Leben Fibel s.
sehte daher; je mehr Exemplare, desto mehr wirdauSgebatzt.— »Nun, sagte Gvtthelf, so will icheine unglaubliche Menge haben, und will das Geldgleich milnehmen.» Sogar die letzte Wendungzog den Druckerherrn noch nicht aus dem Labyrinth,bis er endlich aus diesem durch, einen neuen An-trag Fibels in ein unbändiges Lacken gerieth, wo-zu stch Gesellen und Jungen gesellten. Jetzt wurdedem Schriftsteller das Wesen der. Buchhändlerauseinandergesetzt, wobei er freilich aussahund zuhorchte, wie eine sprachunkundige Mut-ter, welche ihres Sohnes wegen mitten in denlateinischen Reden einer Gyninastum-Feierlichkeitsitzt.
So trug er den» seinen Verlag-Artikel,zum Ver-leger der Stadt und wollt' ihn losschlagen fürGeld. Aber der Mann schlug den Artikel aus;und es ist wahre Schonung, daß ich den Nameneines Buchhändlers verschweige, der ein Werk fah-ren ließ, wovon nachher so viele Tausend Buch-binder in Sachsen und Franken sich bekleideten undbeköstigten. Noch schwerer wird mir das Verschwei-gen, wenn ickgveiter erzähle, daß er fast hämisch demjungen Schriftsteller zu Selbstverlag undSelbstdruckrieth, und ihm den Kauf einer kleine» Handbuch-druckerei, die er ihm vorzeigte, antrug; mit diesenLettern, setzt' er hinzu, getrau' er sich Werke vonjedwedem Fache, sogar die allerexzellentesten zu dru-cken.-- Helf schlug ein, und fleht' ihn blos um Got-teswillen halb kniefällig an, ihm die Buchdruckereinur so lange aufzuheben, bis er seine Erbschaft ge-wonnen, bis in den tiefen November. Es würd'ihm zugesagt.
Er ging so froh nach Hause, als hätt' er in derTasche eine der besten Taschendrnckereien mitzu-bringen ; indeß glaubte die Mutter seinen Hoff-nungen mitten in der Noth schon darum, weil erihr niemals widersprach. So lebte» nun beide sichin den November hinein. Wenn man blos daranzu denken gewohnt ist, wie viel Große brauchen,um ihr schales Leben einigermaßen abzusüßen —Lumxenzucker, halbe Baffern,- Großmelis, Klein-melis, Fein-fein, Raffinade, Kandis, Rosenzuckerund Bleizucker: — so erstaunt man freilich, wieunser Paar mit dem matten Zuckerwaffer auskam,welchem es täglich so viel Wasser nachgoß, Laß dasGesöff wie gutes Wasser nach nichts schmeckte. Esfinden sich Belege in beider Geschichte, daß sie ein-mal Abends nichts als einen einzigen Kartoffel ver-speisten, aber einen so ungeheuer» und diesen sofreudig und satt, daß ihnen dazu nichts zu wün-schen übrig blieb als ein Gast. Aber was machtejede Entbehrung so leicht? — DaS Wandschränk-chen.
Mit Freuden darbt, hungert, dürstet jeder vorder Thür einer Silberkammer, wenn er weiß, sietl-ut stch ihm auf, nach wenigen Tagen. — Und —wenn wir die thierdumme Furcht wegwerken —fitzt nicht jeder von uns an der Thür einer solchenKammer?
Fibel gehörte überhaupt unter die wenigen Men-schen die sich von den vielen unterscheiden, welchedem Hunde ähnlichen; man streiche diesem irgendetwas ihm Abscheuliches auf Nase und Schnauze,so leckt er gleichwohl an demselben, wie sonst amWohlschmeckenden so lange bis ers hinein und
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rein aufgenossen hat; gleichermaßen wiederkäuendie meisten Menschen lieber das aufgelegte Widrigeals Süße, und saugen es stückweise in sich, bis sieendlich unter lauter Fluchen über den bittern Nach-geschmack ihn erschöpfen. Aber der leichtsinnigeFibel hielt nur den Hvniggeschmack im Munde fest,und ließ das Uebrige aus dem Magen gehen, wo-hin es konnte. Möchte loch jeder ein Register,eine !Spieltabelle über Hoffnungen und Befürchtungen lhalten, und Ende Jahrs nachlesen, wie unendlichviele — Befürchtungen gar nicht eingetroffen sind-'Aber der Mensch vergißt leichter altes Fürchten, sals altes Hoffen, denn er setzt eben nicht dasDrohen, sondern das Versprechen der Zukunft,d. h. des Weltgeistes vorausSogar FibelS Mutter, welche kein Ehe-Kriegmehr überzog, ängstigte sich nicht darüber, daß derMagen des Sohnes' mit den Jahren größer wur- ^de; indeß andere Mütter schwache Freude über dieMenge und Thätigkeit der kindlichen Zähne be- 'zeigen, so großes Vergnügen ihnen auch früherdas erste Erscheinen jedes einzelnen Zahnes ge- ^macht — Und dafür, alte Mutter Engeltrut, da-für, daß du deinem Sohne das schreibende und ^hoffende Leben nicht durch unnützes Zage» verküm- iwertest, sei dir noch auf deinem Grabhügel Dank ^gebracht ! ^
Allerdings lagen um Fibels Haus noch ganz an- ^dere Paradiesgärtlein. Es wird hier nicht sowohl !die Mutter-Post gemeint — die wöchentlich per- isönlich mit jedem neuen Reim und Thier aus der !Eierschale gebrütet, zur Wildmeisterin abging, und !ihr einmal gar das Jägerhorn und den Reim mit- !brachte: Das Jägerhorn macht Lust und Freud' !— als der Tubus und Berg. Vielen ist aus einem !früher» Kapitel dieses Werks der Waldberg be- !kannt, von dessen Abendseite man gerade in die jFenster des Jägerhauses schauen konnte. Vom iPfarrer bekam er gern ein altes Fernrohr ge- !liehen, weil er, sagte der Pfarrer, »das Wort !Teleskop aussprechen konnte, was bei uns der sSchulmeister selber nicht vermag, geschweige derBauer.» Diese Himmelleiter holte er sich nun angrimmigen pfeifenden Wintertagen und setzte sieans Auge, wenn die Abendsonne den Berg mitGlanzrvth überlegte. Da hing der ferne kalt-windige Gipfel dicht an seiner Nase vor dem Fen-ster, nnd er, mit dem ganzen Leibe im warmenStuben-Bade, lagerte sich bequem auf den fernenSchnee hin, und konnte nun die wärmsten BlickeaufS grüne Jäger-Haus herab werfen, worin erbald Droita allein antraf, bald seine Mutter dazu,welches letztere leicht voraus zn wissen war.
Verschieden von diesen Winterlustbarkeiten sinddie Sommerbelustigungen des optischen Aeplers,wenn er Abends ganz spät sein langes ziehbaresSchnecken-Fühlhorn in der Hand und am Auge —den sonncnrvthen Berg mitten ins Dorf mit sei-nem optischen Zauberstabe versetzte, und wenn erbann auf diesem Verklärung-Tabor sich niederließ,auf das von ihm selber früher zu einer Bank zu-sammengetragene Steinhäufchen, und er keck her-unter thronte, und fort schattete — wen» daraufdie Sonne den Berg wie einen heitern Greis mitihren letzten Rosen überkränzte, und endlich ihnstehen ließ und unterging, statt ihrer aber die