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Leben Fibels.
ganz anders und nahm an: -,da ein Foliant dasGrößte ist, was je geschrieben worden — wie viel-mehr dieser da, der noch größer ist!-- Als er vvll-lends dessen schönen Rückentitel las,--eompen-Nisuse Hand-Kidlivtlieque nnd repotoviumgelehrter Sachen" konnt' er da wohl als einvernünftiger Mann sich einbilden, daß der Foli-ant der Feind aller Folianten sei? — und die Un-tiefe so mancher strandenden Unsterblichkeit — derKaffazionhof der gelindesten Rezensionen — diepapinianische Maschine,und das.Gebeinhaus sowohltheologischer als philosovhischer Skelette — derJudenkirchhof der Akten-Skelette — die Schnei-derhölle von Depeschen — kurz daß der große Fo-liant und Polyphem nur eine kleine allgemeinedeutsche Bibliothek und oberdeutsche Litsraturzei-tung sei, welche blos die Gefährten des Ulyssesverzehrt? Hieße dies nicht (mußt' er annehmen)den Bock zum Gärtner der »mherstehenden Bü-cher. sogar aller seiner Abc bischer setzen?
Da endlich der Husar sah, daß Fibel die Sachenicht heraus brachte: so deckte er ihm das, waszum Verständniß des Folianten nöthig war, aufund ging, ihn seiner eignen Einsicht überlassend,davon.
Nüchtern, leicht, aber gebleicht, als hab' er un-terirdische Erscheinungen gehabt, kam Fibel insheitere Zimmer zurück, und rauchte mit frischenKräften die Pfeife gar aus,
Uebrigens spielte er den ganzen Abend den Mannvon Lebensart durch, so daß — weil er wußte,wie sehr ein Gast dem Wirthe jede Mühe abzuneh-men habe — er fleißig die Wachslichter schnäuzte.Wen» indeß Fibel Abendstunden lange den Mannvon Welt in einem solchen Grade vorstellte,daß nichts an ihm auszusetzen war, als höchstensder Dorf-Insasse, der einem ledernen Schlauchegleicht, von welchem dem feinsten geistigsten Wein,den man in Spanien darin aufbewahret, einigerLeder-Geschmack nachbleibt, wenn er sag' ich, sichso polt benahm: so übertreibe man dennoch nichtsein Lob; ihm wurde ja der Mann von Lebens-art leichter als andern, die von Fürsten etwas zusuchen haben, denn er hatte schon gefunden; fürihn war der Fürst eine Uhrfeder, die seine schöneZukunft im Gang erhielt, nicht eine Uhrfeder,womit ein Gefangener sich aus den Ketten lagt.
Als ihm zuletzt der Fürst die Einweisung-Akteauf die drei Zimmer des alten Schlosses besiegeltund unterlchrieben mitgab: so — dies ist That,fache, denn jedes Pferd war ihm eine Schnecke —rannte er zu Fuße nach Hause. Welche glücklicheJnleln und Rosenthäler er da ausgepackt, konnteman noch um drei Uhr Nachts sehen; so langeblieb das Haüs erleuchtet, überall brannten Lichter,sowohl in der Stube als in der Kammer, in jedereins. Pelz und Pompier tanzten mit einandereins Brautmenuet, und Pelz sagte, morgen sag' ernoch etwas. — Die Mutter weinte freudig überihren begrabenen Mann, weil er noch früher denMarkgrafen gesehen — und Drotta besah dasSiegel des Befehls an den Schloßverwalter. NurFibel war bei sich, freilich die einfältigste Stelleoder Person, bei welcher er in solchen Verhältnis-sen sein konnte.
21 .
Judas - Kapitel.
I Die großen Geschäfte
Wer einige Monate nach dem vorigen Kapitelsich auf die Zehen gestellt und durch die Fenster indie drei bewilligten abc-darischen Arbeit-Zimmerdes Schlosses hineingesehen hätte: würde vierMenschen in voller Arbeit gefunden haben, Fibelmit dem Farbenpinsel in der Hand, Pelz mit derFeder zum Verschreiben des Druck Papiers, Pom-pier mit der Buchbinderpreffe und vollem Buch-bindergolde — und einen vierten, uns noch garnicht vorgestellten, mit der Druckerpresse, NamensFuhrma n n.
Letzter», einen halb verhungerten und Viertelsverdursteten Buchdrucker schlug Pelz, da jetzt dieSache ins Große ging, und ganze Länder und Zei-ten aus der Raufe und dem Futtergerüste desLetternkastens zu ernähren waren, zum Haupt-Uhrgewichte des Preßbengels vor. Der bestellteFuhrmann lief aus der Stadt richtig ein undbrachte an seinem Kopfe ein getreues arbeitsamesGesicht mit, worauf geschrieben stand, Laß seinLebensbuch bisher ein langer Geschäftbrief, odersein Leben ein verlängerter Werktag gewesen; einguter Schlag Menschen, dem sogar der müßigeSonntag, besonders drei Festtage hinter einandernicht gelegen kamen. Die erste Sache, wonach erfragte, waren die Drucksachen, und er wünschte,--der Herr Buchdruckerherr (Fibel) ließ' ihn nochNachmittags über die Presse.-- —
Anfangs des Kirchenjahrs, wo die Dorfkindernicht mehr auf die Weide, sondern in die Schulegehen, um, statt zu weiden, geweidet zu werden,sollte nach ausdrücklichem markgräflichen Befehldie nöthige Anzahl neuester Abc-Bücher ausgefer-tigt daliegen, um in alle LandeS-Schulmeistereieneingewiesen zu werden.
Aber sie waren alle schon drei Sonntage früherfertig, so daß später die Exemplare bedeutendüberschössen zum Vortheil für alle ausländischeEltern, welche zu Weihnachten den Kindern Christ-kindchen-Geschenke damit zu machen verlangten.Die unparteiische Geschichte setzt nun hierin aufFuhrmann den Kranz, denn sein Nacharbeitenwar so außerordentlich, daß ihn kein Vorarbeitereinholte; er trieb den Korrespondenzer (so nannteer Pelzen) und jeden zum Zuliefern an, undfiel fast in Grobfraktur gegen Fibeln aus, wenndieser mehr fremden als eignen Vortheil be-herzigte, und Sachen und Leuten den Laufließ.
Diese drei Mitarbeiter oder die drei Leiber desRiesen Geryvn, (Fibel stellte die Seele im Niesenvor) arbeiteten in den drei Schloßzimmern, gleichsamauf einer Insel St. Trinidad; daher auch dasuntere beseelte Stockwerk im Dorfe allmählich dieFibelei hieß, wozu noch Fibelei-Leute, der Fibelei-Hund ic. ic. kamen. Verfasser erinnert sich noch