Band 
IV.
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Leben Fibels.

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zurückgelegt) nichts Anderes erwarten konnte, alswas darin eintraf, der Tod. Ich weiß übrigensans dem erbärmlich philosophierende» Museum desWundervollen, bei Baumgärtner in Leipzig (B.7.5.)recht gut, daß Casiegnada versichert, in Bengalensei ein Man» 370 Jahr alt geworden, und habeviermal neues Haar und Gebiß, und übrigens70 Weiber gehabt, und daß mithin ein Mensch,wenn man bei dieser wie bei andern Nachrichtenauch nur die Hälfte für wahr annimmt, wenig-stens 185 Jahre alt werden kann. Genau genom-men halten Sie sich ohnehin für etwas älter alsSie wirklich sind, wenn ich nach den Schalttagenrechne» soll; denn da nach jedem vierten Jähreviermal sechs Stunden eingeschaltet werden, diesaber scharf genommen falsch ist, weil »ach genaue-ster Berechnung jedem Jahre nicht sechs, sondernnur 5 Stunden 48 Minuten 45 Sekunden,50 Terzien fehlen: so bleibt Ihnen sogar beiAuslassung des Schalttags wie z. B, Lnno i806geschah, doch noch ein Borschuß von Zeit übrig,den Sie nachzuleben haben.»

Ich hatte mich so verwickelt — weil sich mir dieastronomische Schmeichelei unter den Händen dün-ner ausspann—daß freilich der Bienenroder kaumwissen konnte, was er dazu sagen sollte; und dahersagt' er auch nichts.

„Ich meines Orts gestehe gern, knüpft ich wie-der an, wär' ich einmal über das Jahrhundert-Ziel oder die Kirchhofmauer von ioc> Jahren hin-über, ich würde dann gar nicht wissen, wie allich würde, oder ob ichs wäre, sondern frisch undfrei, wie ja die Weltgeschichte öfters gethan, mitte»in Jahrtausenden, wieder von »mio Eins zu zäh-len anfangen. Warum soll denn ein Menschnicht so alt werden können, als mancher indischeRiesenbaum, der noch steht? Uebrigens sollte manordentlich protokollarisch alle Ueber-Greise verneh-men über die Mittel, wodurch sie ihr Leben ohneden Geheimerath Huseland in Berlin so sehr zuverlängern wußten, als der Geheimerath selbernicht kann, da er sich nur zu achtzig bis neunziganheischig macht. Wie stellten sie es eigentlich an,theueres altes Herrlein? Aus einer langen Naseallein ist schwer, dünkt mich (beschloß ich in eini-gem Aeraer über das Schweigen des Herrleins)ein langes Leben zu drehen, wiewohl ein Fran-zose (*) die Sache behauptet."

„Einige meinen wohl—versetzte das Herrlein sanft— weil ich immer froh gewesen, und das sxmbvluingebraucht: nunqusm lustig, sempev traurig s")aber ich schreib' es gänzlich unserm lieben Herr-gott zu; die Thiere da um uns her, sind ja auchnunquum lustig, wenigstens meistens lustig, lebe»aber koch nicht so weit über ihr Ziel hinaus, als derMensch, weil dieser das Ebenbild des ewigen Gottesauch in der langen Dauer vorstellt." Der Mannschwieg. Solche Worte von Gott haben auf einerhundert und fünf und zwanzigjährigen Zungeviel Gewicht und Trost; —und ich wurde an-fangs sehr schön angezogen; aber bei Erwähnung

C) Irgendwo habe ich in der That von einem Franzosendiese Bemerkung gehört oder gelesen, für welche sich indeßmanche phvsiologische Begründung finden ließe,

C) Er wollte blos das Umgekehrte sagen.

der Thiere fiel der Bienenroder wieder auf seineThiere und fing — als sei er gleichgültig gegeneinen mit Sechsen gekommenen Mann — wiedermit seinem Viehstande zu spielen an, mit dem Ha-sen, Pudel, Seidenspitze, Staare, ein Parr Turtel-tauben auf seinem Schooße; auch ein lustiger Bie-nenstand im Obstwäldchen gehörte, da er die Bie-nen mit einem Pfiffe heraus, mit einem andernherein rief, zum Viehhofe, der ihn wie ein Hof-zirkel umschrieb. Zu erklären war daS Ganzenicht anders, als durch meinen Gedanken: alteMenschen und alte Bäume haben eine rauhe kra-tzende Borke an, junge aber eine sehr glatteweiche.

Er sagte endlich: »es soll sich aber niemandwundern, daß ein gar alter Mann, der ja allesvergessen, und den auch niemand kennt und gernhat als der liebe Gott, sich blos mit dem liebenVieh abgibt. Wem kann ein altes Herrlein vieldienen? Ich gehe in den Dörfern da herum, wiein lauter blutfremden Städten; seh'ich Kinder, sokommen sie mir wie meine grauen Kinderjahre vor;seh' ich Greise, so sehen sie wie meine vergange-nen Greisenjahre aus. Ich weiß nicht recht, wo-hin ich jetzt gehöre, und hänge zwischen Himmelund Erde; doch Gott siehet mich immer hell und lieb-reich an, mit seinen zwei Augen, mit der Sonneund mit dem Mond. Und die Thiere leiten zukeiner Sünde an, sondern zur Andacht; und mirist ordentlich, als säh' ich Gott selber vieles thun,wenn meine Turteltauben ihre Jungen so wär-men und äzen; denn von ihm erhielten sie dochihre Liebe und Kunst gegen die Jungen ge-schenkt.» — Auf einmal schwieg der Greis langeund sah ordentlich wie wehmüthig vor sich hin :das Kindtaufglöckchen in Bienenroda schallte insGartenwältchen herein. Endlich weint'er ei» wenig;ich weiß aber nicht, wie ich nach seinen vorigenschönen Worten zu der Einfalt kam , die Tropfenblos für Zeichen altkranker Augen zu halten.»Mir ist immer, sagt' er, da ich wegen meinesAlters nicht gut höre, als wenn das Kindertauf-glöckchen aus dem fernen Heiligengut schwachherüber klinge; hundertjährige Kinderjahre stei-gen aus alten tiefen Zeiten auf und sehen michverwundert an, und ich und sie wissen nicht, ob wirweinen oder lächeln sotten. Oh ! Oh — Dar-auf setzte er hinzu: Hieher mein Alertchen Ermeinte seinen Seidenpudelspitz.

Jtzt hatt' er mich selber auf die Bahn zu mei-nem Reise-Ziel gebracht. »Bester Herr Bienen-roder, hob ich an, in diesem H e i l ig eu g u t, dasSie also kennen, hab' ich eben das Leben des seli-ge» Herrn Gotthelf Fibel, der das berühmteAbcbuch gemacht, verfertigt und beendigt, und mirgeht nur noch dessen Abgang mit Tod ab. (Hierlächelte Las Herrlein und nickte sehr tief.) Nie-mand kann wohl seinen Tod besser wissen als Sie,und überhaupt sind Sie der Einzige, der mirseltene Züge aus seiner Kindheit zuschanzen undbescheeren könnte, zumal da jede ins kindische Ge-hirn geschriebene Geschichte, wie eingeschnitteneNamen in einem Kürbis, mit den Jahren größerbis zur Fraktur anwächst, indeß spätere Einrihun-gen bald verquellen. Sagen Sie mir um desHimmels Willen alles, was Sie vvm seligen