Mars und Phöbus.
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— Aber wie spielt das Schicksal unsere Thorhei-ten, sogar die prvrhelischen »ach! — DerselbeM a r S hatte im Jahr 1813 mythologisch für diel Zeit!»!gschreiber die Tage blutig genug regiert,l und zugleich für die Sleruseher die ganzen Nächte' rvthhell und groß beschienen. Derselbe S o n nen-gott kommt zu uns iui Jahr 161 » mit Heilmit-teln, Oelzweigen und Gesängen; und sogar derdas Jahr 1815 regierende Planet VenuS schließtsich als milder Abendstern und kräftiger Morgen-stern bedeutend an das Sonne n-Jahr der Be-freiung an.
Aus dem Vorhergehenden wird man sich nundie Erscheinung erklären, welche wir alle in derStadt, nämlich auf dem Sylvesterballe zwischendem Jahre 181 Z und 1814 wirklich erlebt und ge-sehen haben.
ES »lochte in unserem Splvestertanz-Saale, wo,den Witz ausgenommen, fast alles gläuzte,dieFlvten-uhr elwan 11 Uhr geschlagen und geflötet haben, alszur Hauxkthüre eine hohe gehelmte und gepanzerteMaske eintrat, welche wir Tänzer und Mythologensämmtlich an dem Medusenkopfe auf der Brust,an der Pike in der Hand, und am Hahne zurSeite, sogleich als den ächten Krieggvtt MarSanerkannte», wie ihn die besten Götterlehrer vonMontfaucon bis Moritz abbilden. Als einenOrdenstern trug er nebe» den Knopflöchern denblut- und kupferrvthen Planeten Mars aufge-näht. Der ganze Saal, wenigstens jeder Mytho-log oder Götterlehrer darin, wußte also, wen ervor sich hatte, nämlich seinen (noch dreiviertelStunden lang) regierenden Herrn. Ich alsVortänzer und Götterlehrer erstarrte zuerst, ineiner englischen Achte, die Tauzreihen sahen wiegefrorne Alleen vor unserem regierenden Erden-herrn a»S,> und wir alle bezeugten ihm unsereHuldigung, wie gewöhnlich, nämlich dumm, starrund stumm; kein Erden-Landstand fing an zureden, und das Orchester hörte auf zu spielen, undnur der Pauker phantasierte auf seinen Fellen ei-nige Salven als Salve und Lvo. WeißgekleideteMädchen hätte man wohl genug zum Streuen derBlumen da gehabt, wenn natürliche genug da ge-wesen wären; aber die meisten waren gemachtsnämlich die Blumen).
Entschuldigen können wir Tänzer uns einiger-maßen dadurch. Laß unser planetarischer Herr soplötzlich und ganz einfach im Tanzsaale erschien,ohne alle blasende Postillione— ohne Jägereienmit ihren Chefs — ohne paradierende Bürgergar-den — und ohne Kanonen und Glocken.
Das ganze Personale und Gefolge des Regen-ten schränkte sich, (der Hab» ist für keinen Men-schen zu nehmen) auf einen Hofnarren ein, wel-cher seinem Vorgesetzte» einen kleine» tragbare»Thron nachtrug.
mit sonst etwas in den vcrschicdencnKalcndern undWochcn-btättern ordentlich empfangen, so daß er nur noch die Venusim I. I8td, und den Saturn im Z. ISIS gehörig aururcdenbar, falls nicht des letzten Sense den Faden des Lebens undder Rede zugleich durchschneidet. Dadurch aber brächte derZeitgvtt sich selber um meinen Empfang, und wäre noch au-ßerdem zur Verantwortung zu ziehen, daß er Schriftstellere-iedcrmacht, welche sich (oder das Leben) zwar ausgelebt,aber noch nicht ausgeschrieben haben.
I Noch war kein Tänzer und Unterthan von sei-nem Erstaunen zurückgekommen zu sich, als durchdie entgegenstehenden Flügelthüren eine andere hoheMacht und Maske eintrat, an welcher der dümmsteGötterlehrer, wenn einer da war, aus der Leier,auskelu silbernen Bogen auf dem Nucken, aus demLvrbeerkrauze auf den, Kopfe, aus Mangel anBacken- und sonstigem Bart, den Phöbus oderSonnengott auf der Stelle auskundschafte» mußte,: wenn es ihm auch der goldene Brusistern nicht! verrathen hätte, welcher die daS Jahr I8lst regle-I rende Sonne vorstellte. Auch dieser unser Krou-, prinz der Erde, welcher nach 12 Uhr von unsj Posseß ergriff, kündigte sich dem Erd- und Tanz-boden Lurch keine .Knälle und Feuer- und Lichter-werke an, wie doch sonst schon die gemeine Sonnedurch Donner, Blitze und Erhellen thut, und seinganzer Hof bestand gleichfalls in einem Hvfnar.ren, der wieder einen Tragthron, aber einen nie-drigern, für den Sonnengvtt hinstellte.
Von Thronhimmeln sah ich nichts aufgepflanzt,wahrscheinlich weil Planeten, die am Himmel undden Himmel regieren, keinen über sich habenkönnen.
Es hob uns alle, bis zu Leu Aufwärtern, empor,als wir so nahe neben uns zugleich die sterbendeGegenwart und die junge Zukunft sahen, den re-gierenden Herrn und den Thronfolger, beidevon einander nur durch eine halbe Stunde ge-trennt, ja später nur durch einen Augenblick.Nur der Verfasser dieses mäßigte sein inneresSteigen und Erhebe» durch die Betrachtung, daßwir ja in jeder Minute zwischen Gegenwart undZukunft stehen und wechseln, und daß alles in derWelt von einander zuletzt nur durch einen Augen-blick als die letzte Brücke geschieden werde,z. B. sogleich dieser Satz vvm folgenden.
Da uns alle seit Jahren die Stückgießereien ge-nugsam in Kannegießereien geübt und gefvr-met hatten: so gab es wohl, glaub' ich, keinenvon den Herren Ballnnterzeichneru unter uns,vvm dicksten Kaufmann an, bis zum dünnstenSchulmanne, welcher nicht als Staatmann leichtdiplomatisch gewittert hätte, daß die hohen Pnis-sanceu lind Weltkörper sich in unseren Tanzsaalmit ihren mythologischen Thrvn-Jnsignien nurdeshalb verfügt hätten, um mit einander dieThronfolge-Akte richtig zu machen, und den Erd-zepter sowohl zu übergeben, als zu überneh-men.
Bei solchen Feierlichkeiten aber müssen Redengehalten werden, und Versprechungen gethan —Wappen und Befehle angeschlagen — Rechnungenund Jnsignien abgelegt—und hundert Dinge vvll-! bracht, von welchen alle» kein einziges im Saale, vorkam. Sondern beide hohe Häupter, Mars undj Phöbus, saßen schweigend und stolz einander ge-j genüber, als endlich beider Hofnarren mit Liebe,aber mit Würde — so, daß jeder zugleich mit demandern einen Schritt vorthat, sich gegen einander. zu begaben und sich politisch embrassierten, undnachdem sie-einige Zeit geschwiegen hatten, sichwieder in ähnlichen Rücktchrilteu von einanderentfernten.
Beide Hofnarren und Bevollmächtigte warenübrigens, dem Charakter ihrer Gebieter zusprechend,
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Jean Paul' S Werke. IV.