Band 
IV.
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und daß Liese Sonne nie aufgeht, weil das Augeder Endlichkeit an der Sonne stürbe. Nur dasgöttliche Morgenroth sieht und erträgt der Men-schenblick.

Nachschrift.

Dieser furchtsame Versuch, wiewohl er mehr dieLiebe als die Kraft der Untersuchung offenbart, seials Herzens-Nachfeier des achten Februarsdem erhabnen Verfasser der „Betrachtungenüber das Universum-- zugeeignet. Denn Erwird am liebreichsten dem Ausblick in das Ueberir-dische — und der dankenden Liebe — und denWünschen für Ihn, und für Seinen Staat, diekurze Zueiguung eines kurzen Werkchens verzeihenund vergönnen. So bleibe denn dieses Kleine, wieGrößeres und Großes, dem edlen Fürsten gewid-met l

VI.

Warum sind keine frohen Erinnerungenso schön als die aus der Kinder»zeit?

Schon die Frage erquickt mit Freudigkeit, unddie Untersuchung gewährt das selber, was sieprüft. Die meisten von uns haben die schöne Er-fahrnng gemacht, daß es noch ein Freuden-Ge-dächtniß auf der Erde gibt, und daß derselbeMensch, welchem aus ganzen Jahren des Mann-alters oft kaum Stunden zurückbleiben, und unterdiesen wieder fester die trüben als die hellen, ausder kurzen Kinderzeit, ungeachtet seines noch ver-worrenen Bewußtseins so viele Freuden festhält,und daß er, obgleich als Kind leicht Leid und Lustvergessend, älter sich am meisten nur der Lust erin-nert; so schön verwelken mehr die weichen Dor-nen als die Rosenknolpe» der Kindheit, indeßspäter unter der abfallende» Rosenkrone sich dieschwarzen Stacheln harter ftigen.

Aber warum dies alles, wird hier gefragt. We-nigstens nicht die Freuden-Gegenstände derKindheit selber werfen so viel Zauber-Schein aufdas Svät-Alter. Wie könnten wir jetzt Wunschund Geschmack für die sinnlichen kleinen Kinder-Lustbarkeiten haben? Wir sehen ja die nämlichenden Kindern um uns her bescheert, ohne dabei zu-rück zu wünschen, ja ohne an unsere zu denken, in-deß wir die Lustbarkeiten der Spät-Zeit zugleichim Erinnern fortbegehren. Ueberhanpt nimmtdie Süßigkeit jeder Erinnerung mit der Zeitfsrnederselben, folglich zugleich mit der Verschiedenheit»nserS jetzigen Geschmacks von unserm vorigen zu;und die erinnernde Freude deS Gestern glänztnicht so magisch »ach, als die erinnerte von einemJahre.

Havdn setzte ein Kinderkonzert, worin die Kin-dertrommel, Kindertrompete, die Schnarre unddie Wachtel zum erstenmale ihre Noten fandenund mitspielten; und welches Erwachsene erfreute.Die Erinnerung Komponierte wieHaydn; welchessind aber denn die Instrument und Tonkünste,wodurch das gellende Trompelenfest der Kinderum u»S her zu einem wohllautenden wird?Erstlich das frische Erstlinggefühl für dieneue und erste Welt, die sich dem Kinde aufthut.Noch mehr als ei» Eintritt in einen neuen Plane-ten, mit dessen Wunderblumen und seltsamen Ge-bilden die abgenützte Seele mit unvergeßliche» Ge-fühle» überströmen würde, muß das Einströme»einer ersten Wunderwelt in ein frisches, weit off-nes Kinderherz dieses füllen und begeistern. Alleserste Gute ist voll unvergeßlicher Süßigkeit, wiedie erste Liebe, denn es ist selber eine erste Liebe;ja, wer die erste Liebe erst als ein von einem lan-gen Leben entfärbter Mensch empfände, genössedoch so spät noch ihr Zauberglück. Sogar nochim Spät-Alter kann — so tief greift das frischeNeue in uns — der wirklich dastehende Gegenstandeiner vergangenen kindlichen Lust uns diese gerateso, als ob wir uns ihrer erinnerten, wieder gewährreu, sobald jener durch die Seltenheit seiner Er-scheinung sich hat frisch erhalten, wie z. B. Ge-rüche- Gewisse, nur auf dem Lande gewöhnlicheBlumensträußer geben dem Vertasser einen weh-müthige» Himmel entlegener Zeit zurück, undein Mensch, der unter den Orangenblüten des Sü-dens seine Kinderspiele getrieben hätte, und dannauf lange und weit von ihnen weg, in den kahlenNorden wäre geworfen worden, dieser würde beidem ersten Orangendufte in ei» zu Thränen aufge-löstes Seligsein versinken, und wie in einem dun-keln lauen Aether sich verschwimmen.

Aber, was findet der ältere Mensch, wenn dieSonne seiner ersten Tage untergegangen, an-zubeten als Nebensonnen und wieder in unauf-hörlicher Wiederholung Nebensonnen der Neben-sonne»?

Deswegen spricht sich der ältere Mensch oft ausTäuschung die vorige Kraft seiner Empfindsamkeitab, indeß dieser nichts fehlt, als die Neuheit derAnwendung. Hätte z. B. Adam bis jetzv ge- §lebt, so würde er allerdings, und wär' er so weich !erschaffen als Werther und Klopstock, mit nnbe- Ischreiblicher Ruhe, ja Kälte, eine» seiner Urur.Enkel nach dem andern zu Grabe begleiten; aberder Kriegheld, der mit trockenem Auge über einSchlachtfeld voll zerrissener Menschen reitet,weint gleichwohl am Sarge seines KindeS, oderim Trauerspiel, oder mit irgend einem guten Wei-nenden. So schreibe sich nicht jeder, der an sichdie leichten Rührungen seines unerfahrenen Frük-lebens jetzo vermißt, deshalb abgestumpfte Gefühlezu. Das Herz bleibt weich, aber die Welt wirdhärter. Der Mensch kann vier Jahre lang dasweichste Herz herumtragen, ohne darum öfter zuweinen, als Jesus Christus, nämlich nur einige-male. Abgestumpfte Gefühle setzen frühere stum-pfe voraus; nur dem Feuerländer ist der enrv-xäische Wasserpalast, das Schiff, kein aufregenderAnblick. Keine schöne Seele, welche sonst zu leichtzerfloß, glaube sich vertrocknet, blos darum, weil