Band 
IV.
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und fortsetze, aber vorher alles nach einem Ge-setze der Unterbrechung oder des Sprungs a n -f a ng e; so bei dem Beleben-, Erblühen, Verschei-den.

Wir kennen nur die lebende Welt, nicht die ster-bende; diese hat keine Zeit, uns sich aufzudecken;mit welchen neuen fremde», uns verhüllten Erfah-rungen mag in der allerletzten stummen Stundeeine sterbende Meuscheinvelt nach der andernsprachlos hinüber gezogen sein

Wir sehen nur die Abendröthe ihres Verschei-dens, aber sie, die in der Abendröthe selber ist,kennet die Sonne, welche in sie scheint—Das ganzeErdleben umringen wahrscheinlich zahllose hoheWesen und Wirkungen — denn das Weltganzeund Geisterall wirkt auf jedesTheilchen und Geister-chen, — von welchen wir Endliche nichts verneh-men, als bis der hiesige Leib mit seinen Adern-und Nerven-Strömen,und seinem ganzen Sinnen-Brausen auf einmal still geworden und aufgehört.Denkt euch auf ein halbes Jahrhundert unten an dieFelsen des Rheinfalls gekettet; ihrchört dann nichtunter dem Wassersturm die sprechende Seele nebeneuch, nicht die Gesänge des fliegenden Frühlingsim Himmel und keinen Westwind in den Blüten:auf einmal verstumme der Sturm; wie wird euchsein? — Wie uns alle» künftig. Denn wir sindjetzv fest gebundne Anwohner der irdischen Kata-rakte, die ohne Unterlaß über die Erde Hindonnern,und unter welchen wir einander nicht verstehen;plötzlich aber steht und erstarrt der Wasserfall zustillen, Todten-EiS: so hören wir auf einmal unseinander ansprechen, und wir höre» den leisenZephyr und die Gesänge in den Gipfeln und indem Himmelblau, welche bisher ein ganzes Lebenhindurch „»gehört um uns verklungen.

So möge denn Jedem von und unter dem Ver-rausche» und Gefrieren der Erdenwasser in derhohen Sterb-Stille der Himmel zu tönen anfan-gen mit den Gesängen und Lauten des ewigenFrühlings, und das Herz mög' unS nur an der! letzte» und schönsten Freude brechen '

Weile und Langweile als der Zuhörer; auch ^macht jener leichter das Buch zu, als dieser das ,Ohr.

Daher — und weil überhaupt, wie am Leibe, jAusdehnen der Glieder und Gähnen immer rei-mend beisammen sind — und weil abgerissene Ge-danken einen kleinen Anspruch an Aufmerksamkeitmachen, da mau, so viel man davon will, überhö-ren kann, ohne die übrigen weniger zu verstehe»,darum hat das neue Mitglied folgende Sedez-Aufsätze gewählt.

Oeffentliche Gebäude.

Lykurg (S. Plutarch im Lyk.s verlegte alle be-rathschlagende Versammlungen aus'den öffentlichenGebäuden ins Freie heraus, damir nicht diese jenemit ihren Bilder» und Statuen störten und zer-streuelen. In diesem Punkte haben mehre deutscheSrädte besser für sich gesorgt, indem ste aus ihremRathe und andern Sesstonstuben so glücklich alleKunst bis sogar auf den Geschmack ausgeschlossen,daß man darin ohne die geringste Zerstreuungstimmt. Die vier Wände setzen ihren Areopagschon in die nöthige Finsterniß, so wie Vögel solange verhangen werden, bis sie ihre Melodie pfei-fen gelernt,

Die Kunst.

Die Kunst ist zwar nicht Las Brod, aber derWein des Lebens. Sie unter dem Verwände derNützlichkeit verschmähen, indeß sie doch die grobedurch die zartere erstattet, heißt den, Dvmiziangleichen, welcher dieWeinstöckeauszurotten befahl,um den Ackerbau zu befördern. Gesegnet sei je-der Fürst, der die Freskvgemälde ablöst von ihrerMauer; denn er ist unähnlich jedem Fürsten, derdie Mauer von, Gemälde, den Nutzen von derKunst abtrennt und selig die nackte Mauer alleinnach Haus fährt.

II.

Sedez - Aufsätze.

Erste nud zweite Lieferung.

Vorrede.

Alle Folianten sollte» vor und für Methusalemgeschrieben sein. Man hat jetzv keine Zeit mehr,lange Werke zu >lesen, seidem es zu viele kurzegibt. Die Werkchen verdrängen und ersetzen dieWerke. Die Geschichte allein hat das Recht, garnicht aufzuhören.

Wird man vollends vorgelesen, wie abwesendesneues Ehren-Mitglied Ihres Museums, so be- inehme man sich kurz; der Leser verträgt mehr >

Das Publikum.

Der Leser scherzt vielleicht so sehr mit demSchriftsteller, als dieser mit ihm. Es wolle näm-lich einmal ein Autor sem Work recht für denGeschmack des Lesers zuschneiden und er arbeiteund nähe daran 10 Jahre ganz eifrig: so findeter, wenn erL endlich bringt, eine» andern Mannoder Leser dastehen, als der gewesen, von demer das Maß genommen. Aehnlich sprang JosephKlark mit seinem Sckneider um. Er hatte dieseltenste Gabe, an seinem Leibe jede Verwachsungnachzuspielen und sich in jede einzuschießen,brachte nun'der Schneidermeister den Rock, dener irgend einer Verwachsung desselben angemessen,und wie er hoffte, recht gut angepaßt hatte, frohunter dem Arm getragen: so fand er eine» ganzneuen Verwachsene» zum Anprobieren vor sich,kein Rockschoß und Aermel wollte stehen, und der jMeister wußte nicht, was er mache» sollte ausder Sache und aus dem Rock.

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Jean P a u !' i Wc r ke. l V.