Band 
I.
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Qu intus Fix lein

kann weder seine Freuden noch Leiten errathe»;noch weniger kann er sie wiederholen im Leben,oder Schreiben.

Die schwarze Stunde des Kaffees hat Gold imMunde für uns und Honig: hier i» der Morgen-kühle sind wir alle beisammen, wir halten xvpu-läre Gesvräche, damit die Pfarrerin und die Kunst-gärtnerin sich darein mischen können. Der Früh-gottesdienst in der Kirche, worin oft das ganze Volk*sitzt und singt, wirft uns auseinander. Ich mar-schiere unter dem Glockengeläute mit meinem Sta-chel-Schreibzeug in den singenden Schloßgartenund sehe mich in der frischen Akazienlaube an denbethaueten zweibeinigen Tisch. Fixleins Zettel-kasten hab' ich schon in der Tasche bei mir und ichdarf nur nachschauen und aus seinen nehmen,was in meine taugt. Sonderbar! so leicht ver-giftet der Mensch eine Sache über ihre Beschrei-bung: ich dachte setzt wahrlich nicht ein wenigdaran, daß ich sa eben auf dem. zweibeinigenLanbentische, von dem ich rede, setzt alles diesesschreibe.

Mein Gevatter arbeitet unterdessen auch für dieWelt. Seine Studiersiube ist die Sakristei, undder Preßbengel ist die Kanzel, die er braucht, umdie ganze Welt anzupredigen: denn ein Autor istder Stadtpfarrer des Universums. Ein Mensch,der ein Buch macht, hängt sich schwerlich; dahersollten alle reiche Lords-Sohne für die Presse ar-beiten : denn man hat doch, wenn man zu früh imBette erwacht, einen Plan, ein Ziel und alsoeine Ursache vor sich, warum man daraus steigensoll. Am besten fähret dabei ein Autor, der mehrsammelt als erfindet —weil das letztere mit einemängstlichen Feuer daS Herz kalzinieret; — ich lobeden Antiquar, Hcraldiker, Nvtenmacker, Samm-ler, ich preise den Titelbarsch (ein Fisch, Na-mens pvi-ea rliiistvalirms, wegen seiner Buchsta-ben auf den Schuppen) und 'den Buchdrucker,(ein Speckkäfer, Namens soarabasusxlliis, der in die Rinde der Kienbäume Leiternwühlt), — beide brauchen keinen größer» oderschönern Schauplatz der Welt als den aus demLumpenpapier, und keinen andern Legestachel alseinen spitzigen Kiel, um damit ihre vier und zwan-zig Lettern-Eier zu legen. — In Rücksicht desräsonnierenden Katalogs, den der Gevatter vondeutschen Druckfehlern machen will, sagt' ich ihmeinige male : --er wäre gut und gründe sich auf dieRegel, nach der man ausgezählet hat, daß z. B.zu einem Zentner Cicero Fraktur vierhundert undfünfzig Punkte, dreihundert Schließquadrätchen rc.nöthig sind; aber er sollte doch in politischenSchriften und in Dedikazionen nachrechnen, ob füreinen Zentner Cicero Fraktur nicht fünfzig Aus-rufnngzeichen viel zu wenig wären, so wie sechs-tausend SMtin in philosophuchen Werken und inRomanen."

An manchen Tagen schrieb er nichts; sondernsteckte sich in den Schlauch und Rauchfang seinesPriesierrocks, und ließ im Ornate drüben beimSchulmeister die wenigen Abc-Schützen, dienicht wie anders Schützen des Frühlings wegen

> * Denn fünfzehn Personen machen nach den Znristen

schon eines.

auf Urlaub waren, in der Fibel exerzieren. Erthat nie mehr als seine Pflicht, aber auch nie we-niger. Es überlief sein Herz mit einer gelindenWärme, daß er, der sonst unter einem Scholarchatsich duckte, jetzt selber eines war.

Um zehn Uhr begegnen wir uns aus unsernverschiedenen Museen und besichtigen daS Dorf,und besonders die biographischen Meublen undheil. Oerter, die ich gerate kiesen Morgen untermeiner Feder oder meinem Storchschnabel gehabt,weil ich sie mit mehr Interesse nach meiner Be-schreibung betrachte als vor ihr. —

Dann wird gespeiset. —

Nach dem Tischgebet, das zu lang ist, tragenwir beide die Charitativsubsidien oder Kammer-zieler und milden Spenden, womit die Einge-pfarrken dem Religion- und Tilgungfvnd des Got-teskasteus beispringen wollen zum Kauf des neue»Thurmglobus, in koppelte Handelbücher ein: daseine davon wird mit dem Namen der Kvllatorenoder — hat einer auch für seine Kinder dotiert— mit der letzten: ihrem in eine bleierne Kapseleingesarget, und in den Thurmknopf aufgebahrt;das andere bleibt unten- bei der Registratur. Esist nicht zu beschreiben, welche Lieferungen dieEhrbegierde, in den Knopf hinaufzukommen,macht—ich betheure, Bauern, die schon gut gege-ben hatten, stenerten noch einmal, wenn sie taufenließen: der Junge sollte auch in den Knopf.

Nach dieser Buchhaltung stach der Gevatter inKupfer. Er war so glücklich gewesen, herauszu-bringen, daß aus einem Zuge, der einem umge-kehrten lateinische» 8 gleichsieht, alle Anfangbuch-staben der Kanzleischrift so schon und so verschlun-gen als sie in Lehr - und Adelbriefen stehen, her-auSzuspinnen sind. »Bis Sie sechzig zählen, sagt'er zu mir, hab' ich aus meinem Stammzuge ei-nen Buchstaben gemacht." Ich kehrte eS blos um,und zählte so lange sechzig, bis er ihn hin hatte.Diese Sckönheitlinie. in alle Buchstaben verzogen,will er durch Kupferplatten, die er selber sticht,für die Kanzleien gemeiner machen, und ich darfdem russischen, dem preußische» Hofe und auch ei-nigen kleinern in seinem Namen Hoffnung zu denersten Abdrücken machen; für expedierende Sekre-täre sind unentbehrlich.

Nun wird eS Abend und es ist Zeit, vom ge-lehrten Baum des Erkenntnisses, auf dem wirbeide mit Obsibrechern halsbrechend herumgäbet»,wieder hinabzurutschen in die Feld-Blumen undGräsereien der ländlichen Freude.—Wir wartetenaber doch, bis die ämsige Thiennette, die wir nunals eine Mutter Gottes in unser Wesen zogen,keine andere Gänge mehr hatte als die zwischenuns. — Wir schritten dann langsam — die Krankewar matt — durch die Wirthschaftgebäude d. h.durch Ställe und deren Inventariums-mäßigeSchweizerei und vor einer abscheulichen Lache vollEnten vorüber, und vor einem Milchkeller vollKarpfen, denen beide» wir, ich und die andern,wie Fürsten Brod gaben, weil wir sie am Sonn-tage nach der Taufe — zum Brode selber verspei-sen wollten.

Dann wurde der Himmel immer freundlicherund röther, die Schwalben und die Blütenbaumeimmer lauter, die Häuserschatten breiter — uns