Band 
IV.
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Dämmerungen

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blos wegen der Mysterien ihrer Orden, nicht ohneeinige Bosheit geheime Einflüsse in die Stan-ken zugeschrieben, jenen mehr böse, diesen mehrgute. Aber die jetzige Zeit voll Treiben undSturm ist ihre beste Vertheidigung; sie habendarin nichts gethan.

L. Hof - oder Thrvnstaat und dann Kriegstandsind die beiden Wendezirkel glänzender Zirkel.Haben beide ihren Glanz, den guter Firniß gibt:so ist das verdeckte zurückgestellte Hintervolk fastnichts. Aehnliches erscheint an Gartenstühlen;die schaubaren Vorderbeine beschirmt man durchFirniß vor Fäulniß; da man aber die Hinterbeinenackt läßt so bricht der gleißende Edenstuhl rück-wärts um.

lU. Das Schicksal geht mit Völkern, wie Heliogabalus mit seinen Köchen um; brachte einer ihn,eine schlecht erfundene Brühe: so nöthigte er ihn,so lange davon zu leben, bis er aus eine besseregefallen war.

di. Wenn die sentimentalen Franzosen oftWorte ohne Thaten haben : so haben die kriegen-den zwei Thaten ohne die beiden Zeitworte dazu:Stehen und Reiten, Infanterie und Ka-vallerie.

O. Erziehung und Unterricht treiben aus unsschöne Keime, als sollten wir zu Griechen erwach-sen; später nimmt uns statt des Gärtners derBraumeister, der Staat, in Empfang. So laßtman die Gerste erst lebendig keimen, eh' man sieauf dem Darrofen zu gutem Malze abtödtet.Unsere Staatgebände sind fast ganz Mörtel, denhohen Schlußstein etwa ausgenommen ; die Altenlegten die Quader fest ohne Mörtel aufeinan-der z aber deren Reste blieben fast unverwüst-lich.

V

Vorschlag einer Oberexaminazion-Kommission der Genies.

Fichtens Vorschlag, in einer Nvrmalschule dieBaumschule eines neuen Deutschlands z» pflan-zen, könnte den ungeheuern Schwierigkeiten, in ei-nem alten Staat einen neuen zu isolieren und zuorganisieren und die ganze Vvlkjugend sechzehnJahre lang aus dem ganzen Lande auszuscheiden,bis zu einem gewissen Grade dadurch ausweichen,daß man statt der fvrtzuerziehenden Dolkmengeblos die wenigen erzöge, welche diese forterziehen.Die Vvlktapferkeit der neuesten Kriege führt

uns die Beweise, Laß nicht die Menge, sonderndie Auswahl, nicht die Regierten, sondern die Re-gierenden sündigen. Keine Vvlkmenge wurde,wie ich schon anderwärts behauptet, durch sich selbergroß oder frei oder weise, sondern stets durchgroße freie, weise Chorführer. Stellet die Sonnehin, so gehen die Planeten von selber.

Daher kann man zu Fichte und Brandes sagen:stellt doch euere Trauergesänge über deutschenZeitgeist ein, als wären wir blos der Kraftdes ausländischen erlegen, der doch gewiß nichtbesser ist. Hätte sich nur ein gewisser einzigerMann mehr an unsere Spitze als gegen diese ge-stellt: so ständet ihr auf einmal aus AnklägernDeutschlands in Lobredner umgewandelt da. Ue-berhaupt den Zeitgeist anlangend, so sprechen ihnnicht Schlachtsiege — diese Kinder der Stunde,Liese neuer» Geschöpfe, weniger der Herzens- alsBerechnungkraft — sondern nur die Art undWeise aus, wie Kampf geführt, Niederlage ertra-gen, und Sieg genossen wird.

Und wie haben Leim die Deutschen auf ihrenlangen Schlachtfeldern gevlutet? Nicht wieMissethäter, sondern wie die Franzosen, mitRuhm.

Nicht also die tausend Räder, nur die Spiral-feder, welche treibt, härtet in patriotischen Vor-schulen eines neuen Deutschlands recht stark, dieStaatdiener und Herrscher, die Heerführer u. s. w.O wenn Muth mit Redlichkeit so enge zusammen-hängen; und wen» jedes Volk die Deutschen bisrro. I80Y die Redlichen nannte: was wäre nichtvon uns und für uns zu thun durch eine Bil-dungschule edler Deutschen, welche weiter in dieBreite und Tiefe fortbilden ? —

Dies-führt auf den Punkt der Ueberschrift.

Das Völkerunglück, sagte man bisher, ist derWecker (ein sehr theurer) des Genies; aber dieseWecker sollten ja lieber vorher vom Staate ge-stellt und geweckt sein, um jenes zu verhüten,nicht zu vergüten. Warum will er das, was stär-kende Nahrung sein könnte, nur erst als herstel-lende Arznei gebrauchen, und mit Wein, statt zubegeistern, nur ausheilen? Den benannten theu-ern Geniuswecker (aus Kanonen, Jammergeschrei,Sterberöcheln u. s. w.) sollte man an keinerStaats-Uhr anbringen.

Wenn oft ein genialer Mann ein gegenwärti-ges Volk und Jahrhundert aufwiegt, und dadurchein zweites nachläßt; wenn ein Kant eine leh-rende Schülermasse belehrt, und überwiegr; wenndann alles Kroße nur von Einem Großen aus-geht und alle Erden-Frühlinge nur von EinerSonne: so sollte man doch, scheint es, solche Son-nen mehr anzubeten und zu berechnen su-chen.

Ein Schatz ist da, der jede Zeit rettet und rei-nigt ; es ist der, den die Natur durch Mütterschickt. Ein Alter (*) sprichr lange und witzigdarüber, daß und warum mehre Genies im-mer auf einmal erscheinen, indeß darauf Jahr-hunderte seicht verfließen und nichts zuführen, we-der Goldkörner noch Silberflotten. Aber da hiernicht der bloße Zufall so sehr bereichern kann— denn

C) Vellchus katerculrs.