Der Komet.
sche Apotheke als ein heimliches Kontumazhausauf einige Wochen einwies. Der Hof, wohin er ^ging, wurde von reinen strengen Sitten beherrscht,welche gewöhnlich mehr unter einer Fürstin, alsunter einem Fürsten, regieren. Da nun der guteJvftphus, wie Proserpina unter dem Blumenpflü-cken der Freuden, in eine dumme Art von Orkusgerathen war : so wollt' er vorher inkognito imLandstädtche» Rom bei dem verschwiegnen Apo-theker sich so gi . herstellen lassen, als in diesem,wenn nicht unschuldigen und golvnen, doch queck-silbernen Zeitalter möglich ist. Dädalus gabeiner hölzernen Venus durch Quecksilber lebendigeBewegung (*); und noch bleibt dieses Halbmetallstets in heilsamer Verbindung mit der Göttin undhilft auf die Beine.
Der Ex-Jesuit oder der vonttnus :»e kottomp-t»r noster-Jesuit (**) kannte überhaupt seinezweifache Wurde, als Jesuit von der großen Ob-servanz und als Prinzenlehrer,, viel zu gut, alsdaß er nicht als ein uugefallner reiner Engel —und wie wohlgebildet, gesittet, jugendlich undrenndlich war nicht sei» feines Gesicht — hätteauftrete» sollen; daher ließ er sich mit Freude»von der Krätzmühle des Apothekers zermahlenuns sein Gold mit Quecksilber verquicken, um ausihr nach dem Verrauchen des Quecksilbers ganzschlackenlos herauszukommen als reines Gold.
— Und einen solche» trefflichen Prinzenlehrerund Schatz besaß nun der Apotheker umsonst imHause und konnte ihm unbesorgt seine ehelichenGeheimnisse anvertrauen, da er dessen unehelicheals Faustpfänder des Schweigens in Hände»hatte.
Der Pater Joseph erklärte zu Marggrafs Freu-de: er habe Nikolausen bald das Prinzliche ange-merkt in den hohen Phantasien, so wie leicht ausden Geistesgaben gemuthmaßt, daß er nicht Marg-grafs Sohn sei, sondern irgend ein Bastard, weilBastarde nach der Geschichte so viele Talents zei-gen. Vor allen Dinge» rieth er ihm, den jungenFürsten die Geschichte, und zwar die seines Hausesstudieren zu lassen ; da aber das letzte noch auszu-Mitteln sei: so möge Nikolaus den gothaische»Taschenkalender oder sonst einen recht auswendiglernen, nämlich das genealogische Berzeichuiß allerregierenden Häuser in Deutschland, ja in Europa.Da man nicht wisse, fuhr er fort, mit welchen vonso vielen hohen Häusern der Prinz verwandt sei :so hab' er sich die Linie» und Seitenlinien jedeseinzelnen Hauses und alle Geburt-, Vermähl - undKröntage sammt allen Prinzessinnen einzuprägen,um dann leicht, wann er zu den Seinigen komme,auch den entferntesten hohen Verwandten mit al-len Taufnamen sogleich zu kennen: dies werd'ihn außerordentlich empfehlen und jeder werdeLunten riechen.
Der dankbare Pater Joseph übernahm, außerden Stunden seiner Verquecksilberung, sogar selberdie historische Professur bei dem Prinzen undüberhörte chm gern die verschied»-», vor der Handnoch nicht mulhmaßlichen Stammbäume, und der
(*) Bcckmanns Geschichte der Erfindungen, B. g.
(**) So heißt die Bulle, welche die Jesuiten auf-hob.
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gothaische Taschenkalender war hier ein schöner^ Plutarch und Schröckh. Dabei frischte der guteJesuit das äußerst trockne, blos mit Lettern ge-zeichnete Namenregister mehr farbig auf durchWappenkunde — diese fürstliche Bilderbibel —und suchte so durch die heraldischen Thiere mehrLeben in die Sachen und Namen zu bringen; dennein Wappenbuch bleibt um so mehr ein heraldi-sches Hierozoikon t*) für den Adel, als darin dieedelsten Raubthiere ihrer Thierherrschaft ihm als'demLöwenwärter und Falkenmeister unterordnen.
Wenn mein Held mir in Zukunft einige Ehremacht und den Lesern lange Freude: so habenwir wohl das Wichtigste davon dem trefflichen Er-zieh- und Studien-Plan des vominus so irottooaptor noster- Jesuiten zu verdanken. Derkostbare Fürstenspiegel, den er während seiner me-tallischen Kurzeil für den Erzieher Marggraf goßund schliff und mit dem nöthigen todten Quecksilber.als Folie belegte, stellte den so wahren Grundsatzauf: der Prinz soll kein Vielwisser werden, aber einVielerleiwiffer; und wie er schon als Soldat inwenig Wochen sich von unten auf bis zum Obendiene und die Stufe von Schildwache — Korporal
— Leutenant — Hauptmann — Major — Oberst
— nicht auf einer Schneckentreppe, sondernauf einer Sturmleiter auflaufe, so daß er schonganz oben herunter schaut, wenn man ihn kaumunten gesehen , und andere Kameraden noch alleunten auf der Folterleiter liegen: so könne undmüsse er noch mehr als Wissenschafter alle Felderdes Wissens schnell übersehen aus der Vogelperspek-tive, wenn er die rechten Luftschiffer von Lehrerngehabt zum Aufsteigen. Won selrolao sott vil.avttiseonttum, sagte Josephns; d. h. der Fürst habenicht für Lehrstuhl und Schreibepult zu lernen,sondern für die Hoftafel, für den Spieltisch undfür die Sessel in, Schauspiel und Konzert; wisseer etwas zur Hälfte, so werde immer jemand dasei», der die andere Hälfte voraussetze oder an-flicke : daher kenn' er selber für eine fürstlicheErziehung keine wichtigern Werke und keine mehratt usum velplttnm-uni ( zu Kronerben - Ge-brauch) als Reallexika oder «Fachwörterbücher;denn erstlich werde in ihnen die größte alpha-betische Ordnung beobachtet, bei dem übermä-ßigen Reichthum in allen Wissens-Artikeln; undzweitens könne ein geschickter Lehrer leicht aus ihreine Ordnung nach Sachen zusammenklauben.Er wußte aber damals dem Apotheker aus litera-rischer Unkunde kein andres Erziehwerk vorzuschla-gen, als das Zedlerische Universallexikon.
— Himmel! wäre doch meinet, und des Prin-zen wegen schon damals wenigstens die erste Auf-lage des »Konversazionslexikons" bei Brockhaus znhaben gewesen! Wie wäre seine Bildung, auchohne die Supplementbändchen, viel reicher undzeitgemäßer ausgefallen! Denn mit diesem blo-sen Lexikon von 10 Bänden, getrau' ich mir jedenPrinzen oder sonst einen für Hof und »Konver-sazion-- bestimmten jungen Menschen vollständigzu bilden, wenn ichs recht mache und die Artikel
(*) So heißt das Werk, worin Bochart über olle inder Bibel vorkommenden heiligen Thiere seine Erläute-rungen gibt