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Der Komet.
thut erS aber, so liegt er nicht mehr weit vonder Höhle, in die er kommt,t Der Apotheker streckte ihm jetzo die Hand ent-gegen, aber nicht aus Rührung, sondern zuge-klappt, weil er etwas darin hatte. „Cin Haupt-schritt, sagte er, müsse noch geschehen, und derPrinz die Universität Leipzig beziehen, damit seinhoher Herr Baker auch nicht das Geringste vondem vermisse, was an einem Prinzen zu suchensei, und man könne mit der Sache nicht genugeilen, damit er, falls er seinen Vater nicht g-funden, die leere Apotheke je eher je lieber über-nehme, indem er selber sein Leben schwerlich überdrei Tage »och treibe.'"
Nikolaus wollte stark gerührt einfallen, aber je-ner fuhr fort: »Um die Kosten des akademischenJahrs mehr als zu decken, sagte er, so hab' ich,mein Prinz, da kein einziges Stipendium in dieserheimtückischen Stadt zu erhalten war, dieses nocheinzige Demantchen aus dem Ringe Ihrer seligenFrau Mutter ausgeholten und aufgehoben, denkeaber damit für mehr als eine Person auszu-langen."
Der Diamant war ohne Frage — denn es be-darf hier keines besondern Zeugnisses — drittehalbHundert Gulden im 2N Fuß unter Brüdern, ge-schweige unter Juden werth. Da nun sonst derApotheker eine Verbindung mit den Mensche»gleichsam für eine innige Ehe ansah, worin nachdem Gesetze Schenkungen verboten sind, oder auchdie Menschen für eine Art Bettler, welchen etwaszu geben die Polizei untersagt: so trieb er durchdieses unverhoffte Gutsein nicht nur alle die Kälte,welche Kinder immer gegen geizige Eltern haben,aus Nikolaus Herzen hinaus, sondern auch so vielLiebe hinein. Laß der Jüngling sich der wehmü-thigsten Bewegungen vor dem höchst ruhigenManns nicht schämte und enthielt, der bisherals ein Vater gegen ihn gehandelt, ohne einer zusein.
»Wie gesagt — fuhr Clias fort — für mehr alsEinen Mann reicht schon der Stein; denn da ichselber nicht mit Ihrer Erlaucht die Universität be-ziehen kann, wie ich bisher gehofft, um auf irgend^ eine Art den unentbehrlichen Prinzen-Gouvernör,
! ohne welche keine Prinzen auf Akademien zu las-! sen sind, vorzustellen: so muß ein andrer dazu^ gesucht werden. Mich dünkt aber, ich habe so et-! was an einem wackern geschickten gesetzten Jüng-ling bei Jahren und von schönem Ernste gefunden,welcher , da er selber auf Universitäten gehen will,bei seiner Armuth gern für einige Lo Thaler denGouvernör machen wird, zumal da er bisherdas Glück Ihres herablassenden Umgangs ge-nossen."
Nikolaus konnte durchaus nicht auf den Men-! scheu kommen.
^ »Ihr Schulfreund Peter Worble, mein Prinz!"i fragte der Vater.
! Jeder Peter,in Rom wär' ihm leichter eingefallen,
> als dieser Peter Worble. den er wie wir längst wissen,in einem Vorkapitel mit Füßen getreten und wel-^ chen er seitdem mit Bruderarmen an sich geschlos-sen. Denn Peter war gerade der Gegenfüßleroder Gegenköpfler dessen, wofür ihn Elias ansah.Aber kein Irrthum war natürlicher. Erstlich
wies er vor dem Apotheker im Vorbeigehen dm ^Kunstwörter aller Wissenschaften auf, sogar der !Scheide- und Apothekerkunst, so daß der pharma-zeutische Man» glauben mußte, Peter sei in demLande bewandert und einheimisch, dessen Spracheer rede, ob er sie gleich nur zu einer gestohlnenParole für seine Anspielungen verbrauchte. Zwei-tens, was seinen erwähnten Ernst anbelangt, sowar dieser blos ein Scherz: anstatt seiner satiri-schen Ader hatt' er ein ganzes satirisches Schlag -und Blutadersystem, und machte immer Spaß,hauptsächlich blos zum — Spaß; aus Lust, nichtzur Unlust, und der seinige glich gutem Schießpul-ver, das auf der Hand aufbrennen muß, ohne ei-nen schwarzen Flecken nachzulassen. Auf seinen, jGesichte erschien kein Zeichen, sondern er hatte auf !die komische Maske, in der er sein Leben spielte, !stets eine, wenn nicht tragische, doch heroische ge° 'Leckt- Diesen festgestrickteu Musketernst, womitder Apotheker ihn immer reden sah, halte dieser !für gesetztes, gehaltenes Gouvernör-Wesen genom- ^men. Doch nach dem Scherze (keine Sekunde !früher) fuhr zuweilen das pockennarbige Gesicht la° !chend auseinander, und es kamen auf die Hangende !Backe,«haut viele Lichter, und in die grauen Augenetwas Glanz,.....
Fände man nur i» Vorkapitel» Zeit dazu, welchevöllig fehlt, so wären vielleicht Lesern, welche zu lwissen wünschen, wann sie lachen sollen, wenn sie ei-nen Spaß machen, ob v o r, oder unte r, oder nach !demselben, oder ob in einem fort, brauchbare, aber ^neue Winke zu geben: gleichwohl aber weiß ich dieMehrzahl zu schätzen, welche ihrem Spaße recht langeihr Lachen vorausschickt, damit es für ihn das fremdevorbereite, wie etwa» ein Bedienter in Hamburgauf den Leuchter, womit er die Gäste hinunter be-gleitet, selber ein kleines Goldstück legt, als hab' :es einer von ihnen gegeben, um damit die übrigenzum Nachlegen aufzumuntern. —
Der Prinz umarmte den Scheinvater in derUeberraschung. War nicht Peter sei» bester undtollster Freund, und war nicht dieser ihm als sei-nem Pole, wie einem Magnete, als ein Gegenpoleingeboren und eingeschmolzen? Hatt' er ihmnicht bisher alle seine Lustschlösser anvertraut undden Spaßvogel darin herumgeführt, ohne ihm imGeringsten übel zu nehmen, daß er in seinen größ- ^ten spanischen Luftschlössern und böhmischen Dör-fern herzlich lachte über alles, über ihren Baustil ,und ihre Verzierungen — über ihre Säulenord- :nungen und Karyatiden — über die Grubenzim- ;merung und Grundlage der Luftschlösser — bis zu >ihren Thürstücken und Deckengemälden und Aus- !sichten darauf? — Aber er wußte, Peter hangean ihm doch fest. Und er selber hatte ihn besonderswegen dessen Armuth lieb,weil Peter wirklich nichts !hatte, der Prinz aber wenigstens wenig. Worble !halte — obwohl zum Versenden auf die Universi- ^tät so fertig, wie ein in Holland gebratner und in.Butter eingepackter Krammetsvogel zum Ueberfah-re» nach dem Kap der guten Hoffnung — schonanderthalb Jahre im Hafen geankert, um auf Geldund Wind zu warten. Sein Vater — zur soge-nannten französischen Kolonie in Rom gehörig —war nichts als ein dürrer Frisör; mit noch einigerPuderbleichsucht an Hut nnd Rock aus vorigen