Band 
IV.
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Der Komet,

lisches Leben' sucht seines Gleichen und war vonjeher mein Leben» versetzte Stoß, und gerieth vordem Apotheker in acht oder neun mimische Ent-zückungen über einen durchsichtigen Himmel, wel-cher gar nicht genannt war, geschweige gewölbt,noch gestirnt.

»Mein Stoß, sagte Nikolaus, wenn Er sich beson-ders verwundern will, so muß Er erst hören, wie ichmir alles deutlich ausmale, was ich genösse, wennich ein regierender Herr würde und eine Kronebekäme und meinen Zepter dazu. Eine Unmög-lichkeit wär' es am allerwenigsten. Wenn manPremiSlause in Böhmen vom Pfluge wegnimmtund zu Königen aushebt; — wenn Pizarros, dienicht einmal lesen und schreiben können, statt derSchweine Reiche der Inkas zu hüten und zuregieren bekommen und Lima zur Residenzstadt;— ja wenn gar Lakaien, wie ich gewiß gelesen ('),blos darum zu Fürsten emporgestiegen, weil sie^ vorher uneheliche Kinder derselben gewesen und- zu ehelichen legitimiert geworden: so ests ja nochnatürlicher, daß zu einem Apotheker, als oem vielediern Wesen, zuerst gegriffen wird und er aufden Thron gesetzt, der ihm vielleicht aus mehr alseinem triftigen Grunde gebührt. — Jedoch wasist denn dies? Kennt Er, ich bitt'Ihn herzlich,den Didius JulianuS r

»Luvvleur! Ich mag den närrischen Men--schen kennen oder nicht, fo bleibt doch alle- wahr,was Sie von ihm sagen wollen."

»Didius lebte zu seiner Zeit im großen römi-schen Reiche und erstand, als eine Prätore» - Ko-horte (**) von i 5 ,ooa Mann dasselbe öffentlichversteigerte, das ganze lange Kaiserthum um iZooThaler, an jeden Mann is,ooomal zahlbar;wurde jedoch baldigst sammt seinem gekröntenHaupte enthauptet, als Septimius Severus sichdie römische Kaiserkrone von seinen Soldaten zu-schlagen ließ, weil er mehr geben konnte, näm-lich 2600 Thaler jedem. Wenn Er nun bedenkt,wie außerordentlich groß das römische Reich —weit ausgedehnter als ganz Europa, wegen seinerandern einverleibten Welttheile — gewesen gegeneine kleine deutsche Markgrafschaft, die ich ja zujeder Stunde mit einem tüchtigen Diamanten be-zahlen will; so wird Er wissen, Stoß, von wasdie Rede ist. Jetzo sind vollends die Zeiten, womancher Thron, weil alles unten um ihn herumrebellieret, für Geld zu haben ist, und ich kannKönigen, die ihren abstehen, dafür vielleickr etwasbieten, wenn es dort im faulen Heinze zu etwaskommt."

Der Stößer schnappte heftig mit der Tiegel-zange auf und zu und sagte entzückt: »koste! darinkommts freilich zu was. Und daß Sie in dreiKuchen auf einmal Bohnenkönig geworden (***),

(*) Sin Lakai des Marquis äo wurde anfangs

des vorigen Zahrhnnderrs vom neapolitanischen FürstenNrancaecio, der keine eheliche» Erben hatte, auf einmalals sein unehelicher gerufen, dann zu einem ehelichen le-! gitimiert und endlich zum Fürsten erklärt. Ideal, klui-on.i I. XVII. S. Za6 des Jahrs r?os.

I (**) Er will sagen Prätoriancr.

> ('**) Wer unter dem am h. Dreikönigtage gcbaekcncn

! Kuchen den einzigen trifft, worin eine Bohne steckt,

das muß manches bedeuten. Aber was wollenwir lauge paffen? wir können ja König werdenohne einen Heller Diamant,da Sie doch, wie jederhofft, so gut ein ächt fürstliches Hurenkind sind,wie der Bediente vorhin, ders auch bis zum Für-sten gebracht. — Aber freilich brauchen thu' ichsso sehr wie Sie; ich muß ganz neu herausgeklei-det werden vom Stiefel bis zum Kopf — betrach-ten Sie nur, was ich an Sonntagen anhabe, undan Werkeltagen bin ich ein Haderlump, koste!wenn ich daran denke, wie Sie mich Hallunken sognädig ausstaffieren werden, sobald Sie in Goldund Silber stecken—haben mir jetzo schon so vieleKleinigkeiten spendiert, wo Sie selber schmal bissenund nichts hatten."

»Leg' Er mir — sagte Nikolaus — »och dasFußkiffen unter das Kopfkissen, ich liege zu tief.— Aber um Gottes willen, wer von uns sprichtdenn davon, daß ich heute oder morgen, dir nichtsmir nichts, ein regierender Fürst werde? Hör'Ers besser, daß ich mir nur recht lebhaft vorma-len will, wie es stände, wenn ich den Fürstenman-tel umhätte. Und da gesteh' ich gern voraus, daßein Paradies, so viel ich sehe, in das andereführt und des Guten, das ich sowohl stiften alsgenießen kann, gar kein Ende ist."

Hier rieb sich Stoß die Hände vor Lust, vormöglicher.

»Aber bild' Er sich doch nicht sofort ein, ichwerde im Fürstenmantel Ihn mit jeder Kleinig-keit ansingen, die einen Fürsten so groß macht, undwie warm ich mich z. B. schon in der Wiege bet-ten würde als Fürst; denn ich hätte als Kindmeine Orden und Regimenter und einen Hof-staat — es besteht aber solcher aus einem Ober-hofmeister, zwei Kammerherren, einem Kammer-heizer, einem Tafeldecker und Thürhüter —«

»O Sucre ! das wäre !" rief Stoß.

«Was wäre, versetzte Nikolaus, da ich diefürstliche Kindheit längst verabsäumt? Aber dieswill ich mir denken, was ich als Fürst genösse,wenn ich mich so recht herunterlassen könnte bis zujedem Bürgerlichen, und nun der Augenzeuge derunbeschreiblichen Freuden wäre, welche so arme,vom Thronhimmel um ganze Himmelleitern ent-fernte Teufel über einen so nahen Fürsten em-pfinden müßten,gerade als ob sie einen hohen Au-stern unten in der hohlen Hand hielten. WelcheLuftsprünge würde Er z.B. machen, wenn ich michmit ihm — ick will Ihm nicht einmal EinenGroschen schenken — so recht vertraulich unter-hielte, als kennt' ich Ihn schon längst

»Ganz natürlich, versetzte Stoß, und hinter-her steckten Sie mir doch viel genug in die Ta-sche."

»Aber was ist alles Herablassen eines Fürsten,lieber Mann, geger ein ordentliches Inkognitodesselben, das allein schon werth ist, daß man ein

wird der König des Festes. Warum man dieBohne zum Kronen - Diplome wählt, ob, weil dieAlten mit ihr verdammten, oder weil ste den schweigen-den Ppthagoräern unleidlich, oder weil sie schwer ver-daulich war und dem Denker durch Blähen schadete,dies bedarf nicht der geringsten Untersuchung, da einKuchenbäcker an all' dergleichen gar nicht denkt.