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Der Komet.
^ Hier machte der Stößer ein ihm nahes Fenster-» chen auf, damit der Luftzug den Giftstaub von ihmseitwärts mehr »ach der Seile bliese, wo dieLust-, und die Speiseröhre des Drachendoktorsstanden und einsogen; es ist aber klar, daß erden Doktor mir dem Lustzuge nicht sowohl erfri-schen, als vergiften wollte. Unerwartet trat derFreimäuerer Worble ein, welcher dem Geburt-tage eines neugeborne Diamanten, oder dessenerstem Wiegenfeste beizuwohnen kam:alS eben derjmmerdicker gefrierende Apotheker nicht wußte,waser sagen wollte. Der Drachendvklor fuhr fort; er rochan zu stark eingedickte Ochsengalle, und stampfteund rief: »branst>g!" — Er foderts Mohnsafl,beleckte ihn n»d rief »Süßholzsaft darunter, ei sosoll dich doch!" —Er ließ mehre Fächer vollRinden, Pulver, Kräuter, herausziehen und über-fuhr ste flüchtig, lachte aber darüber,wenn gar nichtsdaran auszusetzen war.—Crbefühlte und zerbröckel-te die spanischen Fliegen und sagte: »uralt, seh' ich!"— Er nahm ein Wurzelmeffer und ein Wiegen-messer (zum Kpäuterschneiden) in die Hand undi fuhr mit denHandballen über die Schärfe und sagte:
^ schneiden nicht den Teufel, spür' ich !" — Einmal^ wollte der Apotheker erklären und bestreiken; da> hob jener den Kopf in die Höhe und befahl lang! gedehnt: »stch nur nicht gerechtfertigt!" — Dannging er weiter und an den Nezepliertisch, er federteGallapfel und legte eine Handvoll in die Wageund rief: zu jchwer, falsch, Wind! " Darauf»ahm er einen aus der Schale und schlug mit ei-nem Pflasterbret leicht auf ihn; wider alles Er-warten zerbröckelte stch eine graue Thvnschale unddeckte (die gewöhnliche Verfälschung) einen blosenStein auf: »und das ist ein Gallapfel, Herr ?»fragte er und steckte das Steinobst und die Thon-hülse zu stch.
Dem Apotheker drehten stch Unmuththränendrückend hart unter den Augapfeln herum undempor, und er konnte nur stotternd im Gefühlseiner Truglvstgkeit aufschreien: »Ja, eS ist einGallapfel, und wird einer sein, aber ich bin andiesem Markttage ein Kind des Unglücks undwerde überall aufs Haupt geschlagen undaufs Herz. aber es kann noch einen Gott geben,der sich meiner annimmt wenns zu spät ist!"
Der Freimäuerer, längst auf feurigen Kohlenstehend, die er lieber auf des Doktors Haupt ge-sammelt hätte, war unterdessen, da er die übrigenGallapfel des Schubfachs durchgesinqert, wederauf glatte, noch auf schwere gestoßen; »sonderbar,sagt' er, auch kein einziger falscher ist noch imFach, alles ächt."
Der Drachendoktor, nicht jener bessere teuflischeHexendrache, der in den Schornstein Lebensmittelträgt, sondern jener spätere, der den Menschen holt,versetzte auf alles nichts, sondern prüfte fort.
—Der Stößer that ihm hinter dem Tuche die uner-hörtesten Grobheiten an, welche man zu». Glückenicht hörte. — »Nein, fing Worble wieder a»,auch nicht Ein falscher Sodvmsapfel ist mehr un-ter den andern zu finden, und ich wundere michdoch . . ."
»WaS stößt hier der Mensch?" fragte der Dok-tor, den Mörser musternd. Veit Stoß stieß stär-. ker und that, als versperre und versplinte lein
Mund- und Nasengitter auch seine Ohren undstampfte stumm fort. »Weißen Arsenik," sagteMarggraf. »So seh' ich schon voraus graueKreide darein eingeschwärzt," sagte der Drachen-doktor und holte sich zum Beweise mit einer Fin-gerspitze eine Prise weißes Giftpulver — rieb es— und sagte: graues oder kreidenartiges ist dar-unter." — Und nach mehren glaubwürdigen Ge-schichtschreibern, die vor mir liegen, hatte er wirklichRecht; den» etwas von dem weißlichen Thon desGallapfels war von seinenFingerspitzen in den Arse-nik übergegangen. Nicht alle Jahrhunderte wird ei»so ausgezacktechvollgeschriebenes Gesicht geschnitten,als jetzo an Stoßens Vorderkopfe hing.Doch hatteauf diesem die Natur der Kunst vorgearbeitet:denn sein Gesicht sah, besonders um den Mundherum, stets wie eines aus, das i» grimmigerKälte lachen will, ein weinerlich-freudiges, festge-fcornes Brelkzerren. Mit diesem und der heißenTobsucht im Blicke hob er eine Hand voll Giftfür den Doktor heraus, gleichsam sagend: so lecke,wenns nur Kreide ist.
Marggraf konnte nun nichts mehr vorbringenund vorhalten, er lag erlegt, aber nicht ausFurcht. Das Anstaunen der Bosheit lähmt sogut die Zunge, als das Anstaunen des Werths;und ei» mildes Herz gerinnt tödtlich vor einemgrimmig kalten.
Worble — der sich gerade in solchem dicklufti-gen Hundegrvllen des Zanks frisch'gekühlt ver-spürte, und den zankenden Männern im feuri-gen Ofen am liebsten alsSchneemann vorstand —fing au: »Herr Stadt- und Landphysikus! We-nigstens zeigt unser Herr Hundeapotheker in dieserSache mehr den Man», der mehr aufs Lebenlas-sen, wenn auch nicht aufs Beleben ausgeht, dennalles, was etwa zu fehlen scheint, besteht inMor^mitteln — Opium lind Rattengift sind un-schädlicher gemacht — spanische Fliegen durch Alter !entkräftet — Galläpfel und sogar Messer ihrer ^Schärfe beraubt — und was Bitteres etwa in derApotheke zu ächt und zu instisstert(eingedickt) wäre,ist, wie Sie besser wissen als ich, dieOchsengalle."—Auch auf die geschwächte Pfeffer-Münze würd'er gut angespielt habe», wäre er sriiher ange-langt.
Schon in Schriften.deren Zweck und Geist mandoch angekündigt kennt, werden Ironien wenig ver-standen, noch mehr aber im gemeinen Leben undvon noch gemeineren Seelen; daher fuhr der Dra-chendoktor auf und sagte, es für wörtliche Ent-schuldigung nehmend: »Mein Herr, weder Sie,noch der Apotheker verstehen den Henker von derHeilkunde: zu so etwas müßten Sie erst Doktorensein."
»Wenn wirs aber wären?» versetzte Worbleund sagte mit vielen Geberdunge» dem zaudern-den Apotheker ordentlich einen Befehl ins Ohr.Nikolaus, der freilich sich auch darum unter solcheSchmählasien niedergebogen hielt, weil er sie fürPrüfungen seiner Zvrnenthaltung bei alchemischenProzessen ansah, der aber überdies in dieser Höllehalb niedergebrannt dastand, so daß mit seinerfleischfarbenen Asche Lüftchen spielen konnte», ließsich endlich in Gang bringen. Mit einem breitendicken Pergamente kam er zurück. Worble hielt