Leben Fibels.,
dessen Rügen und Hahnenkämpfen mehr als eineSitzung bestreiken konnte: so trank er gern nachdem Gottesdienst im Wirthshause sein Glas, undholte vermittelst des Widersprechung - Geistes,gleichsam wie mit einem Stechheber, aus demSchulmanne alles Sauere gegen Fibel heraus,was er in der nächsten Sitzung gufzutischen undabzusüßen hatte.
Ich glaube nicht, daß ich dem SchulmeisterAbbruch thue, wenn ich seine gelehrten AngriffsFibels in die gefällige Form einer Rezension mitAuslassung seiner Sprache, zusammen ziehe undnur so viel pöbelhafte Ausdrucks aufnehme, alssich mit einer gesitteten Rezension vertragen.
Obsickeutsslie icktsi'slurreltuuK.
IVO. ooooooi.
Pädagogik.
A. A. a b c d e f g h u. s. w. (von Herrn Gott-helf Fibel) ohne Druckort. (In Heiligengut beidem Verfasser) (Einen Oktavbogen stark.)
Es war uns vor Ekel unmöglich, den abscheu-lich langen Titel abzuschreiben. Der Verfasserdieses sein sollenden Schulbuchs (es scheint einjunger Mensch zu sein) gehe Loch ja vorher ineine Schule, aber nicht als Lehrer, sondern alsSchüler, damit er wenigstens Rechtschreibunglerne. Peil statt Beil, Trache statt Drache (daswir von ckvaoo ableiten) Düden-kirschen, stattJudenkirsche», Appfel statt Apfel, sind wahrlich zu-mal in einem Schulbuchs Schnitzer gegen denPriscian Adeluug, die wir wenigstens in unse-rem Hör- und Lehrstücke nicht einmal Abcschützen! verzeihen würden, die noch nicht schreiben kön-nen. Der Schulbakel gehört weniger i n als a u fdie Hand des Herrn Verfassers. Das Mach-werk selber (bei dem wir uns nicht aufhalten)ist aus den allerbekanntesten abgedroschensten Sa-chen zusammengeflickt, aus dem A b c und denDiphthongen (wobei der Verfasser sich ewig obenauf der Zeile jedes Blattes wiederholt (') — ausden bekannten Syllaben — aus dem Vater-Unser,Las der Plagiarius aus der Bibel wörtlich abge-schrieben, so wie die zehn Gebots, sogar das sie-bente — aus dem christlichen Glauben, der schonzu Luthers Zeiten im Katechismus gestanden.
Jetzt kommt aber der originelle Theil des Buchs,der uns eine Gemälde-Ausstellung mit einer(seiltest I) poetischen veisio interlineaeis auf-tischt. Wir wollen nun ein wenig beleuchten, wasHerr Fibel im Fache der Kunst geleistet. Waserstlich das Kolorit, so wie auch die Farbengebunganlangt, so gestehen wir gerne, daß uns das schlech-teste Stück von Vecelli Tizian (aus Friaul, gestor-ben 1576) tausendmal besser mundet, als das bestein Herrn Fibels Gallerie; denn unser großerKolorist fertigt alles mit drei Farben ab, mitGelb, Grün und Roth. In dieser dreifarbi-gen Kokarde ist besonders Roth seine Leibfarbe,es sei nun seine Schminke oder seine sonst nichtunnvthige Schamröthe, wiewohl auch Zorn
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und Trunk roth machen. Genug unserRvthgießer und Rothgerber treibt uns einen ro-then Bären, rothen Wolf und eine rothe Katzevor; auch anderem Vieh, dem Kamee!. Esel,Lamm u. s. w. legt er hinten und vorn immer et-was Roth auf. Ob nun aber durch diese türkischeGarnfärberei die Jugend wahre Begriffe von demKolorits auch nur des gemeinsten Viehs einsauge,entscheide der Leser.
Was die Zeichnung anlangt, so schiebt dieserkleine Guckkasten zwanzig Thierstücke und nurfünf Menschenstücke vor. Doch das sei; derKunstkenner hält sich nicht an Stoff, sonder» anForm, und ein guter Ochs ist Rezensenten lieberals ei» schlechter Evangelist Lukas, daneben ersteht. Aber leider müssen wir, wenn wir nichtganz unsere niederländische Schule und niederlän-dische Reise vergessen wollen, in diesem gemaltenNiehstalle die Frage auswerfen: wo ist hier einDavid Tennier (Vater und Sohn, jener i6äygestorben, dieser 167») — ein Potter — ein Stubv— ein Jacob Ruysdal (aus Harlem, gestor-ben 1681) — ? Freilich ein Lamm ist da, aberman vergleich' es mit dem Nicolaus Bergheim (ausAmsterdam, gestorben 168Z); freilich ein Gaulist da, aber man vergleich' ihn mit einem PhilippWouvermann (aus Harlem, gestorben 1666).'Und so könnten wir die ganze herrliche Maler-Reihe durchgehen, 'aber immer vergeblich fragen:ist der und der da? —
Wollte der junge Mann in der Blumenmalereietwan einen Huysum erreichen, oder gar über-treffe» (wie es bei den blnmistische» Zeilen scheint:--Das Cränzlein ziert den Hochzeitgast; Von,Rettig man den Koth schabt ab; Nach Düdenkir-schen mich gelüst--) — so soll uns jeder für eine»Verläumder und Berkenner ächter Malerei erklä-ren, wenn wir je sagen, daß dieses Usrliarium vi-vo-iuortuum ,,ur von weitem an eines unsterbli-chen Hup sums Uorburium xersnne reiche.
Noch sind, wie gesagt, fünf Menschenstückedarin, 1) Ein Mönch, gegen welchen ein Messergerichtet ist; soll Las bedeuten, daß Mönche Kö-nige erstachen, oder daß Mönche zu erstechen?2) Eine Nonne; wer aber die Mackonnn cketlaseckin von Urbiuo Rafael gesehen, (gestorben 1520)der entscheide zwischen beiden Bildern. — Dasdritte Menschenstück ist ein Jude, ja Judas mitBeutel, worunter die vsi-sio intei-linearis steht,der Jüde (Jude) schindet arme Leut. An sich magder Jude mit dem Hute, und mit der Rechten amMagen, mit der Linken im Beutel, ganz gut, undvielleicht das Beste in der ganzen Gallerie sein;aber ob gegen die Zeichnung, Stellung und diev.ersi»: --er schinde-- nicht die ganze Juden-schaft eine Injurienklage anstellen, ob nicht jetzt,wo die Christen immer jüdischer werden, geradeeine Annäherung und Gemeinschaft von Tempelund Kirche, gleichsam der Einband des alten Te-staments ins neue, mehr dadurch gehindert als be-fördert werde, muß laut gefraget werden. Auchin den Jüdenkirschen kommt wider unser Vermu-then spät der Jude wieder vor, und der Verfassergelüstet nach ihnen; was soll man davon denken?Der Verfasser ist gewiß zu rechtschaffen, um sichan Juden (zumal da er auf keiner Unversitäl
C) Siehe Anhang.