D oppelwörter.
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„schneidung jenes S einen Landsmann in einen„Landmann und so uns beide, die wir zu meiner„großen Freude bisher Landsleute gewesen„sind, in Landlente verwandeln wollten» Ich wäre„am Ende den Tausch noch zufrieden, denn das„beatus ills qui proeul negotiis klingt doch„ewig durch das Leben wieder; aber, ich bitte! „Sie, dann kommen wir um unsern allverehrte-! „sten Landesherr», der es doch gewiß nicht^ „»in uns verdient hat, daß wir ihn aus dem„Herrn des Landes in einen Landherrn, in einen„Herrn vom Lande oder im Lande verwandeln,„und ihn dadurch so vielen andern Herren im„Lande gleich stellen, nicht zu gedenken der ohne-hin mißvergnügten Mediatistrten oder islan-„desherren. welche unser Beginnen aus Herren„des Standes, eines bestimmten, nämlich privili-„girtesten Standes, und S t an d h erren in solche,„die irgend einen Stand, haben, wie etwa die Krä.„mer oderStandleute die ihrigen auf den Jahrmärk-I „ten, unausbleiblich verwandeln müßte. Um andere! „Unbequemlichkeiten nicht zu gedenken, welche»
^ ,unS ein solches Verfahren nothwendig aus-! „setzen müßte, wird es hinreichen, uns überz „seine Natur selbst zu besinnen. Wir wür-I „den eine feste in der Sprache tiefgewurzelte Ana-^ „lvgie ausreuten, deren sie sich in ihrem großen„Haushalt mit Klugheit und Umsicht bedient, statt„ihre blinde nur zu einfache Gliederung zu hüten„und zu pflegen, würden ihr unbarmherzig eines„ihrer gesundesten Gelenks ausbrechen, um Begriffe„zu vermischen, welche sie geschieden, Abschattun-„gen zu vertilgen, welche sie mit freiem Sinn in„ihre Bildung getragen hat."
Nein; vielmehr soll jede Abschaltung »och mehrvortreten, sobald sie eine rechte ist und keinescheinbare, etwan wie jener Punkt in der hebräi-schen Bibel, welchen der Orientalist lo Onge füreinen Selblauter ansah, bis er sich durch sein Fort-rücken als ein Insekt ankündigte. — Dem Aus-und Nachdrucke ist erlaubt, die Ehe eines Doppel-wortes zu scheiden und z. B> mit Herder vonAvollo zu sagen: mit seinem junge» BaumesWuchs, anstatt Baumwuchs. Der Poesie bleibt»»verwehrt, Mvndenlicht anstatt Mvnblicht zusagen, ja Fäustekampf anstatt Faustkampf, undFrosch- und Mäusekrieg, anstatt Mauskrieg.Aber heben denn diese Freiheiten des Augenblicks,Nachdrucks und Wohlklangs die erste oder Jenner-klaffs auf, welche Baumwuchs und Faustkampfzur Regel einsetzt und folglich auch den Maus-krieg so wie den Froschkrieg gebietet? Die vor-überfliegenden erlaubten Freiheiten des Nach-drucks und der Dichtkunst sind ja weit über diefeststehenden Sünden gegen die Regel erhaben,und diese können sich nicht auf jene berufe» undbegründen. —
Aber damit geb'ich doch einem Seidenstü-cke r nicht Recht, der (wie Campe) das Geni-tiv-S jedem Doppelworte einzuschieben verstat-tet und anräth, wenn das Bestimmwort beson-ders herausgehoben werden soll. Von Stadt-musikant z. B. soll (nach ihm) Stadt s Musikantdurch das S ausgesondert werden; könnt'er aberdasselbe S der Auszeichnung auf die übrigen weib-
lichen Wörter meiner Jennerklaffe übertragen und §eben so sagen: mein Braut s oater, sein Wand s !nachbar? Und wie sind denn die weiblichen jBestimmwörter, die niemals ein S, immer einWohllaut-n annehmen, z. B. Nase, mit einer 'Auszeichnung zu versehen? — Den männlichenzwar leichter, wie es scheint, ließe sich ein heraushe- s.bendes S ansetzen,und man könnte unter SchiffsHerr z. B. den Herrn des besondern Schiffs an-deuten; aber wenn entweder dieses S schonvorher fehlerhaft im Sprachgebrauchs anklebt, wiehier allen Schiff s Herren und Schiff s leuten,oder wenn dasselbe tausend andern fehlerlosen ^Bestimmwörter» nicht zur Auszeichnung als Band ^und Stern anzuheften ist, und man nicht sagen lkann und will: mein Brief s träger, sein Vs- !gel s bauer: so ist dieses Mittel der Auszeichnung !und Absonderung so zweideutig, unwirksam, und :regelwidrig in der Grammatik, als 32 ähnlicheMittel in der Politik.
„So gewiß ist eS, daß die Sprache weiser ist als„ein jeder von uns, und wäre dieser auch einer„ihrer größten Lieblinge Johann Paul Friedrich„Richter, dem sie ihre ganze Fülle und Reife auf-„geschloffen und keine von den Huldgvttinnen, die„ihr dienen, je verborgen hat. — Noch bitte ich„Ew. Wohlgeboren, der großen und dauernde»„Verehrung gewiß zu sein, mit welcher ich ver-„harre
Ihr gehorsamster Diener
vr. Friedrich Thier sch."
Vortreffliche! Hier schließ' ich das Abschreibendes Schreibens mit dem wohlthuenden Gefühle,daß solches hinlänglich widerlegt worden, theils,durch die vorigen Postskripte, theils durch dasjetzige und theils durch das künftige, so daß alsoalle drei Zeiten gegen ihn zusammentreten.Uebrigens habe» Sie gewiß, Gnädige, aus seinem !einzigen Briefe mehr ächte griechische und andere >Gelehrsamkeit erbeutet als aus meinem ganzenDutzend; und dies ist auch mein und aller dererFall, die mit mir in seine und meine Schreibereihineingesehen. — Ewig, in Nachbriefen wie inBriefen
der Ihrige.
I- P-
Siebentes Postskript.
Verzprvchene Widerlegung vermittelstder englischen Sprache
Baireuth , den 28. August isig.
O, meine Gnädigste! Wie sehn'ich mich ausmeiner Sü'reibstube hinaus in Ihre Einsiedler- ^klause im Park, von dem trüben Himmel weg in !die Schalten Ihrer Baumgänge, und unter ein '