und! Flcischwage der Eltern und Advokaten, die in dieSchaalen blos Häuser, Felder und Zinn aufthür-mcn.... das mag den Interessenten so wohlthun, wie dem trunknen Säugling und Zöglingeiner Muss und der Philosophie, wenn er dieAbend - und Morgeuandachten vor seiner Göttini» den Buchladcn tragen und nun die Andachtenins Geld setzen, und an sie Kontrakte und Ellen-iuaß applizieren muß. ——
Vvm Kantate-Sonntag bis zur Himmelfahrt,d. h. zur Heimfahrt oder Hochzeit sind anderthalbWochen — oder anderthalb selige Ewigkeiten.Wenn eS schön ist, daß Nächte oder Winter dieTag - oder die Jahrzeiten der Freude ziemlichweit aus einander halten, wenn es z. B. schön ist,daß man nicht den Geburt-, Namen-, Verlobung-,Hochzeit- und Tauftag auf EiuemTage'erlebt, —denn bei den wenigsten fällt z. B. Hochzeit- und! Tauftag wie Fest - und Aposteitag zusammen :
! so ists noch schöner, denZwischenraum, dieBlumen-i rabatte zwischen Verlobung und Hocbzeittag außer-ordentlich weit zu machen. Vor dem Hochzeittagsind die wahren Hvnigwochen — dann kom-^ inen die Wachswochen — dann die Honigessia-! Wochen.
Im neunten Zettelkasten schlägt der Pfarrer schonsein Brautbette aus, — und ich will hier im achtennur kurz darüber wegfahren, wie es ihm bis dahinerging: natürlicher Weise, himmlisch genug. Esglückt wenigen so wie ihm, schon vor der Hochzeitl so große Flügel und so große Blume» (auf die er^ fliegen kann) zu haben, es glückt Wenigen, denk'ich, Mehl und Geflügel selber einzukaufen auf denbesagten Tag, wie Fixlein that — den Vermählnng-Truthahn mit Henkermahlzeiten zu stopfen,— alleAbende in den Stall zu gehen, um nachzusehen, obdas hochzeitliche Schwein, womit der Vormund dasj Hochzeitgeschenk gemacht, noch stehet und fristet, —j der künftigen Frau die Flachs-Kammern und Klei-! derschränk-Nischen auszusuchen im Hause, — neue^ Lagerbäume (nicht Lagerbier) im Pfarrkeller ein-! zulegen Winters wegen, — vvm Konsistorium sv-! gleich und für weniges Sündengeld die Dispensa-zivnbulle, nämlich den Nachlaß der dreimaligenProklamazivn in die Tasche zu bekommen, — inkeiner Stadt zu wohnen, wo man zu jedem Narren(weil man selber einer ist) schicken muß, um ihmzu eröffnen, man lasse sich kopulieren, sondern in
einem winzigen Dörfchen, wo man niemand etwaszu berichten hat', als dem Schulmeister, damit erspäter laute, und einen Kniepolster aus Altarge-länder breite.-
O wenn der Ritter Michaelis behauptet hat,das Paradies wäre klein gewesen, damit sich dieMenschen nicht auseinander verliefen : so ist ja einDorf und seine Freude klein und eng, damit dochein elwaniger Nachriß von Eden noch auf unsererKugel stehe.-
Ich habe es nicht einmal angeführet, daß Tagsvor der Hochzeit der Negimentquartiermeisier»»gerufen kam und das Schwein abstach, undgratis Würste machte, wie man noch an keinemHofe aß.
Und doch, lieber Fixlein, schwamm auf diesemlindernden fetten Freudenöl oben auf noch umsonsteine Frühlingsvnne — und Abendröthen —und Blumenketten — und eine halbe berstendeKnosxen-Welr!. . .
Wie benahmst Du Dich in diesen heißen Stru-deln der Lust?—Du bewegtest Deinen Fisch-schwanz (die Vernunft) und schriebest Dir damiteine rechtläufige Bahn durch die Wogen vor.Denn schon halb so viel würde einen andern Pfar-rer aus seiner Studierstube fortgerissen haben;aber eben was unsern so beglückte, war derGränzhügel der Mäßigkeit, auf dem er wie ein-gewurzeltverblieb und von da herab erblickte, wastausend andere verscherzen. Er war, den Schloß- !fenstern gegenüber doch im Stande, es auszuzäh- ;len, daß Amen in der Bibel hundert und dreißigmal vorkomme. Ja er stieß an sein altes gelehr-tes Laboratorium noch einen neuen chemischenOfen an: er wollte nach Nürnberg und Bairenthan die Senftischen Gebrüder schreiben, und ihnenseine Feder antragen, sowohl für die Kalender-Praktika hinten, als für einzele Aufsähe vorne» ^unter jedes Monatkupfer, weil er in die Denk- ^weise des gemeinen Mannes reformierend einzu-greifen willens war. . . . Und da er jetzt alsPfarrer weniger zu thun hatte, und an den heil.Ruhetag der Gemeinde lechs literarische Schö-pfungtage schließen konnte: so wollt' er (schon indiesen Faschingwvchen) in die noch ganz brach lie-gende Landesgeschichte von Hukelum seinen Pflugeinsetzen und mit der Säemaschine nachkom-men.
So rollen seine Minuten auf lauter Glückr kernüber die zwölfTage, die der blinkende, mit kleinenGlücksternen (statt Glücksonnen) musivisch aus-gelegte Himmelweg zum dritten Himmel des drei-zehnten sind, d. h. zum
Neunten Zettelkasten,
oder zur Hochzeit.
Geh' auf, schöner Himmelfahrt, und Hochzeittag,und erfreue auch Leser! Schmücke Dich mit demreinsten Juwel, mit der, Braul, deren Seele so