Band 
IV.
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Politische Fastcnpredigten.

unmuthig genug; wie der Damaszener zerhau' erEisen und hauche Bluinenduft." — Der Buch-händler konnte die Hand nicht aus der rechtenTasche bringen.

Die Nacht verdroß manchen von uns, weil daseinfältige Hin- und Herschießen uns bald imersten Schlafe störte, bald im zweiten, bald imdritten. Wirb denn der Gottesfriede des Schlafsso gar wenig bei Belagerungen respektiert? fragt'ich. Schlaftrunken und ungeinei» verdrüßlich gukl'ich aus der Sakristei in das Kirchenschiff und des-sen wachs Schiffmannschaft hinaus; ergötzte michaber doch einigermaßen an der Beleuchtung durchdie Wachslichter auf dem Altar und durch einenschlechten Kronleuchter, der statt des TanfengelSin der Mitte hing. Mehre eingelaufue Judenwaren so froh wie Fische im Wasser, das kocht,wiewohl ste für ihren Interim-Uebertrilt in Mi-sere Kirche etwa» Besseres verdienten. Plötzlichschlug gar eine Bombe auf unser Sturmdach anf-alle Schlaftrunkenheit war fort — alle sahen andie Kirchdecke und glaubten, jeder daran gemalteProphet fahre hinunter und die Bombe ihm nach.Die einkasernierte Judenschaft verwandelte dieNepomuks-Kirche in eineKasiialsynagvge und schrieZions oder dergleichen; den» für Bete» nahm ichihr Heulen. Am Tage indeß machten ste zumGlucke einige Geschäfte im Tempel.

Auch hatten verschiedne Belteljuden inllompsg-ni« einem reichen Juden, der bei einer Kloster -Versteigerung und Zerstörung mehre guterhalteneBeichtstühle und Altäre erstanden, solche für dieKirche abgemietbet, theils um die Altäre wiederan die Geistlichen zu vermielhen — da bei denallgemeinen Todesgefahren und Sterbebetten soviele gar nicht eingepfarrte Seelen zum letztenmaleund zwar täglich, das Abendmahl zu nehmenwünschten — theils um die Beichtstühle selber zubewohnen, und stch darin, wie in kleinern Juden-gassen, jüdisch reiner zu erhalten.

Sogar die Bettler, welche in der Kirche stchnähren und schützen wollten, machten mehre gar-nicht verächtliche Geschäfte, da ste als ihre eignenKlingelbenteliräger herum sammelnd immer wahreChristen fanden, die stch gern als solche vor einerganzen zusehenden Gemeine bezeigten und täglicheinen Pfennig heropferten, zumal in solcher Angst-Nur halte die kirchliche Belllerschafk vielen Ver-druß und Kampf mit einem alten bettelnden Ehe-paar, das seit Jahren vor der großen Kirchthürseßhaft, jetzo auch hineingetreten war, und des-halb eine Art Recht auf die Almosenladung desKirchenschiffs zu behaupte» suchte. N.ich meinerAnsicht aber hat hier das Bettelpaar weit mehrEigennutz als Recht,

Am Morgen verließ ich dett Kirchenarrest einwenig und strich — mit Stöcklein neben mir —in den Gaffen umher. Wir gingen in den italiä-nischen Keller, wo wir den fröhlichsten Mann derFestung fanden, den Jtaliäner, weil sein Kellerzugleich ein Sturmdach und ein Himmel vollManna für seine Gäste gewesen. Zu letztenschlug ich mich - nur Stöcklein ließ stch wedervvm Wirthe noch vo» mir etwas geben —; und»ach wenigen Gläsern erhob ich die Ziebinger aufKosten der Fürsten. Denn ich sagte: „Die mei-

sten Fürsten machen es mir den Kriegern, wie(nach Lichtenbergs Vorwürfe) die Astronomen mitden Sternen, welche stch mehr um die Bew e-gungen derselben als um deren N atur beküm-merten. — Sie glauben mit Gvldkörner» denStaat fruchtbar zu besäe»; Goldstaub halten siefür lebendigen Blumenstand, der befruchtet undfortpflanzt. Indeß verstehen sie doch wohl mehrals wir errathen; man denke an den blindenHuber (den Naturforscher), welcher über die Bie-ne» die größten Entdeckungen blos dadurch ohnealle Auge» machte. Laß er vo» seinem Staatbe-dienten, nämlich seinem Bedienten, stch alles sagenließ, was dieser sah.„ Stöcklein wurde glücklichin der Tasche, seinem Glückhafen.

Wir gingen von da aus zu einem Töpfer, umein Kabinekgefäß zu kaufen, welches allerdingsnur dann in eine Kirche gehört, wenn ei» Bettdazu da steht, worunter mans stellt, sonst nie.„Welche reine Farbengebung und Zeichnung, sagt'ich, als ich in das Gefäß hineinschauete, und dieBliiinenstücke recht ins Auge faßte, Meister!Führ' Er so fort, lind lief'Er stch täglich st> selberden Rang ab, Meister, ob Er dann zuletzt unsnicht mit einer Barbarini- oder Portlands-Vaseüberraschte, da möchte ich den Mann sehen, derstch herstellte Und schwüre, diese könn' Er so wenigmachen, als ein ägyptischer Zauberer eine Laus."—Nur sollte das Töpferhandwerk seine Kunstwerkenicht, wie Christen ihren Schmuck, blos innen an-bringe». Wie so mancher Kunstliebhaber mußjetzo feine Schüssel saurer Milch erst ausessen, biser atlmälich durch den Löffel stch ei» gemaltesBlatt nach dem andern von dem Schüssel- oderBlumenstock aufdeckt, so daß er daß Ganze nichteher genießt, als bis er satt ist? Als ich michaber nach einigen der neuesten Werke des Künst-lers umsah: fand ich die Blumenstücke sämmtlichwie von einem Höllen-Breughel so verzerrt, unsdie Gesäße so verdreht, daß ich ihn darüber be-fragte. »Ach, sagte der Töpfer, vor dem teufli-schen Geschieße zittert dem Menschen Arm unsBei»; und da verfumseiek er freilich jeden Bet-tel." So ist also die Bemerkung nicht allgemeinwahr, daß immer in Kriegläuften, wie z. B. inAtheN, die Künste besonders blühen.

Unter der Hausthüre wetteiferten ich und derBuchhändler freundschaftlich, wer den Tvvk öffent-lich durch die Straßen tragen sollte: er focht inirihn aber endlich ab.

Als wir vor einem Fenster ohne Mist vorbeikamen, sahen wir darin einen Schauspieler sitzen,der sich in der Rolle Falstaffs wollte malen lassen,und deshalb anstrengte, eines der komischsten Ge-sichter aus dem Stegreif zu tchneiden, damit esfür einen Theateralmanach zu stechen wäre. Aber— aus Boinbenschauder — sah er wie ein Ge-kreuzigter aus, oder wie ei» Scheinlvdter, oderwie ein Bleikoliker, oder auch wie ei» Gichtmatc-rialist; indeß sogar auf diesem Wege erreichteer seinen Zweck, lächerlich auszusehen.

Ali wir in den Nothstall der Nepvmuks-Kirckezurück gekommen, so hoffte der listige Stöcklein —theils weil ich in der lachenden, Stimmung war,theils weil er den Topf getragen — stch vielleichtjetzo einen Berlazartikel auszuwirken, und wieder-