Der Komet.
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hohen Badgäste hindurch gesungen habe. Derselige gen Himmel fahrende Henoch! — DiesenAufschub seiner Seligkeit wünschte eben still seinHerz, weil jetzv unerwartet immer so viele Fürstenin Margarethahausens*) eintrafen, welche anzusin-gen waren, daß das Margarethahäuser Badwassernur schöner als das Karlsbader versteinern undi die Hand mit Juwelen inkrustieren konnte,j Glücklicher Weise für die Verlobten bekam diej allda badende Furstenbank auf einmal so vielei Feste zu feiern,— theils Freuden -, theils Trauer-; feste, weil Eilreiter mit Nachrichten sowohl gebor-ner Erbprinzen als gestorbener Apxanage-Prin-zen eintrafen, — daß die Sängerin fast nichts zuthun hatte, als nur einigermaßen vor ihnen ihresämmtlichen hohen Freuden und Leiden durch dieSingstimme auszusprechen. Mitten unter diesemFestgelagen händigte unerwartet Margaretha,reichlich beschenkt, halb von Feierlichkeiten über-täubt, halb von Singen entkräftet, vielleicht derFürsten und Höfe selber satt, dem treuen Bräuti-gam ihre weiße Hand, mit den feinen langenFingern ein; sie wollte lieber den Hoffer undHarrer mit einem prosaischen Ja eilig beglücken,als länger mit einem poetischen Sirenen - Nein.Diese schmeichelhafte Eile war dem guten HenochElias noch nie begegnet. Und dabei eine solcheGöltln an sich zu haben!— Er sah mit ihrer glän-zenden und mit seiner närrisch - kurzen Gestalt sokostbar und unbeholfen aus wie ein gesprenkelterFrosch, dem ein aufgeschnappter Schmetterlingmit den breiten Flügeln, die der Frosch schwerhineinzustopfen vermag, das grüne runde Maulheflügelt; —und dabei besaß er an seiner so fürst-lich beschenkten Margaretha noch gleichsam jenen. schwedischen Bergknappen zur Ausbeute, welcherl »ach viele» Jahren mit allen reichen ErzadernI durchschossen und durchwachsen aus den Stollenl gezogen wurde.
Noch ini Bade würd' er priesterlich eingesegnet,l Nach neun kurzen Februar-oder Hvrnung-s Monaten gab die Sängerin dem Reiseapotheker! schon die schöne Frucht ihres Brunnen - Ja zu! pflücken, den Helden dieses Werkes, Namens N i-! kvlaus, er, wie eins Amphions-Baute, gleichsam> eine Schöpfung der Töne.
! —Müßt' ich mich nur nicht zu weit rückwärtsschreiben in einer Woche und Geschichte, wo ich nochnicht inmal rorwärts gekommen: wahrlich, Winke—Schlüssel —Nachschlüssel — Grubenlicker — biotus»ck IISUM vepkilioriim — versiones interlineares— Ergänzblätter — Supplement - Bände —eom-l pieinenta possiiniitatis und mehr wollt' ich hier! einschieben und darüber mich ausbreiten; aber, Verfasser langer Werke müssen sich leider ins! Kurze ziehen, um nicht den Kürzern zu zie-^ he,,' —
('s So eben vornehm' ich von einem Liebhaber meinesVorlcsens, daß es noch ein zweites Magarethahau-sen gebe, ein ritterliches Dorf im Würtembergischen OrteBalingcn, ja noch ein drittes, ein Franziskaner No n-nenkloster, unweit davon mit einigen Höfen und! Zehnten. Und wirklich. fand ich das zweite und dritte! in Jägers Lexikon, von Mannert überarbeitet, (Band 2.
! Seite s?z); aber dafürstand das erste oder meines gar' nicht darin.
Dir Ehe fing schon mit Unehe an, denn mehreGlanzsteine in den Ringen, die der Apothekerzu Bausteinen seines Glückes zu vermauern ge-dacht, wurden als Meteorsteine befunden, oderunächt, und der helle farbige Regenbogen aufihren Fingern, der ihm heitres trocknes Wetterversprochen, ergrauete erbärmlich und wurdeselber zu Wasser; nur die Vorsteckringe verbliebe»ächt, nämlich von Gold. Der Apotheker, derin seinem Leben nie etwas verschenkt hatte, alsdiesesmal seine Hand selber, mußte seine Erge-benheit bereuen und den ganzen Tag unbeschreib-lich sauer zu allem sehen ; und wen» er, der im-mer vor andern ein aufpassendes, durch einanderfahrendes lustiges Feuerwerk war, sich vor Mar-garetkaals das abgebrannte, rauchige, geschwärzteGerüst hinstellte: so war dies nur ein Anfang. ^Denn als vollends noch dazu sein Erstgeborner !kam : so wußte die arme Sängerin ein Lied da-von zu singen, von seiner losplatzenden selbzün-derischen Natur; wohin sie nur griff, in jedemWinkel und Schiebfache, in jedem Fleisch - undZuckerfasse, in jeder Hauben - und jeder Pillen-schachtel und Nadelbüchse und Brakenpfanne,saß er als Bombardierkäfer und knallte los, wennsie ihn anrührte; ihr ganzer Lebensweg war »ollSelbschüsse gelegt, womit er vor ihr unversehensauffuhr.
Die Ursache war, sie liebte ihren Erstgebornenden kleinen Nikolaus ganz übermäßig, nicht ein-mal zu erwähnen, — weil dieses erst fpäter eintrc- !ten konnte — daß sie es vier Jahre lang hinter !einander that, als sie schon zwei Töchter nachge- ^boren, und auf das vierte Kind jede Stunde auf-sah. Der Kleine hatte zwei medizinische Merk- !Würdigkeiten, die ihn von seinem Vater, so wie jvon tausend ander» unterschieden. Er hatte ;nämlich auf der Nase zwölf Blatternarben auf idie Welt gebracht, als hätt' ihn die Natur schon ^»»geboren mit diesen Stigmen (Wundenmahlen)für das Leben gestempelt und tätowiert, was aber ^nicht gewesen sein kann, da er später die wahren !Pocken bekam, und also die Narben früher alsdie Wunden hatte. Das zweite Wunder war,daß sich im Dunkeln, schon in der Wiege, eineArt Heiligenschein um seinen Kopf ansetzte, be-sonders wenn er schwitzte, oder später, wenn ersehr betete, oder sich ängstigte. Dieser Heiligen-schein war wohl weiter nichts als die BosischeBeatifikazion (°), nur daß bei ihm das elektrischeLaden und Ausstralen von selber sich machte, sowie z. B. bei Cahilstvn in Bouillion, der sich undseinen Schlafrock oft in Flammen stehen sah, undüberall aus sich mit Fingern Funken ziehenkonnte (**).
Seins Mutter gab nun der Blatternase unddem Heiligenscheine eine» Mann zum Vater, anwelchem sie sich in Margarethahausen nach derHochzeit versehen habe, als sie durch ein Zimmergegangen, und der Mann im Finstern zufälligeinen so heftigen Heiligenschein aus den Haaren
(*) So nennt man den elektrischen Koxfschimmer anMenschen, die auf einem isolierenden Pechkuchen elektri-siert werden.
(") Wilhelmi's Unterhaltung über den Menschen. B. 2. ,