Band 
IV.
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Dämmerungen.

die Nachahmung des großen englischen Fabrikwe-senS aufwendeten — was jetzt freilich währendder Kontinenlsperre an und für sich am leichtestengelänge — und wenn sie geradezu jeder englischenLupuSwaare ihre» Hof verböten. Die kriegfüh-renden Höfe in ihren englischen Kleidern gleiche»einer scharfsinnigen Versammlung von Philoso-phen und Aszeten, welche gegen Leiber-, Gaumen-,Augen- und Fleischss-Lust eines der vergnügtestenDisvutatvrien, ja Konzilien halten, und kaumauseinander wollen, da sie sich mit ihren Kindern,Weibern und Mägen so gut bei der Tafel unter-hielten. OieS mag andern als dem Verfasser dieerste Jeremiade des Aufsatzes scheinen. DieDeutschen und Franzosen machen es mit denbrittischen Waaren wie die Aegyvter mit denKatzen; die allen wurden von ihnen angebetetund erhalten, aber ihr Fortpflanzen verhindert unddie Jungen ersäuft. Alles beweiset, wie beideVölker das Gute auch am Feinde nicht verkennen,sonder» es vielmehr anziehen, umwickeln, umbin-den oder aufsetzen. Ja die englischen Waarenwaren ehrenhaft — wie der verbotne Baum m i t-te » im Paradiese (i. Mos. lll. 3.) — so mitte»in europäischen Märkte» zu haben, und gewan-neu den Vorzug, sogar von, Verkäufer zweimalgekauft, wie oft vollends vom Einkäufer verkauftzu werden! So wurden sie nicht, wie sonst armeJuden in Spanien, zum Feuer verdammt, sondern,wie reiche, daselbst geadelt und zu hohen Steilenbefördert(*).

England thut uns mehr durch den verkauftenFabrik- oder Eitelkeit-Lupus Eintrag, als durchden des Kolonial- oder Genuß-Lupus; dennjenem entsagen die Menschen am schwersten, undeine Frau entbehrt leichter ihren Kaffee als ihre»Shawl, und sogar der Mann, z. B. der Ofsizier,deckt mit Gold und Tuch gern die Leibes - Leerezu.

Unter meine Evangelien der Zukunft ge-hört eS, daß die Fürsten künftig zur Stelle derbisher tafel- und hoffähigen englischen Waarennur inländische, und zwar nur die theuerstenzum Gala-Lupus erheben werden, weil man miteiner theuern so viel Schimmer wirft, als miteiner ausländischen. Wenn oft Fürsten verderb-liche Mvdetrackten durch Missethäter strafend anden Pranger stellte» : so werden sie künftig nütz-liche durch Hofleute lohnend auf die Tbronstufenbringen.

Nach der Leidenwoche des Kriegs — in derjeder Fürst sich und andere am besten bekehre»kann — wird mit der Osterwoche des Friedensdie sogenannte Osterspaßpredigt anbrechen. Kommtdie Taube (fast in Adlergestalt 1 mit dem Oel-blatte über das sündflutliche Deutschland geflogen:was deckt es an sich »ach dem Versiechen auf?In jedem Falle alteS Grün (denn woher hätt'es sonst die Adler-Taube genommen ? ) überhaupt

(*) I» Frau d'Aunoi Reisebefchreibung durch Spa-nien im siebzehnten Jahrhundert (eine der besten, da sienicht, wie Fischer, das Aeußere, sondern das Innere undVornehme darstellt), steht es, daß in derselben Woche,als man zwanzig arme Juden unerbittlich verbrannte,reiche am Hofe als Marquis, San-Jago-Rittcr, königlichePächter waren, freilich gegen Geld.

eine lustige Zeit. Der Nachlaß der An- undUeberspannnng beim Nachlasse der Noth — derReiz und Rausch eines wohlfeilen ungestör-ten Lebens — der Wunsch, sich am Nachholenentbehrter Genüsse zu erholen — das kräftigeNebeneinanderströmeu des Handels und der Po-litik — das erste Zusammenrücken kauflustigerund verkauflustiger Völker — die Zunahme derbisher aufgeschobenen Ehen, ja der aufgeschobe-nen Taufen — alles dieses wird viel vondem Leben nach dem zehnten Jahrhundert, wodie große Pest ablserte, und von dem nach demdreißigjährigen Kriege, welcher noch mehres alsLeben wegriß, wiederbringe» und erneuern, näm-lich ein schwelgendes. Aber sowohl im elften alssiebzehnten Jahrhundert war der nachkommendeLupus nicht blos die Folge von Reichwerdendurch Erbschaft, sonder» auch eine von Aufhebungder Furcht. Nach einer weggenommenen Furchthat jeder eine» besondern Hang, sich Lurch Wohl-leben zn erfrischen. Daher geht der gemeineMann nach dem besiegten Unfälle ins Wirthshausund der vornehme in die Ressource.

Nie vermag — wie Oestreich, Preußen u. s. w.zeigen — ein Fürst über sein Volk mehr, als nachLandes-Unglück und Landes-Schmälerung; dennman ist lieber Engeln gehorsam, als Schergen ; undnach dem Krieggewitter steht jeder Landesherr immerals Schutzengel unter Leu, Regenbogen deS Frie-dens. WaS werden also nicht unsere Fürstenvermögen? Zumal wenn sie ihre Kräfte nur nachinnen, nicht nach außen kehren, und keine Feindebekämpfen als die, welcher jeder römische Zensorbesiegt, und überhaupt das Fremde den Fremdenüberlasse»; denn derselbe Brennspiegel, der michFürsten vergrößert darstellt, kann mich aucheingeäschert nachlassen.

Evangelium: Die jetzige Einbürgerung derden Globus umgreifenden Juden und Kuh-Pockenverheißt der Zukunft unberechneten Reichthum anGeldern und Menschen. In sofern die Judenreine Staatfreie werden, höret ein Theil desStaates auf, ihr Beutel-Leibeigener zu sein, undwir verändern uns mit ihnen zugleich. Aufhebun-gen tausendjähriger Verhältnisse können ihregrößte Wirkung wieder nur in großen Zeiträumenoffenbaren; nur seht der mitten unter den Grö-ßen der Umwälzungen stehende geblendete Menschzu oft die Folgen in seine Nähe, wie man ( nachGoethe) von Gebirgen umrungen, alle Gegen-stände für näher hält. — Noch weniger auszurech-nen ist die Einwirkung der durch Jenner soschnell anwachsende» Menschen-Flut, welcher ebenso gut ein Eisgang als ein Nil werde,; kann;denn der niedrige Damm, den gutmüthige Kriegerentgegenstellen durch tödtende Balterieen, hält we-nig auf, da ja schon mitten unter ordentlichen, nochvon keinen Einimpfungen entkräfteten Blattergif-ten die davon unterstützten Kriege so wenig ver-mochten, die Menschen auszurotten, sondern sieeher vermehrten, wie Konskribierte und Findel-häuser genugsam bezeugen. Die Menschen kön-nen sich künftig nach Malthus (*) ordentlich nicht

Nacb ihm verdoppelt die Votkmcngc sich in rSJahren (nach Euter gar in tr ll/s). Da nun die Men-