Band 
IV.
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Museum.

schmücken und heißen und frostigen Gefühlen kaum -ein Unterschied kräftig vortritt, geschweige zwischenden Abstufungen der nämlichen Reihe.

Und dies ist eben recht gut. Denn wie würdendie Schweiger der Zunge und des Gefühls, tiefvon den Weiden der Heerdell herabgesunken, inSümpfen grasen, wenn sie ihre Genüsse mit stär-kerem Nachgeschmäcke wiederkäuen und die Pausender äußern Wollüste mit innern füllen könnten;zum Glücks wärmen, außer den Vorstellungen,sogar die Traum - ober Empfindviloer jene tiefe-ren Sinne kälter auf: ein geträumter Geruch,Geschmack, Schlag, Reiz, wie neblicht und leer blei-ben sie, wenn nicht ein körperlicher Außenstralselber in den kalten Nebel zückt und blitzt.

Weniger groß erscheint der Unterschied, daß dieVorstellung ihren sinnlichen Gegenstand in einerunbestimmten dunkeln Ferne ohne bestimmteNaum-AuSfüllung steht, indeß die Emvfindbilderdes Traums in der Nähe, in scharf ausgedrückterNachbarschaft und in vollendet-ausgeführtem Um-kreise dastehen. Vor dem Einschlafen hängt jedesEmpfindbild dicht vor dir; jetzv ini Wachen stelledir die nächste Sache vor, sie wird wie von einemHohlspiegel weit ins Tiefe entrückt, und einsamaus dem Finstern gespiegelt. Auch verkürzt, oderwenigstens durchläuft nur die Vorstellung sinnlicheGebirgketten, die der Traum in einem Halbzirkelumher bauet ; welcher Unterschied zwischen einergelesenen, vorgestellten oder erinnerten Landschaft,und zwischen einer geträumte» ! und zwar sosehr, daß wieder die Vorstellung von einer ge-trimmten nicht viel farbloser ausfällt als die voneiner durchwanderten.

Nirgend erscheint aber so sehr, wie weit Vor-stellbilder aus einander gehen von Empfindbildern,als im Dichter. Wie färben, erhellen, gestaltensich ihm mitten im treibenden und anleuchtendenFeuer aller Kräfte nicht alle Vorstellbilder vonMenschen und Landschaften, und zwar ihm gewiß»och farbiger und geründeter, als seinen Lesern?Aber wird ihm oder diesen je sein lebendigstesVorstellbild zu einem vor ihm schwebenden Em-pfindbilde, sein B i l de r ka b i n et der Phanta-sie zu einem Wachsfigurenkabinet desTraums? Und haben seine in einem fernen Mon-denscheine siegenden Landschaften das frische Saft-grün und die plastische Breite und'Länge geträum-; ter Landschaften? —

Noch weniger erhalten wir Leser durch die all-mälich zusammen löthende Wörtermusaik des Dich-ters eine dichte Anschauung; wir glauben durchihn die Gegenstände zu empfangen und zu schauen,indem er unS blos die Empfindungen zu genießengibt, welche ihnen folgen. Die Aetherwelt desDichters muß sich erst verdichten zur Wolkenweltdes Traums; in jener sind wir Schöpfer, in dieserBewohner; jene schwebt uns als ferne Vergangen-heit und Zukunft hoch oben, diese umstießt uns mitGegenwart.

Wenn Rafael in einem bekannten Briefe eineIdee für die Juno und Eva , oder Götter-undMenschenmutter seiner hohen Gestalten erklärt :so kann er bannt nicht eine flache, zusammenge-bettelte, oder auch dichterische Vorstellung gemeinti haben; denn aus blosen Gliedern der Schönheit

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bauet man keine Ideale, weil man schon das voll-endete Urbild gesehen haben muß, nach welchemman die entlehnten Glieder zusammen fügt zueinem Nachbilde. Aber diese urbildliche Schönheithat eben der Götterjüngling Einmal — mehrbraucht es nicht — wirklich gesehen, nämlich alsein Empfindbild, es sei in einem Traume, odervor dem Einschlafen, oder in irgend einer andernNauschminute, welche, wie wir im nächsten Para-graphen sehen werden, die verschiedenen Empfind-bilder blitzend schafft und zeugt; von diesemEmpfindbilde behielt Rafael nun, wie wir aus !unseren Träumen, die Vorstellung oder das Vor- >stellbild, und aus dem Schattenriß dieses Poly- !klet-Kanons suchte er das Götterbild wieder her-zustellen. Sogar der Verfasser dieses, dessen Anla-gen und Triebe am weitesten von allen malerischenabliegen, wurde oft in Träumen von Gesichtern,und besonders von Augen angeschauet, derenHimmelreize er nie auf dem tiefen Erdboden derWirklichkeit gesehen, und von welchem ihr» nundas Vorstellbild fest bleibt.

Der Traum schafft, so wie im Gräßlichen, so imSchönen, weit über die Erfahrungen, ja über dieZusammensetzungen derselben hinausl, und gebiertuns Himmel, Hölle und Erde zugleich.

Der tiefe Stand, auch der lebhafteste» Vorstel-lungen , unter auch nur gewöhnlichen Empfindbil- >der», zeigt sich uns in den immer wache» Wahn- !sinnigen, vor welchen ihre fvrtbrennenden Wahn- 'gedanken sich niemals zu Traum- oder zuÄußenbildern verdichten. Ja die quälende odersehnsüchtige Vorstellung von einem Verstorbenenstellt doch dem Furchtsamen oder dem Weinendenkein Empfindbild von ihm in das Außen.

Der letzte Unterschieb zwischen Vorstellung undEmpfindbild ist der, daß du-zwar nach Willküreine bestimmte Reihe Vorstellungen kannst vorü-berziehen heißen, daß du aber nicht vermagst, dasAufsteigen bestimmter Empfiudbilder aus dem ldunkeln Geister. Abgrunde zu befehle» oder zuverwehren, und daß du höchstens in gewissen kör-perliche» Begünstigungen bei langer «chlafenlzie-huug oder bei Erhitzung durch Trunkenheit undFieber im Stande bist, Gestalten, aber unbekannte,vor dir emporfahren zu lasse», von welchen dunicht weißt, ob sie dich erschrecken oder erfreuenwerden»

Noch sind wir nicht am Ende; denn wir habenvorher die Stufenfolge der Empfiudbilder zu ve> fol.gen, um dann die Erklärung ihrer und der Trän-me zu gewinnen.

Z. 3.

Stufenreihe der Empfindbilde r.

Man kann drei Arten dieser Empfindbilter auf-zählen, wovon die beiden stärkern in das Wachenfallen. Zuerst treten kräftig mitten in die helleGegenwart mit festen Farben die F ieb erb i lde rauf. Ferner die Gestalten, welche um Nicokaiund andere gaukelten; endlich das Selbersehenund das Sehen abwesender Freunde (*). Eardanus

(»-> Z. B. ein verstorbener Jugendfreund von mir sichseine dreißig Meilen entfernte Mutter an seinem Klaviere