Band 
IV.
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DeL KöiNkr.

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Achtes Kapitels

oder : wie der Diamant, desgleichen der SchlichterHoseas, ächt und hart befunden werden.

Der Apotheker zog mit einer Zange die blitzendeSchlacke heraus und ließ den Stößer mit einemHammer wacker auf beide schlagen: der Steinhielt sich.

Er ließ ihn ftstkneipen und keilte daran miteiner englijchen Feile: der Stein hielt sich.

Er und Stoß hauchten dessen Glanz an; letzterhielt sich.

Er legte den Stein auf einen Amboß und schlugmit einem Schmiedehammer gewaltig auf ihn : erbekam ein Grübchen, nicht der Stein, sondern derAmboß.

Folglich hatt' er nach allen Proben seinen ersten^ Diamanten verfertigt.

j —Seltsames Menschenleben! Nichts als einj dünner, undurchsichtiger Augenblick scheidet oftj deine Holle von deinem Himmel; und wie wir

^ zuweilen in Träumen die Knochen marklos und

^ Füße und Hände angekettet fühlen, plötzlich aberi der Zuck des Erwachens uns voll Kraft und Be-

! wegung in frisches Leben schickt, so reißt das

! Schicksal die Kette eines langen Qual - Traumes' auf einmal durch eine Minute entzwei und der> Mensch erhält seine frohe Freiheit wieder und —

! wacht.-

I Außerordentliche Lehrer der Seelenlehre (kro-! tessores extraorlUnurii) werden auf ihren ver-schiedene» aus einander gelegene» Lehrstühlen denHeischesatz aufstelle.,, daß der Apotheker, welcherbisher schon vor den bleich gezeichneten Himmel-karten seiner Hoffnungen geblendet und wie außersich gerissen stand, nun gär vollends im wahrenHimmelwagen seßhaft, welcher um die Himmel-kugel rollt, vor Schwindel des Jubelns sich garnicht weiter werde zu lassen wissen. Es ist nichtmeine Schuld, wenn ich diese sp zuversichtlich hin-gestellten Paragraphen der Seelenlehrer gänzlichumwerfe. Denn der Apotheker suchte in der Ueber-wonne ein Zweifler und sein eigener Vissvntevzu werden, und wollte sich Gedanken machen:--DieSache ist ja aber kaum zu glauben, Stoß, sagt' er— es wäre zu viel, ein Diamant— Schon ein unge-schliffener Karat gilt seine 25 Thäler, vier Karategelten lömal mehr, den» die Steine werden nachden Quadratzahlen ihres Gewichts bezahlt; aberhier sind vollends mehr als zwanzig Karate aufeinmal, und an die Größe künftiger Diamantendenk' ich nicht einmal mit einer Sylbe. — MehreProben wenigstens sollten wir machen, sollten denStein ins Verkalkfeuer werfen, sollten ihn inDitriolöl kochen und nachsehen. — Ach! freilichist er ächt und recht ächt und diese schwachen Pro-ben sind jetzo nach den allerstärkste» wahre Pos-sen. O Stoß! so weit ist es endlich

durch Gottes Güte gediehe», und wir sitzen nun

beide im Sattel. Lasse Dich umarmen, Du

alter Kalefaktor des faulen Heinzes. . . . Scheue

Dich nicht ehrerbietig; wer verdient mehr als Du,daß man dich umhalst? Warst Du nicht derMann, der die Zange hin und her wandte, in derNacht ausstand und hundert Dinge tliat?"

Unter der Umarmung gerieth der Stößer außersich über lauter Himmel (jeder Arm und jedeLefze Marggrass war schon ein Himmel); erschluchzete gerührt und schimpfte auf sich selber, alssei er dergleichen gar nicht würdig als ein solcherSchubiack, uud beinahe hätt' er sogar den Apothe-ker angefahren vor Jubel über die allererste Um-halsung eines langjährigen Prinzipals. —Himmel!wie könnte oft eine einzige Umarmung eines be-wunoerten Mannes seine Schüler mit geistigenGeburten auf ein ganzes Leben befruchten, undein Körper einen Geist mit einer Geisterweltschwängern!

Der Stößer setzte eine Reibschale (oder warSeine Abrauchschale) als Kappe auf den Kopf — erkegelte ein Drahtsieb vor sich hin — er rief zumFenster hinaus: --Juchhch!" — er warf sich demtrocknen, eben schnupfenden Rezeptuarius um denHals, — der ihm ins Gesicht niesete mit der Fra-ge : »Hat man seinen Schuß, seinen Raptus, sei-nen Raps?» — Aber er antwortete: »Ja wohl,ich habe alles in der Welt und brauche »ichlS mehrals ein seliges Ende und damit holla! und ichmache mir heute aus Nichts etwas und juble nachGefallen." Zum Glücke schickte ihn endlich seinHerr zum Juden Hoseas, um den kostbarenStein vom Herzen zu haben und das Geld in derHand.

Es konnte ooen unter dem Gedränge der neuenHimmel den obgedachte» Seelenlehrern Marg-grafs freudige Zweifelsucht nicht durch die Beme»kung erklärt werden, die erst jetzo folgt. Das Glücknimmt, wen» es anS einem fernen zn einem nahenwird, eine Größe an, durch welche es theils zweifel-haft, theils so reizend erscheint, daß wir mit Beweisenseines Daseins kaum zu sättigen sind; und auf dieseWeise hindert, wie die Größe des Unglücks den Un-glauben. so die Größe des Glücks den Glauben.—

Hoseas erschien wahrhaft vergnügt; als ein kauf-männischer Steingelehrter (Lithvlog) der klassischenoder idealen Steine erkannte er sogleich aus den er-sten Blick am Diamanten den Apotheker als denRitter des ächten Diamanten - Vließes und staunteheimlich einen so großen Mogul der Zukunft an.Um d esto mehr leuchtete ihn, die Nothwendigkeitein, daß er das Steinchen für unächt zu erklärenund die stärksten Zweifel auszuwerfen habe, umfür sein baareS Geld wenigstens so viel zu gewin-nen, wie der Apotheker, der statt Geldes bloss Koh-len aufgewandt. Als dieser zur Wiederholungaller Proben, gleichsam zur Helnischau des Edel-steins zu greifen anfing : so wehrte er aus Zärteden meisten und versicherte, er zähle am meistenauf fein Herz. Nur zuletzt erst, als der Diamantrein erprobt dalag, ließ ihm der Jude kein gutesHaar — ei» Käsestein war er ohnehin — vollFedern und Knoten innen — finnig aber auch dabei,d. h. schwer zn schneiden — matter Stellen, oder8«nsck'r>rm68 genannt, gar nicht zu gedenken.

Der Apotheker wollte den herrlichen Wallfischvon Stein, den er sich zum Verspeisen gefangen,ungern wie einen gemeinen Kopffisch durch Zer-