Band 
IV.
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Leben Fibels.

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gelte. Den wenigen mütterlichen Schlügen liefgewöhnlich eine lange Vorerinnerung und Krieg-befestigung voraus und er ihnen indessen davon,hingegen der Vogler hatte die Gewohnheit, daßer als lange Windstille dastand und als Blau-Himmel; und daß daraus die Vaterfaust unver-sehens wie ein Welterstral auf die Achselknoche»fuhr.

An diesem h. Abende war Helf ein verklärterZunge, Engeltrut eine verklärte überirdischeSchwangere! Welches Fortgenießen! Mittagswurde gar nicht gegessen vor Back-Lust. Schonum drei Uhr war —der Geschichte zufolge — allesScheuern abgethan und die Fest-Kuchen damvftenausgebacken durchs Haus. Helf konnte sich vorseinen eigenen Leuchter hinsetzen und fünf neuewillkürliche Alphabete erfinden, womit er vieleszur Probe aufsetzte, was niemand lesen konnte,auch er nicht ohne Einsehen ins Alphabet. Abendssoupierte er selig, denn es schmeckte der Mutter;dieser aber schmeckte es, weil eS ihm schmeckte.Eucharistische oder sakramenlalische Streitigkeitenmit ihrem Manne fiesen weg, denn sie brauchteweder das Mahl anzupreisen, wär' es versalzenund verkohlt gewesen, noch es herabzusetzen, wennnichts daran gefehlt hätte.

Kinder lieben, wie Pariser, langes Aufbleibe»;die Mutter erlaubte jenes, und in diesen stillenGoldstunden schrieb er fast in allen seinen Alpha-beten etwas Unbedeutendes — die Mutter genoßihren fitzenden Vvrschlummer aus, obwohl einGift deS Nachtschlafs — aus der Pfarrei funkeltedas goldns Feuerwerk des Christbaums herüber(der Bauernstand bescheerts sich erst am Morgen)

— jeder Stern schien licht und nah, und der hoheHimmel war an das fFensier herabgcrückt —Gvtthelf kratzte mit der .^eder sehr leise, um dieMutter nicht zu wecken — endlich legte er, mattvon gelehrten Arbeiten, selber den Kopf auf denTisch. Dann erwachte und erweckte die Mutter

— erinnerte an Chrisikindchen und Schlafengehen

— und befahl ihm, in dieser heiligen Nacht mitihr nieder zu knieen, und Gott um alles zu bitten,besonders, daß er einmal kein Vogler werde, son-dern ein Rektor magnifikus wie ihr Großvaterund sein Herr Pathe. Er thats gern. Eben soersuchte Lavater Gott, ihm das Pensum zu korri-gieren und Lichtenberg desfalls, ihm seine gelehr-ten Fragen auf Zettelchen zu beantworten.Recht hat hierüber jeder Beter; vor dem Unendli-chen ist eine Bitte um eine Welt und die um einStückchen Brod in nichts verschieden als i» derEitelkeit der Beter, und er zählt entweder Son-nen und Haare oder beide nicht.

Nach dem Gebete ließ sie ihn in ihres MannesBette steigen, blos um es am Morgen wieder zubetten; eine Freude, um die sie der alte selberbettende Siegwart täglich brachte, der ungernWeibern mehr verdankte als seine Geburt undKinder. »Wie wird unser Vater jetzt liegen.Heischen (sagte sie)? Und schließ' ihn mit in deinAbendgebet ei»--; worauf sie den Sohn einseg-nete und seine Hände selber für die ganze Nachtfaltete, gegen jedes Gespenst. — Engeltrut wünschtenie Siegwarts Gegenwart sehnlicher als in seinerAbwesenheit; so wenig thut der Liebe die Ferne

auch in der Ehe Abbruch, und so sehr muß derj Mann wie ein Brennspiegel erst in die Brenn-i punkt-Ferne von dem Gegenstände, den er schmel-zen will, geschoben sei».

, Am Morgen verschwand Helfen das übrige! Christgescheuk vor zwei Stücken desselben, vor' einem weiß-rothen Büchelchen von Marzipan,^ und einem lakierten Näh-Buch der Mutter; ausdiesen an sich leeren Büchern — was find aber diemeisten Bücher anders als höhere Bücherfutterale— schöpfte er mehr geistige Nahrung als ich auSso vielen vollen.

Landweiber veriaumen an ersten Feiertagenlieber die Kirche als die Küche; gleichwohl blieber nicht bei seiner Mutter daheim, sondern ver-richtete seinen vormittägigen Gottesdienst. Siemaß dies sehr seinem Geschmack an längern Pre-digten zu. Der Studiosus Pelzjaber fügt bei, er habesich in der Kirche immer so gesetzt, daß, wenn dersogenannte Heiligenmeister mit dem Klingelbeutel-Stab (dem wagrechten Opferstock, der Heller-Wünschelruthe, dem Quee mit Billard-Beutel)ankam, er dem Manne, weil der Stab nicht solang war als die ganze Kircheubank, solchen ab-nehmen und damit bei sich und andern das einsä-ckeln konnte, waS gegeben wurde. Diese kirchlicheUtttereinnehmer-Stelle, so wie die Predigl-Dis-vosizion und die Predigt-Theile, welche er derMutter unter dem Essen überlieferte, rissen ihnin die Kirche hinein.

Aber auch Nachmittags, ob man ihn gleich danur gratis erbaute, kam er gern mit dem schwar-zen Müffchen an den Händen neben seiner Mut-ter wieder und schauete beim Einteilte sehr fami-liär im ganzen Tempel herum, um zu zeigen, daßer früher da gewesen. Wenn er schon sonst ausdem umgekehrt gehaltenen Gesangbuche stark insgroße Singen hineinsang: wie viel mehr jetzt, daer das Buch richtig hielt und nothdürstig las ?Noch auffallender war die Schnelligkeit, womit er,sobald nur oben am Chors auf die schwarze Tafeldie weiße Seiten-Zahl des Sing-Lieds aufgestecktwar, der Mutter das Gesangbuch aufschlagenkonnte mit dem verlangten Liede.

Wenn er dann nach Hause kam, und die goldneStunde der Dörfer anfing, die nach der Abend-kirche, so hatte er die schönste im Dorfe, den Pfar-rer selber nicht ausgenommen. Die Häring-Pa-piere find dazu da, sie uns zu malen.

Häring - Papiere. -

Die Studien.

Helf las. Vor den Augen des Voglers hätteer keinen Viertel-Abend über Büchern von Maku-latur fitzen dürfen; jetzt konnt' er alles lesen,was er poetisches, juristisches, chemisches Gedruck-tes aus dem Gewürzladen seiner Lese-Bibliothekvorbekam, und konnte unter dem Lesen an andereSachen denken, und in die köstlichsten Nebenträume