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Museum.
»O, rief ich laut im Traum: ist kein Salomonda? Voltaire schrieb zwar von einem nordischenSalomon; aber nao allen Richtungen der Wind-rose sollt' es Salomons geben, östliche Salomons— nordöstliche — nvrd-nvrdöstliche — westliche —südwestliche; welche, wie der mvrgenländische, dieBedingung Platons für Länderglück, daß dieRegenten Philosophen sein sollten, erfüllten. Woist der zweite Salomon, welcher mit derselbenHand Feder und Zepter auf gleiche Weise, Men-schen beglückend, fuhrt, und der Welt nicht Räth-sel aufgibt, sondern, wie der biblische, auflöset? —Welcher mit dem Siegelring, womit der jüdischeSalomon böse Geister einklemmte, die guten derZeit an sich kettet? — Wo der zweite, welcher wieder kanonische, blos ein heiteres Reich des Frie-dens, des Wissens, der Künste der Freuden zugründen, und Ruinen eines böhern Palmyra alsder erste gsbauet (*) zu ergänzen sucht? — Wel-cher, wenn alle Fahnen als Wetterfahnen des eu-ropäischen Sturms hin- und hergeschleudert wer-den, die weiße Friedenfahne der Vereinigung auf-pflanzend, mit reinen von Kriegblut unbeflecktenHänden den ächten Tempelbau der Volkveredlung
beginnen darf? (**)-O wann kehret wieder
der Geburttag eines Salomons zurück?» —
Hier aber erweckte mich das Feuer des Traums.Indeß blätterte ich noch, von der langen Fragefortbewegt, ernstlich im verbesserten Kalendernack, ob wirklich der Name Salomon darinstehe...... Siehe, da fand ich in der That ( wie
jeder in seinem Kalender auch findet) — ihn so-gleich im Februar — ein Monat, der oft durchEinschalten die Fehler der Zeit verbessert ——; und zwar schon am achten Februar.
„Achter Februar? sagt' ich, und plötzlich ent-sann sich mein Herz bewegt der Gegenwart. Jawohl hat der achte seit siebenundsechzig Jahrendie Frage beantwortet und den alten Zufall desBeinamens mit der Wirklichkeit vermählt und ge-rechtfertigt.» Aber alle, die dieses lesen, nochmehr, die dieses hören, werden an diesem Tagedie schönste salomonische Aehnlichkeit, die abernicht in irdischen Händen steht, zu jeder andernschöne» hinzu wünsche»: ein langes Regierung-Leben !
(*) Bekanntlich baucte Salomon Palmnra und Tad-mor.
(**) Der erste Tempclbau wurde dem Könige Daoidseiner Kriege wegen versagt, aber seinem friedliebendenNachfolger verstattet.
!
VII.
Bruchstücke aus der «Kunst/ stetsheiter zu sein-> (*).
1.
Ueberschmerz ist Selbmord des Herzens, undwie man in Schlesien den Selbmörder mir demGesicht gegen die Erde gewandt begräbt: so liegtder Ueber-Traurige ebenso mit dem Gesichte, daser gegen den Verlornen, gegenwärtigen undkünftigen Himmel erheben sollte, auf die Erde ge-kehrt, ohne doch in ihr zu sein. Richte dichauf, blick' umher, und schaue etwas Höheres undHeitreres als Erde, Erdwürmer und Erden-schwarz.
Nicht Genießen, sondern Heiterkeit ist unserePflicht, und sei unser Ziel. In einer Seele vollÜnmuth und Verdruß erstickt die dumpfe schwereLuft alle geistigen Blüten, und den sittlichenWuchs. Der süßen Wehmuth, dem Mikschmerzeöffne sich das Herz, aber nicht dem kalten Miß-muth und dem Niedergeschlagenseil,, so wie dieBlume zwar vor dem Thau offen bleibt, sich abervor dem Regen zuschließt. Das Uebelsein ist sowenig, und das Wohlsein so sehr unserer Naturzugehörig, daß wir bei gleichem Grade der Täu-schung nur die Täuschung, welche gepeinigt, nichtdie, welche erfreuet hatte, bereuen.
Erfrischender wirken große Beraubungen alsgroße Freuden nach — so wie umgekehrt kleineLeiden mehr entkräften als kleine Freuden verstär-ken; denn nach dem Sonnenstiche der Entzückungsind die Herzkammern alle» unsern Feinden aufge-than, indeß der Ueberschmerz sie leicht den Freun-den öffnet. Aber das Glück des Lebens besteht,wie der Tag, nicht in einzelnen Blitzen, sondernin einer fielen milden Heiterkeit; das Herz lebt indiejem ruhigen gleichen Lichte, und wär' es nurMondlicht oder Dämmern, seine schönere Zeit.Nur kann uns diese himmlische Heiterkeit undUnbelrübniß blos der Geist bescheeren, nicht dasGlück, das nur stoßweise gibt wie raubt; und wirspüren immer den Stoß des Schicksals, gleichviel,ob er uns in den Himmel oder in die Höllewerfe.
3
Aber auf welche Weise vermag dies der Mensch?Nicht durch Anpflanzen der Freuden,sondern durchEntwurzeln und Abhalten der Schmerzen, woraufder unkrautlvse Boden von selber süße Früchte
(*) Dieses Buch könne« erst einige Jahre voNcnden;es ist keine Nachahmung, sondern eine Fortsetzung undErgänzung des slsans» <le 8uro«u ars reagier goa-clenrli etc.
Jean Paul« Werke.