Band 
IV.
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Leben Fibels.

269

Flegler verfügte sich in die Stube an den Pro-tokolltisch , gebot aber sogleich in die Kammerhinein, den Topf neben das gerichtliche Protokollhinzustellen. Die halb erstarrte Mutter war nichtvermögend ihre erfrorne» Hände zu rühren, derSludent aber ergriff den Topf und ließ — weildiejer zu schwer war, oder sein Herz — ihn ausden Schreibfingern gleiten, und die Blumenscherbezersprang in hundert Scherben.

Indeß kam aus der Erde — und woraus dennüberhaupt sonst ? — Gold heraus; an 3oc> Sou-veräns (halbe) hatte der Müuzmeister Gvtthelfdurch einen leichten Handgriff ausgeprägt. DieKammer (nämlich die vier Fakultäten darin)schrie vor Lust, über den Aufgaug des golduenSternen-Gewimmels: »die Erbschaft ist da, dieErbschaft ist da!» Der im Niederschreiben unter-brochene Flegler fuhr in die Kammer und that imersten zornigen Schrecke» die zornige Frage: wervon euch da hat das Gold eingeschwärzt? — Manreifer jetzt durch wenige Länder, welche eine solcheFrage nicht gerne hätten, oder einen gvldeinschwär-zendeu Taschenspieler. Der Schulmeister half sichsogleich aus dem Dummsein dadurch, daß er be-stimmt erklärte, nicht das geringste Goldstückdürfe der Erbschaft-Maffa unterschlagen werden,weil er diese zu Protokoll zu nehmen habe; frei-lich da niemand ihre Größe kannte, war jedesichtbare die ganze. Es gibt eben so oft einentlirrvoliis ex ».ueliinu els einen clous ex inuolri-! na; Flegler wäre gern jener aufFiebels Lebens-! theater gewesen; so aber arbeitete er unter dem! Golds verdrüßlich fort, wie ein Goldarbeirer in! seiner Werkstatt, über welchen eben ein die Metalle' suchendes Gewitter zieht.

! Er gehe—

s Aber ich wünschte, auch andere und andersl theilnehmende Heiligenguter überließen Frau und! Sohn ihrer gegenseitigen Seligsprechung und ih-i rem Weinen vor Lust und Dank. Eugeltrutl wurde an diesem Tage zum zweitenmal? Sieg-! warts Braut und Preis-Gattin, und ihr Lebens-theater drehte sich wie ein römisches Amphitheaterauf Angeln um, und sie wurde aus der Zukunftzugekehrt der Vergangenheit. Helf aber saß, sei-nes Orts tief bis über die Ohren und Augen inlauter Zukunft; er sah nur Abc und die Braut.Erst später als ihre Glückwünscher und Glückver-wünscher über Schwelle und Dächlein hinaus wa-ren, fiel der Mutter der Geburttag Gotthelfs, fastwie etwas Neues wieder ein, und sie sagte, ermüsse nun mit ihr Hinknieen und Gott für allesdanken. Er that es mit Freuden, und knieeteneben sie hin, und sagte Gott Dank, doch abermehr dafür, daß er Erbe, als daß er Mensch ge-worden, indeß die Mutter mehr an sein Gebührenals an sein Erben dachte.

Jetzt war es nun Zeit für die Mutter, sich auf-zumachen, und die Sache der Welt zu berichten.Großen Schmerz steckt man leichter ins tiefe Herzzurück, als große Freude — obgleich die Aeuffer»,die Menschen, an jenem den größten Antheil neh-me» ; — aber man plaudert aus hundert Grün-den : z. B. weil man doch mehr die Theilnahmevoraussetzt, und wieder nack ihrer Entbehrungweniger fragt — weil man in der Freiheit

der Freude losgebunden alles liebt — weil sogarein fremdes kaltes Ohr und Herz, die Glut dereigenen Entzückung nicht löscht — weil zwar Ue-bsrschmerz das Herz langsam zerläßt aber Ueber-freude es gewaltsam zersprengt, auch schon weilman sich unbesorgter den reißende» Paradies-fliiffeu der Entwürfe als den zurückgehendenHöllen-Strömen der Fehlschlagnngen übergibt,und weil man daher bei großen Zreuden-Stürmenzuerst dem Herzen Luft zu machen hat durch dieLungen, d. h. durch Sprechen — und endlich, weilEngeltrut zuvörderst zur Wildmeisteri» ging.

Gvtthelf hingegen ließ seine Freude am Schreib-papier aus, und feilte aus den Reimen das Dümm-ste lustig weg. Den» nun rückte ja'Lie Zeit—dieGvldscheiben lagen als Räder zum literarischenSiegwägelchen schon da, und brauchten nur einge-bohrt und angeschraubt zu werden — immer nä-her mit dem Wägelchen an, wo er sich aufsehen undauf ihm hinausfahren konnte i» die Welt und Un-sterblichkeit. Er hakte die Taschendruckerei schonso gut als in der Tasche; durch das güldne Abcdes Testaments war das bleierne des Buchs zukaufen und zu setzen. So sehr istjsogar der größteSchriftsteller, gleichsam wie jetzt Europa, zu denMetallen vermlheilt, wie ein Römer-Knecht, die-ser Silberdieuer und Goldsohn der metallischenVerhältnisse, obwohl in einem ander» Sinn alsder Silberdiener einer fürstliche» Silberkammeroder der Goldsohn einer mütterlichen Herzkammer.Und so schrieb denn Fibel frohsam weiter, und gebarselig Reime, welche die Well kennt, aber nie ken-nen würde ohne den Druck.

Er siebte und filtrierte fürchterlich an seinenAbc-Gedichten, aber ohne viel Glück; denn imHaarsieb und Filtrum oder Philtrum saß im-mer die Wildmeisteri«, und verstopfte die kriti-sche» Löcher. Zuletzt ging er, da er müde war,spazieren, fast bis an Drotta's Gehege, um seineMutter und von ihr die Nachricht früher zu haben,was das Wandschränkchen für Wirkung im Waldegethan. Er selber halte unmöglich der ersteReichthum-Bote bei der Geliebten sei» können,um ihr Ja oder Nein fest heraus zu fodern —entweder sie roth, oder sich blaß zu machen, diesüberstieg die Kräfte seines Herzens.

Die Mutter überbrachte mit mehr Freude alsick Ursache dazu finde, (denn ich höre noch nichtsBestimmtes von Einwilligung des Vaters,) dieNachricht, daß der alte Jäger schon zu Hause ge-wesen, und in zehn kurzen Flüchen seine Entzü-ckung über den Verstand seines seligen Duzbru-ders ausgedrückt; — und daß die Wildmeisterinsogleich höchst gescheit mit ihr die Anlegung undSicherheit eines solchen Kapitals besprochen.»Mutter, rief Helf, jetzt kommt Leben ins Haus !Und ihr sollt recht in Eurer Kommodität sein.

Natürlicher Weise sprach er dann von leichtenVerlobungen, und von Taschendruckereien undAutorschaften deutlicher als je.